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ZKB neu «systemrelevant» – was ist mit Raiffeisen und Postfinance?

Die Meldung kam heute Morgen überraschend: Die SNB stuft die ZKB neu als «systemrelevant» ein. Da stellt sich unweigerlich die Frage nach anderen Banken. Was diese jetzt sagen – und wie Politiker reagieren.

Hat heute den Stempel «systemrelevant» bekommen: Die Zürcher Kantonalbank, Nummer vier auf dem Finanzplatz Schweiz.
Hat heute den Stempel «systemrelevant» bekommen: Die Zürcher Kantonalbank, Nummer vier auf dem Finanzplatz Schweiz.
Keystone
Ist mit der SNB bezüglich Systemrelevanz «im Gespräch»: Raiffeisen, die Nummer drei auf dem Schweizer Finanzplatz.
Ist mit der SNB bezüglich Systemrelevanz «im Gespräch»: Raiffeisen, die Nummer drei auf dem Schweizer Finanzplatz.
Keystone
Hat keine Hinweise darauf, dass sie von der SNB als systemrelevant eingestuft werden könnte: Postfinance.
Hat keine Hinweise darauf, dass sie von der SNB als systemrelevant eingestuft werden könnte: Postfinance.
Keystone
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Auch der ZKB dürften, nach CS und UBS, künftig strenge Auflagen ins Haus stehen: Sie wurde von der Schweizerischen Nationalbank (SNB) als «systemrelevant» eingestuft. Sie habe zur Kenntnis genommen, dass die SNB nach Anhörung der ZKB und der Eidgenössischen Finanzmarktaufsicht (Finma) eine entsprechende Verfügung erlassen habe, teilte die grösste Kantonalbank heute mit.

Die SNB erklärte in einer Mitteilung ergänzend, für den Vollzug der regulatorischen Folgen seien primär die ZKB und subsidiär die Finma zuständig. Gemäss früheren Angaben müssen «systemrelevante» Banken gemäss der «Too-big-to-fail«-Vorlage risikogewichtet zwischen 14 und 19 Prozent Eigenmittel halten. Diese Zahl ist abhängig von der Bankgrösse und von Rabatten, die für Vorkehrungen für den Krisenfall gewährt werden.

Raiffeisen im Gespräch mit der Nationalbank

Die Frage nach der Systemrelevanz stellt sich nun aber auch für andere grosse Banken wie etwa Raiffeisen, die Nummer drei auf dem Schweizer Finanzplatz. «Wir sind mit der Nationalbank zu diesem Thema im Gespräch», bestätigt Sprecher Franz Würth auf Anfrage von Redaktion Tamedia. Ein Entscheid liege jedoch noch nicht vor. Die Bank wisse auch nocht nicht, wann es soweit sei.

Würth betonte, dass Raiffeisen mit ihren 320 selbständigen Banken allerdings ein anderes «Konstrukt» als die ZKB sei, die in einem beschränkten Markt tätig sei. Ausserdem seien die Hypotheken bei Raiffeisen überwiegend im selbstbewohnten Wohnungsbau. Zuvor hatte die SNB keine genaueren Angaben darüber gemacht, ob eine mögliche Systemrelevanz der Raiffeisen-Gruppe untersucht werde. Solche Abklärungen seien vertraulich, sagte SNB-Sprecher Werner Abegg auf Anfrage.

Und wie sieht es mit der Postfinance aus? «Wir haben keine Anzeichen, dass wir von der SNB als systemrelevant eingestuft werden», sagt Post-Sprecher Marc Andrey auf Anfrage. Keine Hinweise auf eine Überprüfung der Systemrelevanz gibt es bei der Basler Kantonalbank, wie ein Mediensprecher auf Anfrage erklärte. Die Basler Kantonalbank ist allerdings gemessen an der Bilanzsumme (25 Milliarden gegenüber 150 Milliarden Fr.) sechsmal kleiner als die ZKB.

Für Ruedi Noser kommt die neue Einstufung der ZKB nicht überraschend, wie er auf Twitter verlauten lässt.

Als «positiv» bewertet SP-Kantonsrat Roland Munz die neue Einstufung der ZKB durch die Nationalbank, wie er auf Twitter verlauten lässt.

ZKB hat Staatsgarantie

Die ZKB gehört zu 100 Prozent dem Kanton Zürich und geniesst eine Staatsgarantie. Sie ist mit einer Bilanzsumme von 150 Milliarden Fr. nach UBS, Credit Suisse und Raiffeisen die viertgrösste Schweizer Bank. Bislang sind Ende 2012 UBS und CS offiziell von der SNB als systemrelevant eingestuft worden.

Die ZKB will am Nachmittag an einer Medienkonferenz weiter informieren. Am Morgen beliess sie es zunächst bei einem vier Sätze umfassenden Communiqué. Grund für die Vorinformation seien die Vorschriften für Ad-hoc-Publizität der Schweizer Börse SIX.

Bisher 2 Milliarden Franken gefordert

Die ZKB hat wegen verschärfter Eigenkapitalregeln bereits Anfang Jahr beim Kanton mehr Mittel angefordert. Der Kantonsrat soll darüber entscheiden, ob der Kanton 2 Milliarden Fr. freimachen soll, um die Reserven der Staatsbank aufzupolstern.

Gemäss einem Rundschreiben der Finma vom März 2011 zählte die ZKB, zusammen mit Raiffeisen und Postfinance, zur zweiten von insgesamt sechs Kategorien. Diese zweite Kategorie muss eine Kernkapitalquote von 13,6 Prozent bis 14,4 Prozent der gewichteten Aktiven erreichen. Ende Juni übertraf die Bank mit 14,9 Prozent die Vorgabe bereits, doch sollten die geforderten 2 Milliarden Fr. vom Staat helfen, die Bank in eine komfortablere Lage zu bringen. Raiffeisen weist nach Angaben von Würth derzeit eine Eigenkapitalquote von 14,4 Prozent auf. Bei Postfinance liegt die Eigenkapitalquote laut Angaben von Andrey bei 19 Prozent.

Bei den beiden zur ersten Kategorie zählenden Grossbanken liegt die geforderte Kapitalquote bei 19 Prozent.

Auf solide Polster angewiesen

Als grosse Kreditbank, deren Bilanz zu einem erheblichen Teil aus Hypotheken besteht, ist die ZKB auf solide Polster angewiesen. Heute Morgen gab es auf Anfrage keine Angaben der ZKB, ob die Vorlage an den Kantonsrat überarbeitet werden müsse, wenn die Eigenmittelvorschriften wie bei den Grossbanken auf 14 bis 19 Prozent steigen.

An der Medienkonferenz am Nachmittag werde aber darüber orientiert, hiess es. Die ZKB muss ihre Reserven nicht zwingend alleine mit Kantonsmitteln füllen. Möglich wäre auch, dass sie dafür am Kapitalmarkt Geld beschafft.

Bisher haben vor allem die Grossbanken die Regulatoren kritisiert, dass etwa die Kantonalbanken weniger hart angefasst würden: Mit tieferen Kapitalanforderungen hätten die vor allem regional tätigen Institute einen Wettbewerbsvorteil, hiess es.

SDA/mka/rbi

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