Warum die UBS von Zürich nach Biel zieht

Die grösste Schweizer Bank eröffnet ihr neues Dienstleistungszentrum in Biel. Sie verlagert damit erneut Arbeitsplätze aus der Finanzmetropole.

Grosser Umzug bei der UBS: Nach Schaffhausen SH und Manno TI kommt nun Biel BE.

Grosser Umzug bei der UBS: Nach Schaffhausen SH und Manno TI kommt nun Biel BE.

(Bild: Keystone MELANIE DUCHENE)

Jorgos Brouzos@jorgosbrouzos

Die Regionalpolitiker geben sich die Ehre, lokale Spezialitäten werden gereicht und rote Bänder zerschnitten. Kein Aufwand ist zu gross, wenn die UBS eines ihrer Dienstleistungszentren in die Städte bringt – und damit begehrte Arbeitsplätze. In den letzten Jahren kamen Schaffhausen SH, Manno TI und ab heute Biel BE zum Zug. Sie sind Teil eines globalen Netzes an Dienstleistungszentren. Neben den drei Standorten in der Schweiz gibt es acht Zentren im Ausland. Sie sind über den Globus verstreut von Nashville in den USA bis Hyderabad in Indien. Eine ähnliche Strategie verfolgt die Credit Suisse, sie verfügt unter anderem über ein grosses Servicecenter in Gümligen BE.

Noch vor wenigen Jahren setzten zahlreiche Konzerne wie die UBS oder auch die Credit Suisse viel stärker auf Drittfirmen, an die sie Aufgaben und damit Jobs auslagerten. In Indien oder Osteuropa lockten billige Arbeitskräfte und damit vermeintlich tiefere Kosten. So meldete der indische Auslagerungsverband Nasscom jahrelang Wachstumsraten von 12 Prozent und mehr. Der gesamte Sektor setzte in Indien im vergangenen Jahr 180 Milliarden Dollar um. Das ist mehr als ein Viertel des Bruttoinlandprodukts der Schweiz.

Das neue UBS-Businesscenter in Biel BE. (Bild: ZVG)

Doch der Boom ist schon seit einiger Zeit vorbei. Die Branche wächst zwar noch, aber mit Raten deutlich unterhalb von 10 Prozent. Die Vorteile, die das Auslagern auf dem Papier versprach, haben sich oft nicht realisieren lassen. Die Reibungsverluste sind zu gross, die Kosten am Ende kaum tiefer. In den letzten Jahren haben daher Grosskonzerne ihre Strategie geändert, lokale Niederlassungen eröffnet und die Arbeitnehmer wieder zurückgeholt.

Auch Schweizer wollen nach Indien

Statt eines Heers von Tausenden externen Arbeitskräften setzen die Grossbanken wieder auf eigene Mitarbeiter. «Wir wollen das Wissen im Konzern behalten», so Harald Egger, er ist bei der UBS Länderchef für Indien und Leiter der Corporate Services und Sourcing. In dieser Funktion hat er in den letzten Jahren die Strategie der neuen Businesszentren umgesetzt. Jede Firma müsse sich heute entscheiden, was sie selber herstellen wolle und welche Funktionen sie auslagern könne.

«Die Mitarbeiter bleiben eher an Bord, wenn sie beim Unternehmen angestellt sind, als wenn sie für einen externen Dienstleister arbeiten», so Egger. Sie fühlen sich mit der Firma verbunden und wollen an verschiedenen Standorten des Konzerns ihre Karriere verfolgen. «Wir haben auch Schweizer, die in Indien arbeiten wollen», so Egger.

Das Bild, dass beim Auslagern nur unqualifizierte Mitarbeiter eingestellt würden, stimme schon lange nicht mehr. «Wir beschäftigen Quantenphysiker in China und IT-Experten in Polen und Indien», so Egger. Der Bedarf an solchen Fachkräften lasse sich in der Schweiz nicht mehr decken. Über 13'000 interne und externe Mitarbeiter arbeiten in den Gebäuden der verschiedenen Businesscenter weltweit. Der Konzern beschäftigt insgesamt rund 67'000 Mitarbeiter.

Günstigere Mieten als in Zürich

Die Schweiz spielt im Netz der Dienstleistungszentren eine besondere Rolle. In den Zentren in Biel mit einer Kapazität von bis zu 600 Mitarbeitern und Schaffhausen (rund 450) werden Funktionen angesiedelt, die aus regulatorischen Gründen in der Schweiz bleiben müssen, wie etwa die Bearbeitung von Hypotheken.

Die UBS will zudem eine bessere Verteilung der Arbeitskräfte erreichen und so Zugang zu neuen Fachkräften bekommen. Im Tessin wurde ein Innovationszentrum für künstliche Intelligenz eröffnet, das bis zu 80 Mitarbeiter beschäftigen soll. Durch die Verlagerung aus Zürich spart die Bank aber auch Geld. Um 10 bis 15 Prozent sinken die Kosten, der wichtigste Grund dafür sind die tieferen Infrastrukturkosten wie etwa günstigere Mieten.

Der Aufbau der neuen Standorte in Übersee unterscheidet sich laut Egger von dem in der Schweiz: «In Indien ist die schwierigste Aufgabe, die richtigen Mitarbeiter zu finden.» In der Schweiz ist der Umzug von Mitarbeitern ein Thema. Nicht alle wollen in die Nähe der neuen Standorte ziehen oder länger zur Arbeit fahren. Dies trotz dem UBS-Bus, der die Mitarbeiter vom Bahnhof Schaffhausen bis zum Arbeitsplatz in Herblingen SH fährt.

«Die Verlagerung ist für viele betroffene Mitarbeiter eine grosse Herausforderung, ist aber besser als das Auslagern ins Ausland», sagt Denise Chervet, Geschäftsführerin des Bankenpersonalverbands. «Weil die Mitarbeitenden den Arbeitsort wechseln, müssen sie umziehen oder weiter pendeln», erklärt sie. Für Mitarbeiter, die nicht umziehen wollten und für die die Kriterien der Unzumutbarkeit gälten, komme der geltende Sozialplan zur Anwendung. Dieser verlängert die Kündigungsfrist um bis zu ein Jahr. In dieser Zeit wird intern und extern eine neue Stelle gesucht.

Nicht alle wollen umziehen

Chervet seien Fälle von Mitarbeitern bekannt, die den Wechsel zuerst mitgemacht hätten, sich danach aber eine neue Stelle gesucht hätten. In den Regionen Biel und Schaffhausen ist zudem das Lohnniveau generell tiefer als in Zürich. «Wir wollen nicht, dass es ein Lohndumping gibt», so Chervet. Bislang habe es aber keine Anzeichen dafür gegeben.

Das UBS-Businesscenter in Schaffhausen. (Bild: ZVG)

Die Erfahrungen der Mitarbeiter mit dem Dienstleistungszentrum in Schaffhausen seien gut. «Bei den aktuellen Umfragen zur Mitarbeiterzufriedenheit sind die Werte für Schaffhausen erfreulich hoch», so Egger von der UBS. Der Umzug nach Schaffhausen sei geografisch einfacher gewesen als nach Biel. Ob die Mitarbeiter von Winterthur nach Zürich oder nach Schaffhausen pendelten, sei kein grosser Unterschied. Der Wechsel sei daher auch schneller erfolgt. Beim Umzug nach Biel will die Bank sich und ihren Mitarbeitern hingegen mehr Zeit lassen.

Diese Inhalte sind für unsere Abonnenten. Sie haben noch keinen Zugang?

Erhalten Sie unlimitierten Zugriff auf alle Inhalte:

  • Exklusive Hintergrundreportagen
  • Regionale News und Berichte
  • Tolle Angebote für Kultur- und Freizeitangebote

Abonnieren Sie jetzt