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Vor dem Firmenjubiläum ist die Zukunft von Opel ungewisser denn je Von Claus-Peter Tiemann, dapd Hintergrund

Rüsselsheim «Die Firmengeschichte der Adam Opel AG gleicht einem spannenden Roman, den man nicht besser erfinden könnte.» Am Vorabend des 150.

Jubiläums wird dieser Satz aus der Opel-Firmenchronik wieder einmal bestätigt: Tausende Arbeiter und Angestellte müssen in die Kurzarbeit, der Kampf ums Überleben geht in die nächste Runde. Ein weiteres Kapitel im Opel-Roman kann beginnen, das Ende ist offen. Das erste Kapitel wurde im August 1862 aufgeblättert: Der Schlossergeselle Adam Opel beginnt in der väterlichen Schlosserwerkstatt in Rüsselsheim mit dem Bau von Nähmaschinen. Das Geschäft läuft gut, nach einem Jahr stellt Opel die ersten Arbeiter ein, 1868 baut er eine Fabrik. 1886 erweitert Opel das Geschäft um Fahrräder, das erste «Velociped» rollt aus der Fabrik. Mitte der 1920er Jahre sollte Opel zum grössten Zweiradproduzenten der Welt werden, ehe Jahre später die Produktion eingestellt wird. 1895 stirbt Adam Opel. Seine Söhne erkennen, dass die Zukunft dem Automobil gehört. Als sich die wirtschaftliche Lage im Nähmaschinen- und Fahrrad-Geschäft verschlechtert, kaufen sie 1899 die Anhaltische Motorwagenfabrik von Friedrich Lutzmann und verlegen die Produktion nach Rüsselsheim. 1907 wird Opel Hoflieferant des deutschen Kaisers, nachdem ein Werksfahrer bei einem Rennen im Taunus den «Kaiserpreis» für den besten deutschen Wagen errang. Fliessbandproduktion Als erster deutscher Hersteller führte Opel 1923 die Serienfertigung am Fliessband ein. Die Marke macht sich als Hersteller von preisgünstigen und robusten Gebrauchsfahrzeugen einen Namen. Spektakuläre Experimente mit Raketenautos durch Fritz von Opel trugen zum Image eines modernen Unternehmens bei. Der Marktanteil in Deutschland lag damals bei heute kaum vorstellbaren 26 Prozent, der spätere grosse Konkurrent Volkswagen war noch nicht einmal gegründet. Doch das Fundament von Opel zeigte erste Risse. Für die Einführung der Massenproduktion waren enorme Investitionen notwendig. Wilhelm von Opel, damals der Kopf des Unternehmens, erkannte, dass ein Familienunternehmen mit den horrenden Investitions- und Entwicklungskosten in der Autoindustrie auf Dauer überfordert sein würde. Er nahm Gespräche mit dem General Motors auf. 1929 übernahm der US-Konzern für 33 Millionen Dollar die Aktienmehrheit an Opel - nach damaligen Massstäben ein Mega-Deal. Nach dem Zweiten Weltkrieg begann sich die Investition für GM auszuzahlen, 1954 knackte Opel die Marke von 150'000 Fahrzeugen pro Jahr. Heute sind es rund eine Million. Trends verschlafen Doch ab den 80er Jahren kippte die Entwicklung: Opel verschlief den Wechsel zum Frontantrieb: Der Herausforderer VW Golf war einfach praktischer als der Rivale Kadett, der noch mit Heckantrieb fuhr. Auch den von VW gestarteten Dieseltrend verpasste Opel. Erschwerend kam hinzu, dass der Mutterkonzern GM den Export von Opel auf den europäischen Markt beschränkte. Während Volkswagen zu einem mächtigen Global Player heranwuchs, blieben Opel Wichtige Märkte wie China heute versperrt, weil GM dort auf andere Konzernmarken baut. 8000 Stellen gestrichen Als 2008 die grosse Autokrise ausbrach, explodierten die Probleme bei Opel: Das Unternehmen hing am Tropf des US-Mutterkonzerns, der dann aber selbst in die Insolvenz ging. GM wollte Opel verkaufen. 2009 einigte sich der Konzern mit dem Zulieferer Magna, blies den Deal dann aber ab. Stattdessen setzte er auf einen harten Sanierungskurs für Opel. 2011 wurden 8000 Jobs gestrichen, das Werk in Antwerpen geschossen, die Produktion in Bochum verkleinert. Das reichte allerdings nicht, um das Unternehmen wieder rentabel zu machen, denn kurz darauf brachen wegen der Schuldenkrise die Absätze in Südeuropa ein. Seit Jahren schreibt Opel tiefrote Zahlen. Für das Unternehmen und die britische Schwestermarke Vauxhall musste GM im ersten Halbjahr einen Verlust von 500 Millionen Euro verbuchen. Der Absatz brach um 15 Prozent ein, auch ein ultramodernes Auto wie der halbelektrische Ampera machte die Lage nicht besser. Die Zukunft von Opel ist ungewisser den je.

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