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«Die letzten Meter sind die schwersten»

Die Virologin Marylyn Addo ist eine Expertin für Ebola. Und arbeitet nun mit Hochdruck an einem Impfstoff gegen das Coronavirus.

Ist zuversichtlich, dass es bald einen Impfstoff gegen Sars-CoV-2 geben wird: Marylyn Addo. Foto: picture alliance/dpa
Ist zuversichtlich, dass es bald einen Impfstoff gegen Sars-CoV-2 geben wird: Marylyn Addo. Foto: picture alliance/dpa

Virologie ist das medizinische Fach der Stunde. Während die Virologen bisher in den medizinischen Fächern eher am Ende der Nahrungskette angesiedelt waren, sind sie jetzt zu Stars avanciert. Dieser Tage sieht man sie überall, wie sie Interviews geben, die Lage einschätzen und vor allem: an Impfstoffen forschen.

Eine, die sich in diesem Fach schon vor der Corona-Krise verdient gemacht hat, ist Marylyn Addo, Leiterin der Infektiologie-Abteilung am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf. Die 49-Jährige gehört seit Jahren zu den Expertinnen für neu auftretende Infektionskrankheiten und hat sich insbesondere bei der Entwicklung eines Impfstoffs gegen Ebola einen Namen gemacht. Bei dem grössten je verzeichneten Ausbruch der Krankheit 2014 forschte die Tochter eines ­ghanaischen Arztes und einer Deutschen mit einem internationalen Team von Wissenschaftlern an einem Impfstoff. Sie leitete unter anderem Teststudien für einen Impfstoff, der später vielen von Ebola betroffenen Menschen das Leben rettete.

Nun arbeitet sie mit Hochdruck an einem Impfstoff gegen das Corona­virus – und ist zuversichtlich, dass es bald einen solchen geben wird. Den Impfstoff kann man sich vorstellen als Set von Bausteinen aus bereits bekannten Viren, von denen man einzelne Komponenten dann neu zusammensetzen würde, wie Addo gegenüber der Wochenzeitung «Die Zeit» sagte. «Wir sind in der Impfstoffentwicklung so schnell, wie wir es noch nie gewesen sind. Es wird damit gerechnet, dass die ersten Studien im April beginnen können. So schnell waren wir noch nie zuvor.» Allerdings warnt Addo auch davor, dass das alles nicht in dem Tempo geschehen wird, wie wir es gerne hätten. «Wir werden ihn nicht vor dem nächsten Jahr zur Verfügung haben. Wir haben die Entwicklung von mehreren Jahren auf vielleicht ein Jahr reduziert. Mehr Spielraum haben wir da leider nicht», sagte sie dem Portal Express.de.

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So angespannt die Situation sein mag, die Mutter zweier Kinder, die in ­Harvard studiert und jahrelang dort geforscht hat, verströmt auch im Chaos der exponentiell zunehmenden Neuansteckungen Ruhe und Zuversicht – ohne falsche Hoffnungen zu wecken. Und vor allem hat sie auch Tipps, wie man künftig mit ähnlichen Bedrohungen umgehen sollte. Nämlich strategischer darüber nachdenken, wie man künftig Impfstoffe für gewisse Erkrankungen schon vor einer akuten Bedrohung weiterent­wickelt und auch die Verträglichkeit am Menschen schon im kleinen ­Rahmen zu testen beginnt. Das würde ermöglichen, im Falle einer zukünftig möglichen neuen Pandemie viel schneller zu handeln und damit ­Menschenleben zu retten.

Sie warnt auch, dass selbst dann, wenn ein Impfstoff gegen das Coronavirus gefunden sein sollte, die Sache noch nicht ausgestanden sein wird. Denn bis ein solcher für alle verfügbar ist, wird es dauern. «Im Kampf gegen eine Infektionskrankheit sind die letzten Meter die schwersten. Dann ist die grosse Angst vorbei, und die notwendigen Massnahmen werden nicht mehr ganz so konsequent ­durchgesetzt.» Wichtig bleibe insbesondere, dass man weiter konsequent teste – und vor allem weiter aufkläre. Den Virologen sei Dank.

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