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Die Schweiz in der Pionierrolle

Chefredaktor Res Strehle zur Sterbehilfe für Sterbewillige aus dem Ausland.

Zum Sterben in die Schweiz. Menschen, die das tun, sind nicht «Sterbetouristen», wie sie oft zugleich schönfärberisch wie abwertend bezeichnet werden. Es sind in der Regel chronisch Kranke, die angesichts einer unabsehbar langen und qualvollen Leidenszeit den Zeitpunkt ihres Todes selbst bestimmen wollen. Sie haben jene gegen sich, die der Meinung sind, ­Leiden gehöre zum Menschsein wie die Freude, und jene, die Gott oder die Medizin den Todeszeitpunkt bestimmen lassen wollen. Diese drei Gruppen stellen in den meisten Staaten nach wie vor eine Mehrheit. Das führt dazu, dass die Schweiz mit ihrer traditionell kritischen Haltung gegenüber Autoritäten und folglich liberalen Regelung der Sterbehilfe oft zur letzten ­Hoffnung von Sterbewilligen aller Länder wird.

Dagegen ist nichts einzuwenden. Vorab dann nicht, wenn sich die liberale Praxis in der Schweiz ­bewährt. Dies wird dafür sorgen, dass die Diskussion um die Sterbehilfe auch in anderen Ländern sach­licher geführt wird und dass sich die teilweise rigiden ­nationalen Gesetzgebungen mit der Zeit aufweichen. Die Schweiz kann bei diesem Thema eine Pionierrolle übernehmen, ähnlich wie sie sie in den 80er-Jahren bei der Verkehrsberuhigung in den Innenstädten und in den 90ern im Umgang mit Drogenabhängigen hatte. Und wie sie einzelne US-Bundesstaaten gegenwärtig im Umgang mit Cannabis praktizieren.

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