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Vollgeld: Eine Idee zur Lösung der Schulden- und Bankenkrise Verein in der Schweiz mit Initiative zur Umkrempelung der Bankwelt Von Max Mohn, sda Hintergrund

Finanzkrise, Bankenrettung durch den Steuerzahler, Staatsverschuldung, Absturz in die Rezession: Gegen diesen Teufelskreis scheint ein Kraut gewachsen - das Vollgeld.

Angesichts der Wirtschaftslage ist die Idee brandaktuell. In der Schweiz plant ein Verein eine Initiative. Die Verfechter der Vollgeld-Theorie orten die Wurzel des Übels im Kreditwesen der Banken. Indem diese Kredite vergeben, schaffen sie dauernd neues, eigentlich fiktives Geld, sogenanntes Buch- oder Giralgeld. Dieses existiert nur elektronisch (früher in den Büchern), erweitert aber die umlaufende Geldmenge. Sobald ein Kredit zurückgezahlt ist, ist das Geld wieder verschwunden. Das Ganze nennt sich Fiat-Geld, nach dem lateinischen «es werde». Nur ein geringer Teil des Geldes ist «richtiges Geld», Zentralbankgeld, Münzen und Noten, für welche die Nationalbank garantiert. Weil Banken zur Kreditvergabe nur eine kleine Fraktion von Zentralbankgeld vorhalten müssen, können sie praktisch beliebig Buch- oder Giralgeld schöpfen - und dieses neben Krediten auch zur Spekulation einsetzen. Bankenrisiken ausgeschaltet Nun verdienen Banken mit den Kreditzinsen ihr Geld. In guten Zeiten führt das zu grosszügiger Kreditvergabe, fliessen die Ausstände doch samt Zins zurück. Wird es enger, fürchten die Banken Ausfälle und drehen den Hahn ab. Wegen des dadurch knapperen Geldes steigt wiederum das Ausfallrisiko. Das geschah beim Platzen der Hypothekenblase in den USA - einer der Gründe für die gegenwärtigen staatlichen Bankenrettungen in Europa und damit für die Schuldenkrise. Hier setzt das Vollgeld den Hebel an. Im Vollgeld-System wäre den Banken die Möglichkeit genommen, Kredite sozusagen aus dem Leeren zu schöpfen. Sie könnten nur noch «richtige» Einlagen ausleihen, Spargelder also. Die Geldschöpfung würde einzig der Notenbank obliegen - mithin also in die demokratisch legitimierte Kontrolle des Souveräns zurückkehren, wie es die Bundesverfassung eigentlich verlangt. Das Buchgeld würde verschwinden und durch Vollgeld ersetzt, also durch gesetzliche Zahlungsmittel. Die für die Volkswirtschaft zu schaffende Geldmenge würde dabei von der unabhängigen «Monetative» bestimmt und kontrolliert, einer vierten Staatsgewalt neben Judikative, Exekutive und Legislative. Das Systemrisiko durch Banken wäre beim Vollgeld ausgeschaltet, da die Institute wie jedes andere Unternehmen Pleite gehen könnten, ohne dass Zahlungsverkehr und Kundengelder gefährdet wären. Das Risiko würde bei der Bank und ihren Anlegern liegen, nicht mehr beim Steuerzahler. Initiative im Köcher Der Verein für Monetäre Modernisierung (MoMo) will dem Vollgeld in der Schweiz mit einer Initiative zum Durchbruch verhelfen. Mit der Unterschriftensammlung will er 2013 beginnen, wie Vereinsgründer Hansruedi Weber auf Anfrage der Nachrichtenagentur sda sagte. Dank eigener Währung, direkter Demokratie und grossem Finanzplatz sei die Schweiz für ein solches Vorhaben prädestiniert. Die Initiative wird unter anderen vom emeritierten St. Galler Wirtschaftsprofessor Hans Christoph Binswanger (ökologische Steuerreform, «Die Wachstumsspirale») unterstützt. Auftrieb erhält die während der Depression der 1930-er Jahre von renommierten Ökonomen in den USA entwickelte und vom damaligen Präsidenten Franklin D. Roosevelt unterstützte Idee derzeit vom Internationalen Währungsfonds (IWF). Angesichts der bisherigen IWF- Standpunkte kommt dies für Weber überraschend. Die beiden IWF-Ökonomen Jaromir Benes und Michael Kumhof errechneten anhand von modernen Modellen die Folgen einer Richtung Vollgeld zielenden Reform. Sie kamen wie schon die Ökonomen der 1930- er Jahre zum Schluss, dass neben den ausgeschalteten Systemrisiken durch die Banken auch die Wirtschaftszyklen dank Vollgeld besser kontrollierbar wären. Die Staatsschulden würden ebenso wie die privaten Schulden schwinden. Hinzu kämen Produktionsgewinne durch entfallende Verzerrungen wie Zinsrisiken, verfälschende Steuern und teuere Überwachungsmassnahmen. Die Inflation würde wegen fehlender Liquiditätsfallen auf Null sinken, behaupten die IWF-Ökonomen. Das kontert die Aussage von Gegnern, wonach das Vollgeld-System hoch inflationär wäre.

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