Zum Hauptinhalt springen

Was zur Krisenbewältigung nötig ist

Für den Einbruch an den Börsen ist auch das mangelnde Vertrauen in eine angemessene politische Reaktion auf die Krise verantwortlich.

Die Investoren reagieren auf den Einfluss des Coronavirus auf die Wirtschaft, Aktien verlieren weiterhin an Wert. Foto: Keystone
Die Investoren reagieren auf den Einfluss des Coronavirus auf die Wirtschaft, Aktien verlieren weiterhin an Wert. Foto: Keystone

Am Donnerstag sind die Börsen weiter abgestürzt. In der Schweiz verlor der führende Index SMI 9,64 Prozent, der DAX in Deutschland sogar mehr als 12 Prozent. Ein Grund dafür ist die Entscheidung von US-Präsident Donald Trump, keine Europäer mehr in die USA einreisen zu lassen. Das Vorgehen Trumps liess aber auch die Aktienmärkte in den USA weiter einbrechen. Der S&P 500 als wichtigster Index verlor nach Handelsbeginn mehr als 8 Prozent. Überall macht sich die Sorge darüber breit, ob die Politik die wirtschaftlichen Folgen der Krise zu bewältigen vermag.

In gewöhnlichen Zeiten eignet sich zur Krisenbekämpfung die Geldpolitik der Notenbanken über Zinssenkungen am besten. Doch die Zinsen sind ohnehin schon überall extrem tief bis negativ. Und auch sonst können Notenbanken in einer Krise wie jetzt wenig ausrichten. Das hat sich schon gezeigt, als die jüngsten ausserplanmässigen Zinssenkungen von 0,5 Prozent durch die amerikanische und die britische Notenbank die Märkte kaum zu beruhigen vermochten.

Jetzt bricht die Produktion auch ein, weil Vorprodukte fehlen oder sich verteuern.

Jetzt soll die «Fiskalpolitik» übernehmen, so die allgemeine Forderung. Damit ist in gewöhnlichen Zeiten gemeint, dass die Staaten Ausgaben erhöhen, um für Nachfrage zu sorgen – etwa mit Investitionen in die Infrastruktur. Doch auch damit würde aktuell wenig erreicht, selbst wenn die Länder nicht so verschuldet sind, wie das für viele zutrifft.

Denn die Ausbreitung des Virus gefährdet die Wirtschaft nicht nur wegen einer ausfallenden Nachfrage. Jetzt bricht die Produktion auch ein, weil Vorprodukte fehlen oder sich verteuern, Beschäftigte zu Hause bleiben oder Anordnungen den ordentlichen Betrieb verunmöglichen. Augenfällige Beispiele sind der Tourismus, die Flugbranche oder Veranstalter von Anlässen.

Bedeutungslos sind Geld- und Fiskalpolitik aber keineswegs. Doch ihr Zweck ist jetzt ein anderer als sonst. Wie unter anderem die Schweizer Ökonomin Beatrice Weder Di Mauro in einem umfassenden Papier für die Eurozone festhält, geht es jetzt vor allem darum, die Ausbreitung des Virus aufzuhalten und Langzeitschäden für die Wirtschaft zu verhindern. Solche Langzeitschäden entstehen zum Beispiel dann, wenn solide Unternehmen wegen der Viruskrise in Geldnöte und deshalb in Konkurs geraten.

Weil jetzt ein rasches Vorgehen entscheidend ist, sollen auch Regeln zur Beschränkung von Defiziten ausgesetzt werden.

Die Aufgabe der Fiskalpolitik liegt deshalb jetzt zum Beispiel in der Gewährleistung ausreichender Mittel für das Gesundheitssystem. Unternehmen, die wegen der Krise in Zahlungsschwierigkeiten geraten, sollen direkt mit staatlichen Mitteln unterstützt werden. Eine Möglichkeit dazu sind Aufschübe bei fällig werdenden Zahlungen, etwa für Steuern oder weitere Abgaben.

Zuschüsse für Kurzarbeit sind eine andere Massnahme zur Überbrückung von kurzfristigen Zahlungsschwierigkeiten. Andere Vorschläge gehen bis zu direkten Zahlungen an die Bürger und an Unternehmen. Ein solches Vorgehen hat bereits Hongkong gewählt, diskutiert wird es bereits für andere Länder. Weil jetzt ein rasches Vorgehen entscheidend ist, sollen deshalb auch Regeln zur Beschränkung von Defiziten wie in der Eurozone ausgesetzt werden.

Die Funktion der Geldpolitik soll einerseits darin bestehen, ­Liquiditätsverknappungen an den Kapitalmärkten zu verhindern und dafür zu sorgen, dass die Kreditversorgung vor allem kleinerer und mittlerer Unternehmen durch die Banken beibehalten werden kann. Dafür sollen Banken das Geld günstig und einfach von der Notenbank erhalten. Zur Not sollen die Notenbanken zudem den Staaten das Geld zur Verfügung stellen, das sie zur Bewältigung ihrer Aufgabe benötigen.

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch