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Warum Salamin gehen musste

Jetzt lichtet sich der Nebel im Posteklat: Chefin Susanne Ruoff soll Patrick Salamin vorgeworfen haben, er trage die Kultur der Post nicht mit. Fakt ist: Ruoff hat einen Liebling der Angestellten abgeschossen.

Der Geschasste: Postkadermann Patrick Salamin musste gehen – war er zu kritisch?
Der Geschasste: Postkadermann Patrick Salamin musste gehen – war er zu kritisch?
Urs Baumann

Der Abgang von Patrick Salamin hat bei der Post ein mittleres Erdbeben verursacht: Die Meldung löste gestern im Intranet der Post fast zehntausend Klicks aus. Zudem soll es unzählige Kommentare zur internen Meldung über Salamin gegeben haben; und restlos alle Schreiber sollen den Abgang bedauern. Seit 2007 führte Salamin den Konzernbereich Poststellen und Verkauf. Damit war er für 9700 Angestellte direkt verantwortlich. Am Donnerstag hat ihn Konzernchefin Susanne Ruoff abserviert. Über die Gründe für seinen Rauswurf wurde bislang nichts bekannt.

Der erzwungene Abgang dürfte auch mit Salamins Naturell zusammenhängen: So gilt er als sehr direkt und ehrlich. Aber auch als sehr zugänglich. Er pflegte alle seine Angestellten und Mitarbeiter zu duzen – selbst die Putzfrau. Und sogar die Gewerkschaften, die politisch das Heu gar nicht auf der gleichen Bühne haben, loben den Walliser. Syndicom-Gewerkschafter Fritz Gurtner sagte am Donnerstag gegenüber dieser Zeitung, die Verhandlungen mit Salamin seien stets hart gewesen, aber immer offen und ehrlich abgelaufen. Daher, so erzählte Gurtner, schätze er Salamin als Menschen denn auch «wahnsinnig».

War Salamin zu offen?

Umso mehr überrascht nun aber der Grund, der zur Kündigung geführt haben soll: Es wird gemunkelt, Chefin Ruoff soll ihrem Kadermann vorgehalten haben, er trage die offene Unternehmenskultur bei der Post nicht mit.

Mitarbeiter aus Salamins Bereich bezeichnen diesen Grund indes als «lächerlich». Vielmehr solle es so gewesen sein, dass eben gerade Salamin sehr offen gewesen sei. Vielleicht zu offen für die Chefin. Die Rückmeldungen des kritischen Salamin vertrug sie anscheinend zuweilen nicht. So machen bei der Post Gerüchte die Runde, wonach Ruoff als Managerin die Dossiers nicht gut genug kenne und entscheidungsschwach sei. Das sind happige Vorwürfe. Ob allerdings Salamin diese Vorwürfe gegenüber Ruoff vorgebracht hat, ist nicht bekannt. Ein Grund für die Spannung könnte sein, dass Salamin seit zehn Jahren bei der Post ist und den Betrieb gut kennt. Ruoff aber kam als IT-Managerin von aussen, sie führte zuvor 200 Mitarbeiter bei der Schweizer Tochterfirma von British Telecom. Seit letztem September ist sie für die 60'000 Postmitarbeiter verantwortlich.

Ein Indiz für die kolportierte Schwäche der Chefin sehen Beobachter auch im Verhalten von Postpräsident Peter Hasler, der Ruoff einst als «Perle» bezeichnet hatte. Doch nun greife Hasler immer stärker «operativ» in die Geschäfte der Post ein.

Hasler reagierte auf eine Mailanfrage dieser Zeitung nicht. Auch Salamin war nicht erreichbar. Bei der Postmedienstelle hiess es schon am Donnerstag, es gebe keine Kommentare zu den Gründen des Abgangs. In der Mitteilung steht, es habe «unterschiedliche Auffassungen bezüglich Führung und Zusammenarbeit» zwischen Salamin und der Konzernspitze gegeben.

Eine starke Haltung

Salamin gilt als einer, der vor unpopulären Massnahmen nicht zurückschreckt. So stand er etwa ein für eine harte Haltung gegenüber dem Preisüberwacher, der die Post zwingen will, die Preise zu senken. Salamin soll in der Konzernleitung die starke Figur gewesen sein.

Offenbar liegt diese Haltung nicht auf der Linie von Susanne Ruoff.

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