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Warum Portugal ins Visier der Finanzmärkte geraten ist Analyse

Berlin Erst Griechenland, dann Irland - und jetzt Portugal? Das kleine Land auf der iberischen Halbinsel gilt als nächster Kandidat für Hilfen von der Europäischen Union und dem Internationalen Währungsfonds.

Wegen hoher Schulden und einer schlappen Wirtschaft drohte die Ratingagentur Moody's am Dienstag damit, die Bonität Portugals herabzustufen. Nachfolgend Fragen und Antworten zur Schuldenkrise in Portugal. Was ist Portugals Problem? Hohe Schulden, geringes Wirtschaftswachstum - diese explosive Mischung lässt die Märkte an der Finanzkraft des Landes zweifeln. Nach Prognose der EU-Kommission wird das Staatsdefizit in diesem Jahr bei 7,3 Prozent des Bruttoinlandsproduktes liegen - die EU- Verträge erlauben maximal drei Prozent. 2011 und 2012 dürfte diese Hürde mit jeweils rund fünf Prozent erneut gerissen werden. Dazu kommt eine ausgeprägte Wachstumsschwäche: 2011 Jahr wird das Bruttoinlandsprodukt um ein Prozent schrumpfen, befürchtet die EU- Kommission. Woran krankt die portugiesische Wirtschaft? Der Binnenmarkt schwächelt. Während die Exporte im dritten Quartal um mehr als neun Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum anzogen, brachen die Investitionen um fast neun Prozent ein. Die Unternehmen rechnen nicht mit einem baldigen Aufschwung und halten ihr Geld zusammen. Auch der private Konsum fällt als Stütze aus, nachdem die Regierung wegen der Schuldenkreise unter anderem die Mehrwertsteuer angehoben, Gehälter der Staatsbediensteten und Sozialleistungen gekürzt hat. Was kann die Regierung tun, um die Wirtschaft anzukurbeln? EU-Kommission, Europäische Zentralbank und Internationaler Währungsfonds sind sich einig: Portugal muss seinen Arbeitsmarkt reformieren. Den Unternehmen sollen Personalwechsel erleichtert, die Arbeitszeit bei Bedarf ausgedehnt werden. Auch das Lohnniveau wird im internationalen Vergleich als zu hoch angesehen. Die EU- Kommission rät ausserdem zu Investitionen in Bildung, damit Portugal künftig höherwertige Waren und Dienstleistungen anbieten kann. Braucht Portugal rasch frisches Geld? Nein. Erst im April muss die Regierung wieder an den Kapitalmarkt und Geld von Investoren einsammeln. Allerdings ist der Finanzbedarf in den kommenden drei Jahren gross. Bis September 2013 muss die Regierung ihren Gläubigern rund 26 Milliarden Euro zurückzahlen. Zusätzlich muss noch die Lücke zwischen Einnahmen und Ausgaben geschlossen werden, die allein im kommenden Jahr bei 10,75 Milliarden Euro liegen dürfte. Kann Portugal das Geld am Kapitalmarkt besorgen? Trotz wachsender Zweifel an seiner Finanzkraft hat Portugal zuletzt am 1. Dezember frisches Geld von Investoren eingesammelt. Dabei wurden Staatsanleihen mit einjähriger Laufzeit im Volumen von 500 Millionen Euro erfolgreich verkauft. Die Nachfrage übertraf das Angebot um das 2,5-Fache. Allerdings musste Portugal die Anleger mit hohen Zinsen belohnen. Der Durchschnittszins lag bei 5,281 Prozent. Wegen der hohen Kosten halten es Experten für wahrscheinlich, dass Portugal früher oder später unter den Euro-Rettungsschirm schlüpft und zwischen 45 bis 60 Milliarden Euro abruft. Notiz an die Redaktion: Aktualisierte Zusammenfassung zur Schuldenkrise folgt bis 1800 Uhr

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