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«Wir machen allen Konkurrenz»

Der italienische Detailhändler Eataly will 2019 in die Schweiz. Chef Andrea Guerra gibt sich angriffig.

Expandiert weltweit mit Gourmet-Tempeln: Eataly-Chef Andrea Guerra.
Expandiert weltweit mit Gourmet-Tempeln: Eataly-Chef Andrea Guerra.
ZVG

Körbe voller Tomaten, zum Trocknen aufgehängter Schinken, Berge an bunt verpacktem Panettone: Im Eingang von Eataly schlagen dem Besucher verschiedenste Gerüche und Geräusche entgegen. Ein Marktplatz mischt sich mit kleinen Restaurant-Ecken: Eine Fischtheke reiht sich an die Werkstatt eines Pizzabäckers, ein Pastakoch dreht grosse Teigfladen durch eine Maschine, ein Mozzarella-Hersteller rührt mit grosser Kelle das Milch-Lake-Gemisch.

Halb Gastronom, halb Detailhändler hat die italienische Kette Eataly zuletzt kräftig in den USA und Europa expandiert. 39 Filialen gibt es bereits. Auch in die Schweiz will der Italiener expandieren – Medienberichten zufolge im Jahr 2019. Verwaltungsratspräsident Andrea Guerra über das Konzept hinter der Kette, das erste Schweiz-Geschäft und den anvisierten Börsengang.

Andrea Guerra, Berichten zufolge wollen Sie 2019 mit Eataly in die Schweiz kommen. Konkretisieren sich die Pläne?

Andrea Guerra*: Zuerst wollen wir unsere zwei grössten Märkte, Italien und die USA, weiter aufbauen. Dort öffnen wir derzeit die meisten neuen Läden. Wir sind aber mit Partnern in Kontakt für Filialen in Zürich und Lausanne.

Wann soll der erste Schweizer Laden eröffnet werden?

Es gibt noch kein exaktes Startdatum.

In der Schweiz hat zuletzt die erste Filiale der Coop-Tochter Sapori d'Italia eröffnet. Braucht es einen weiteren italienischen Delikatessen-Laden?

Wir konkurrieren mit keinem und mit allen. Wir sind kein Supermarkt, kein Restaurant, keine Schule: Wir sind all diese Dinge zusammen. Die Erfahrung bei uns ist anders als alles, was man sonst kennt. Ich würde Coop darum nicht als Konkurrenten sehen.

Letztes Jahr sah es bei Ihnen nicht besonders gut aus, Eataly machte 11 Millionen Verlust. Wie sieht es dieses Jahr aus?

Letztes Jahr war entscheidend für uns, weil wir viele Läden geöffnet haben, unter anderem erste Läden in vielen südamerikanischen, europäischen und italienischen Städten. Es war eines der Jahre, in denen man mehr investiert als reinbringt. Dieses Jahr wachsen wir beim Umsatz um rund 25 Prozent, also von 380 Millionen Euro auf rund 470 bis 475 Millionen Euro. Der Gewinn dürfte um die 20 bis 25 Millionen Euro liegen.

Welcher Anteil der Umsätze kommt von Lebensmitteln und welcher von Gastronomie?

Es gehört alles zusammen, wir machen da keine Unterscheidung. Es geht um die Erfahrung im Laden: Dieser muss Menschen anlocken, die zur Schule gehen wollen. Eataly ist wie eine Schule.

Inwiefern?

Man kann immer etwas Neues über Lebensmittel lernen. Wir wollen die Geschichten hinter den Produkten erzählen. Bei uns kommen alle Lebensmittel von kleinen Bauern oder Herstellern aus Italien. Diese Produkte liefern wir auch ins Ausland.

Was erwarten Sie für das Jahr 2018?

Wir öffnen weitere Läden an entscheidenden Orten, etwa in Los Angeles. Ausserdem haben wir unseren Freizeitpark Fico bei Bologna eröffnet. Darum dürften wir weiter stark wachsen.

Wie läuft Fico, der auch als Disneyland für Gourmets bezeichnet wird, seit der Eröffnung? Italienische Medien berichteten, dass die Besucherwelle ausblieb.

Wir haben eine riesige Menge an Besuchern. Zahlen kann ich nicht nennen, aber es ist eine grosse Menge.

Sie wollen mit Eataly an die Börse. Wann?

Innerhalb der nächsten 18 Monate. Jetzt müssen wir hart arbeiten.

Wie viel investieren Sie in die Digitalisierung des Geschäfts?

Wir sind ein Start-up und mussten zunächst unseren physischen Fussabdruck hinterlassen. Jetzt investieren wir 30 bis 50 Millionen Euro pro Jahr.

Sie waren CEO beim Brillenhersteller Luxottica, zu dem Ray Ban oder Oakley gehören. Was haben Brillen und Pasta gemeinsam?

Sowohl bei Sonnenbrillen wie auch bei Lebensmitteln muss man Erfahrungen managen. Es geht darum zu vermitteln, dass ein Produkt nicht nur einen funktionalen Zweck erfüllt - also bei Lebensmitteln, sich zu ernähren. Sondern dass man die Geschichte, die hinter einem Produkt steht, erzählt. Dafür muss man verstehen, was die jeweilige Marke anbietet. Eataly definiert die Beziehung vom Menschen zu Lebensmitteln neu.

*Andrea Guerra ist Präsident von Eataly. Zuvor war er CEO der Luxottica Group, zu der Marken wie Oakley, Ray-Ban oder Persol gehören.

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