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Vom Gepäckverlader zum Airline-Chef

Der Vorstandschef der zweitgrössten deutschen Fluggesellschaft Air Berlin, Joachim Hunold, hat heute sein Amt niedergelegt. Damit nimmt eine Bilderbuchkarriere ein abruptes Ende.

Stolzer Gründer der Air Berlin: Joachim Hunold im jahre 2008.
Stolzer Gründer der Air Berlin: Joachim Hunold im jahre 2008.
Keystone
Joachim Hunold bei bei der Verleihung des «Ordens wider den tierischen Ernst» in Aachen (3. Februar 2007)
Joachim Hunold bei bei der Verleihung des «Ordens wider den tierischen Ernst» in Aachen (3. Februar 2007)
Keystone
Joachim Hunold hört an einer Medienkonferenz einem Journalisten zu. (31. August 2008)
Joachim Hunold hört an einer Medienkonferenz einem Journalisten zu. (31. August 2008)
Keystone
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Sein Start ins Berufsleben verlief holperig, doch im Lauf der Jahre hat Air-Berlin-Vorstandschef Joachim Hunold viele Neider und Kritiker überflügelt. Der hemdsärmelige Manager startete 1992 den Flugbetrieb mit nur zwei Boeing-Jets und 150 Mitarbeitern. Heute gebietet der 61-Jährige über die zweitgrösste Fluggesellschaft Deutschlands mit über 9000 Beschäftigten und 168 Maschinen.

Die Fliegerei hat Hunold, Sohn eines Düsseldorfer Kosmetikvertreters, schon früh gereizt. Eine Ausbildung zum Berufspiloten nach dem Abitur blieb ihm aber wegen einer Sportverletzung am Arm verwehrt. Stattdessen studierte er neun Jahre lang Jura, ohne jedoch das erste Staatsexamen zu schaffen. Seinen Lebensunterhalt verdiente er sich als Kellner in Düsseldorf, was er später sein «Psychologiestudium» nannte.

Be- und Entladen überwacht

1978 nahm Hunold eine Stelle am Flughafen Düsseldorf an, wo er das Be- und Entladen überwachte. Von 1982 bis 1990 war Hunold bei der LTU-Gruppe tätig, zuletzt als Vertriebs- und Marketingdirektor. Im April 1991 gründete Hunold dann die Air Berlin GmbH & Co Luftverkehrs KG und übernahm damit die amerikanische Air Berlin Inc., die der ehemalige Pan-Am-Pilot Kim Lundgren 1978 gegründet hatte.

Als sein eigener Chef setzte Hunold erfolgreich auf Charterflüge nach Mallorca und in andere Mittelmeer-Destinationen sowie die Kanaren. 2002 etablierte sich Air Berlin erfolgreich mit Billigangeboten auch für Geschäftsreisende. Nach Easyjet und Ryanair wurde die Gesellschaft 2003 drittgrösster Low-Cost-Carrier in Europa. Air Berlin wurde zweitgrösste deutsche Airline hinter der Lufthansa. 2004 übernahm Hunold eine 24-Prozent-Beteiligung an der österreichischen Billigfluglinie Niki seines Freundes Niki Lauda, ein Jahr später kam die Fluglinie Germania Express hinzu, und 2006 folgte die Übernahme der DBA.

Kein Billigflieger mehr

Im selben Jahr wagte Hunold zudem den Börsengang und baute nach und nach eine moderne Flotte auf. Im März 2007 erwarb die Air Berlin, eine Aktiengesellschaft nach britischem Recht, komplett die LTU für 140 Millionen Euro inklusive Schulden von 200 Millionen Euro. Inzwischen haben sich Hunolds Jets vom Ruf der Billigflieger emanzipiert; mit nennenswerten monetären Gewinnen ging die Niveauverbesserung aber nicht einher.

2007 erhielt Hunold den Karnevalsorden «Wider den tierischen Ernst», wurde aber auch vom Naturschutzbund NABU als «Dinosaurier des Jahres» angeprangert, weil er «Umweltsünder ohne schlechtes Gewissen» sei und allen Fakten zum Trotz das Flugzeug als klimafreundliches Verkehrsmittel darzustellen versuche. Bei seinen öffentlichen Auftritten in den vergangenen Monaten schien Hunold einiges von seiner Hemdsärmeligkeit verloren zu haben.

Der am 5. September 1949 geborene Hunold ist verheiratet und hat vier Kinder. Er lebt in Düsseldorf, hat aber auch ein Haus auf Sylt. Seine Hobbys sind Golf und Tennis.

dapd/pbe

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