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Urlaub im Ferienbunker der Nazis

In einer monumentalen Feriensiedlung des Nazi-Regimes auf Rügen an der Ostsee sollen demnächst wieder Urlaubsgäste einziehen.

Frühsport, Fahneneid und Hitlergruss: Heutzutage ist kaum noch vorstellbar, wie ein Urlaub im Seebad Prora ausgesehen hätte, wenn die Ferienanlage durch die Organisation «Kraft durch Freude» in Betrieb genommen worden wäre. Doch dazu kam es nicht: Die Anlage – im Volksmund «Koloss von Prora» genannt – wurde nach dem Baubeginn im Jahr 1936 nie fertig gestellt. Der Krieg erzwang 1942 den Abbruch der Arbeiten; übrig blieb eins der grössten Mahnmale trister Nazi-Architektur, in der Individuen sich im Nichts aufzulösen scheinen.

Mehr als 70 Jahre nach dem ersten Spatenstich soll die Anlage bald doch ihrem ursprünglichen Zweck dienen. Nachdem der Bund vier von fünf der gewaltigen Gebäudeblöcke verkauft hatte, wollen private Investoren dort renovieren, um zahlende Gäste zu beherbergen. Neben einem Ferienanlage mit Pool und Ferienwohnungen soll dort auch ein «Jugendsporthotel» entstehen.

Kritik und Gegenwehr von Denkmalschützern

Organisierter Urlaubsspass, wo einst die Nazi-Anhänger baden sollten? «Skandalös», nannte Jürgen Rostock von der Berliner Stiftung «Neue Kultur» die Pläne laut einem Bericht der britischen Zeitung «Telegraph». Rostock fürchtet um den Charakter der Anlage als Gedenkzentrum mit überregionaler Ausstrahlung: Im vergangenen Jahr hatten rund 100'000 Menschen den «Koloss von Prora» besucht – ein Erfolg, der Stiftung und ihrer Arbeit zu verdanken ist. Laut dem Leiter, dem laut einem Bericht der Frankfurter Allgemeinen Zeitung sogar schon die Kündigung drohte, bringen die Baupläne dies in Gefahr.

Ein Argument, das nicht von der Hand zu weisen ist: Um die Zimmer und Flure, die teils noch heute gruseligen Nazi-Muff ausstrahlen, attraktiver zu machen, sind nach Angaben der zuständigen Denkmalschutzbehörde auch Balkone an der Seite der Anlage geplant, die dem Meer zugewandt ist – ein Eingriff, der die beängstigende Nazi-Frontseite tatsächlich eine harmlose Allerweltsfassade verwandeln würde.

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