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Weniger Lohn für KMU-Verwaltungsräte

Nach zehn Jahren ungebremsten Lohnwachstums verdienen KMU-Verwaltungsräte erstmals wieder weniger. Am höchsten ist die Vergütung bei den Banken, am geringsten in der Dienstleistungsbranche.

Bei Banken sind die Saläre höher als im übrigen Dienstleistungsgewerbe: Kurt Streit, Verwaltungsratspräsident bei der Valiant Bank, und Jürg Bucher, Leiter der Postfinance.
Bei Banken sind die Saläre höher als im übrigen Dienstleistungsgewerbe: Kurt Streit, Verwaltungsratspräsident bei der Valiant Bank, und Jürg Bucher, Leiter der Postfinance.
Keystone

Der ständige Anstieg der Verwaltungsratssaläre bei kleineren und mittleren Schweizer Unternehmen (KMU) scheint gestoppt. Erstmals seit 1999 haben dieses Jahr die Honorare gemäss einer Studie leicht abgenommen. Am meisten Federn lassen mussten Verwaltungsräte von Banken, deren Auswüchse aus den Boomzeiten zurückgebunden wurden.

Im Durchschnitt verdient ein Verwaltungsrat eines KMU jährlich 25'500 Franken, wie aus der heute veröffentlichten Verwaltungsratsstudie 2011 der Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft BDO sowie der Universität St. Gallen hervorgeht. Das sind fast 300 Franken weniger als bei der letzten Studie im Jahre 2008.

Am meisten zurückgestutzt wurden die Saläre von Bankverwaltungsräten, die von 2005 bis 2008 ihre Bezüge auf gut 91'000 Franken pro Jahr mehr als verdoppelt hatten. Nun müssen sie sich mit 39'100 Franken bescheiden. Damit seien die Bankverwaltungsräte aber immer noch die bestbezahlten von allen Branchen, hiess es in der Studie. Die zweithöchsten Vergütungen erhalten die Verwaltungsräte von KMU, die im Handelsgeschäft tätig sind: im Durchschnitt sind es 32'700 Franken. Am anderen Ende sind es in der verarbeitenden Industrie 23'000 Franken und bei den Dienstleistern rund 22'500 Franken.

Ausreisser bei Banken korrigiert

Der deutliche Rückgang bei der Vergütung lässt sich laut der Studie durch zwei Faktoren erklären: Einerseits habe die Finanz- und Wirtschaftskrise auf die Saläre geschlagen, da die Erfolgshonorare kleiner seien als im Jahr 2008. Andererseits seien damals mehr mittelgrosse Banken mit höheren Entlöhungen in der Studie enthalten gewesen.

«Wir interpretieren einen Teil der hohen VR-Saläre von 2008 bei Banken als Ausreisser», sagte Professor Urs Fueglistaller von der Universität St. Gallen vor den Medien in Zürich. «Aus unserer subjektiven Sicht waren die Verwaltungsratshonorare bei den Banken vor der Finanz- und Wirtschaftskrise einfach sehr hoch.»

Diese Situation habe sich nun gebessert. Über alle Branchen hinweg habe sich die Entlöhnung der Aufsichtsgremien mit gut 25'500 Franken im Durchschnitt auf einem «vernünftigen, realistischen und angemessenen» Niveau eingependelt, so BDO-Partner Werner Schiesser: «Wir sehen heute keine Exzesse.»

Tiefe Frauenquote

Fast zwei Drittel der Verwaltungsräte sind über 50 Jahre alt. Heiko Bergmann von der Uni St. Gallen hält dies für gerechtfertigt: «Das ist kein Pfadilager oder die Jugend, die für Olympia trainiert. Es braucht Erfahrung und ein gewisses Alter, um in einem Verwaltungsrat tätig sein zu können.» Trotz des bereits relativ hohen Durchschnittsalters zeige der Trend aber weiter nach oben. Der Anteil der unter 40-Jährigen in Aufsichtsgremien habe nochmals leicht abgenommen im Vergleich zu 2008, sagte Bergmann zu den Medien.

Weiterhin tief ist auch der Frauenanteil, obwohl er in den letzten Jahren kontinuierlich gestiegen ist. Inzwischen sind 15,1 Prozent der Verwaltungsräte Frauen. Am tiefsten ist er weiterhin bei den Banken.

SDA/ssc

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