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«Wir kaufen überhaupt nichts aus solchen Schächten»

Glencore gerät weiter unter Druck: Neue Videoaufnahmen belasten das Kongo-Geschäft des Zuger Unternehmens zusätzlich. Firmenchef Ivan Glasenberg nimmt erstmals persönlich Stellung.

«Das Problem wird in den nächsten ein bis zwei Wochen gelöst»: Ivan Glasenberg.
«Das Problem wird in den nächsten ein bis zwei Wochen gelöst»: Ivan Glasenberg.
Keystone

Am Montag machten Menschenrechtsorganisationen eine Untersuchung publik, die Glencore an den Pranger stellt: Das Zuger Unternehmen profitiere von Kinderarbeit und extrem schlechten Sicherheitsvorkehrungen in Minen in der Demokratischen Republik Kongo. Glencore kaufe über Zwischenhändler Kupfer, «das unter prekären Bedingungen und von Kindern abgebaut wurde», erklärten die Organisationen Brot für Alle und Fastenopfer. Glencore wies die Anschuldigungen zurück.

Journalisten des Westschweizer Fernsehens und der BBC reisten nun in den Kongo, um sich ein Bild vor Ort zu machen. Das gesammelte Videomaterial setzt den Schweizer Rohstoffriesen zusätzlich unter Druck: Es zeigt etwa einen durch Glencore verschmutzten Fluss, dessen Zinkkonzentration die normalen Messwerte um ein Vielfaches überschreitet. Im selben Gewässer tummeln sich badende Kinder und Hausfrauen beim Kleiderwaschen.

Glasenberg: Problem werde in den nächsten Wochen gelöst

Das Schweizer Fernsehen präsentierte die Bilder dem Glencore-Chef Ivan Glasenberg. Dieser räumt gegenüber «10vor10» ein: Das Wasserproblem habe sich zwar massiv verbessert. Doch rund 10 Prozent der Gewässer seien tatsächlich noch verschmutzt. Dieses Missstand würde jedoch «in den nächsten ein bis zwei Wochen» behoben, sagt Glasenberg.

Weiteres Videomaterial belastet Glencore noch weit mehr: Im Fokus steht der Tagebau Tilwezembe, der zur Glencore-Tochter Kamoto Copper Company (KCC) gehört. Das Unternehmen selbst baue dort derzeit aber keine Rohstoffe ab, liessen die NGOs in ihrer Untersuchung verlauten. Ein Reporterteam verfolgte nun den Transportweg der dort abgebauten Rohstoffe. Dieser führte die Journalisten zur Firma Mopani, eine Tochtergesellschaft von Glencore. «10vor10» liegen zudem Dokumente vor, die belegen, dass Rohmaterial aus Tilwezembe in den Händen von Glencore landet.

«Wir kaufen nichts in solchen Schächten»

Die Videos bestätigen auch die Recherchen der NGO's, dass auf dem Minengelände minderjährige Schürfer auf eigene Faust Rohstoffe abbauen. «Ich bin zehn Jahre alt», entgegnet ein kleiner Junge einem Reporter. Ivan Glasenberg streitet jede Verbindung zur umstrittenen Mine in Tilwezembe ab: «Wir kaufen überhaupt nichts aus solchen Schächten.»

Glencore betonte am Montag schon in einem Communiqué, dass die Mine Tilwezembe derzeit ruhe. Mitte 2010 seien dort aber «über Nacht hunderte Kleinschürfer eingefallen», mit deren Glencore in keinerlei Verbindung stehe. Der Konzern stehe mit der Regierung des Kongo in Verbindung, um die Situation zu klären. Von einer Räumung des Tagesbaus sei bislang aber abgesehen worden, da dies bei anderen Minen und anderen Unternehmen in der Vergangenheit zu Gewalt und sogar Todesopfern geführt habe.

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