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Ein Baby mit drei genetischen Eltern

Ein durch eine neue Technik geborener Junge hat zwei Mütter und einen Vater. So soll eine mitochondriale Erbkrankheit vermieden werden.

Wird auch beim Klonen angewandt: Ein Zellkerntransfer beim Klonen im Roslin Institute in Edinburgh, Schottland. (Archivbild).
Wird auch beim Klonen angewandt: Ein Zellkerntransfer beim Klonen im Roslin Institute in Edinburgh, Schottland. (Archivbild).

Mediziner haben erstmals mittels speziellem Zellkerntransfer ein Baby mit drei genetischen Eltern erzeugt. Die Mutter des bereits im April geborenen Buben hat eine seltene Erbkrankheit, von der die DNA in den Kraftwerken der Zelle (Mitochondrien) betroffen ist.

Sie hatte bereits mehrere Kinder vor und nach der Geburt verloren, an die sie das Leigh-Syndrom weitergegeben hatte. Mittels einer neuartigen Technik entfernten die Ärzte nun den gereiften, aber noch unbefruchtete Kern einer mütterlichen Eizelle.

Dieser sei in eine entkernte Spender-Eizelle mit gesunden Mitochondrien eingesetzt worden, berichten John Zhang und Kollegen im Fachjournal «Fertility and Sterility». Die entstandene Zelle sei im Labor schliesslich mit dem Samen des Vaters befruchtet worden. Die britische Zeitschrift «New Scientist» hatte zuerst über den Fall berichtet.

Behandlung in den USA verboten

Zhang, der normalerweise am New Hope Fertility Center in New York arbeitet, hatte die aus Jordanien stammenden Eltern in Mexiko behandelt, weil die umstrittene Technik dort anders als in den USA nicht verboten ist.

Ein ähnliches, in Grossbritannien erlaubtes Verfahren, bei dem die Kerne aus bereits befruchteten Eizellen ausgetauscht werden, hatten die Eltern aus Glaubensgründen abgelehnt. Dabei wären Embryonen in einem sehr frühen Entwicklungsstadium verworfen worden.

Nur ein Prozent mutierte Mitochondrien

Mit dem neuen Verfahren entstanden 2015 fünf Embryonen, von denen sich einer normal entwickelte und der Mutter eingesetzt wurde. Nach normaler neunmonatiger Schwangerschaft kam der kleine Junge zur Welt.

Zhang und sein Team testeten das Baby und entdeckten bei ihm nur ein Prozent mutierter Mitochondrien. Nach Hoffnung der Ärzte dürfte diese Menge zu gering sein, um Probleme zu machen.

Kontrovers diskutiert

Erste Reaktionen aus der Fachwelt fielen wegen ethischer Bedenken gegenüber dem Verfahren zumeist verhalten aus.

Die Reproduktionsmedizinerin Christine Wrenzycki von der deutschen Universität Giessen sagte, mit dieser Technik sei es medizinisch wohl möglich, Frauen mit Funktionsstörungen der Mitochondrien zu einem gesunden Kind zu verhelfen. «Ethisch wird die Beteiligung von drei Elternteilen - zweier Mütter und eines Vaters - kontrovers diskutiert.»

Andere Technik bereits angewendet

Der kleine Bub ist nicht das erste Baby mit drei genetischen Eltern. Bekannt geworden war zum Beispiel Alana Saarinen, die ebenfalls Gene von ihrem Vater und von zwei Frauen trägt, allerdings wurde damals eine andere Technik verwendet.

Dabei wurden die Mitochondrien nachträglich in die befruchtete Eizelle gegeben (Zytoplasmatransfer). Die Technik ist nach Sicherheits- und Ethikbedenken 2002 in den USA verboten worden.

SDA/sep

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