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Die Welt in 100 Jahren

Eine Revolution im Kampf gegen Krebs und neue Formen polygamer Beziehungen: Das sind nur zwei spannende Punkte eines Buches von renommierten Ökonomen über die Welt von übermorgen.

«Übernehmen alle Produktionsaufgaben»: Ein in Japan entwickelter Roboter pflückt eine Erdbeere. (Archivbild)
«Übernehmen alle Produktionsaufgaben»: Ein in Japan entwickelter Roboter pflückt eine Erdbeere. (Archivbild)
AFP

«Wie wird die Welt wohl in 100 Jahren aussehen?», fragte sich Ignacio Palacios-Huerta, Ökonom an der London School of Economics. Eine Frage, die schon viele Menschen vor ihm beschäftigte, doch Palacios-Huerta meinte es ernst: Er schickte sie an andere Ökonomen aus der ganzen Welt, mit der Bitte um Antwort. Zehn prominente Berufskollegen, darunter Nobelpreisträger und -anwärter wie Alvin Roth oder Angus Deaton, leisteten dem Aufruf Folge.

Im Buch «In 100 Jahren: Führende Ökonomen sagen die Zukunft voraus» fasst Palacios-Huerta nun ihre Ideen zusammen. Die «Financial Times» hat die wichtigsten Erkenntnisse bereits vor Erscheinen des Buches zusammengetragen. Hier eine kleine Auflistung:

  • Weil wir im Schnitt bis zu 30 Jahre länger leben, werden sich unsere Gewohnheiten verändern, zum Beispiel in Bezug auf unser Liebesleben. Weil die Erziehung unserer Kinder im Verhältnis weniger Zeit in Anspruch nimmt, werden wir mehr verschiedene Lebenspartner für verschiedene Lebensphasen haben. Die Forscher sprechen von «neuen Formen polygamer, lebenslanger Beziehungen».
  • Wir werden anfangen, die Gene unserer Kinder zu manipulieren – und dies als normalen Bestandteil der Fortpflanzung betrachten. Ausserdem werden wir selbst effizienter, da wir Medikamente konsumieren, die die Konzentration, das Gedächtnis oder die Intelligenz fördern.
  • Im Kampf gegen Krebs könnte es zu einer Revolution kommen, ähnlich wie bei der Therapie von Herz-Kreislauf-Erkrankungen, die sich seit den 70er-Jahren massiv verbessert hat. Die Menschen werden ganz allgemein immer fitter, weil sie bereit sind, viel Geld für ihre Gesundheit auszugeben.
  • Auch die Art und Weise, wie wir Karriere machen, wird sich verändern: «Eine typische Berufslaufbahn» könnte laut den Ökonomen aus etwa dreissig Jahren harter Arbeit bestehen, gefolgt von vielen Jahren mit weniger intensiver Betätigung.
  • Roboter werden viele Bereiche des Lebens verändern. Die Buchautoren denken nicht nur an Gebrauchsgegenstände wie selbstfahrende Autos, sondern an eine Welt «mit Robotern, die alle Produktionsaufgaben übernehmen – inklusive der Produktion von neuen Robotern». Das sei zwar eine beängstigende Vorstellung, doch dafür würden die für Menschen verbleibenden Jobs interessanter und weniger automatisiert. Und die Bevölkerung darum immer intelligenter – schlecht gebildete Fabrikarbeiter würden nämlich nicht mehr gefragt sein. «Unsere Grosskinder werden in uns ignorante Bauern sehen. Sie werden auch bessere emotionale Fähigkeiten haben, da dies der einzige Bereich ist, in dem sie die Roboter noch überflügeln können.»
  • Face-to-Face-Interaktion wird an Bedeutung verlieren. Anstelle von Skype werden wir in 100 Jahren technische Dienste haben, die es uns ermöglichen, das Hologramm eines andern Menschen ins Wohnzimmer zu holen.

Es wird klar: Die Prognosen sind sehr fachübergreifend. Dass Ökonomen über das Liebesleben, Medizin oder Technik philosophieren, ergebe allerdings Sinn, findet Palacios-Huerta. «Denn sie wissen mehr über die Gesetze der menschlichen Interaktion und reflektieren tiefer und methodischer als alle anderen Menschen.»

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