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«Als Korrumpator ist Berlusconi mit Mussolini vergleichbar»

Italien ist als Einheitsstaat 150 Jahre alt. Der Italien-Kenner und Historiker Carlo Moos äussert sich über die Fehler der Staatsgründung, Anomalien der italienischen Politik und die Überlebenschancen von Silvio Berlusconi.

Herr Moos, Italien steckt in einer Dauerkrise, Regierungschef Silvio Berlusconi blamiert das Land: Hat Italien überhaupt Grund, das 150-Jahr-Jubiläum der staatlichen Einheit zu feiern? «Wir haben Italien geschaffen, jetzt müssen wir die Italiener erschaffen», sagte der Politiker Massimo D'Azeglio im ersten nationalen Parlament. Tatsache ist, dass Italien heute noch ein Einheitsstaat ohne echte Einheit der Bürger ist. Der Nord-Süd-Konflikt zum Beispiel ist geblieben, ja, er hat sich sogar noch verschärft.

Das italienische Parlament entscheidet demnächst über eine Föderalismusreform, die der Lega Nord am Herzen liegt. Besteht die Gefahr, dass Italien langsam auseinanderbricht, falls sich die Lega Nord durchsetzen sollte? Bei dieser Vorlage geht es gar nicht um Föderalismus, sondern um Finanzautonomie der Gemeinden, von denen Norditalien profitieren soll. Das Ziel ist, dass weniger Geld nach Rom und damit in den Süden fliesst. Der Nord-Süd-Graben dürfte grösser werden. Wie stark der Einheitsstaat gefährdet wird, lässt sich nicht abschätzen.

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