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Grosse Ehre für Berner Urologen

Als erster Schweizer ist Roland Seiler, Oberarzt am Berner Inselspital, mit dem renommierten Maximilian-Nitze-Preis der Deutschen Gesellschaft für Urologie ausgezeichnet worden.

Lorbeeren aus Deutschland: Inselspital-Arzt Roland Seiler (39).
Lorbeeren aus Deutschland: Inselspital-Arzt Roland Seiler (39).
zvg

Er macht Blasenkrebskranken Hoffnung. Roland Seiler hat einen Test entwickelt, mit dem die Therapie auf den Patienten zugeschnitten werden kann. Damit könnten sich die Überlebenschancen bei aggressivem Blasenkrebs deutlich erhöhen.

Der Forscherdrang packte den 39-jährigen Emmentaler während seiner Facharztausbildung zum Urologen am Inselspital. Als er im Rahmen dieser Zusatzqua­lifikation für zwei Jahre auf der Pathologie arbeitete, fielen ihm erstmals die vielen unterschied­lichen Blasenkrebsarten auf. Behandelt wurden bis dahin aber ­alle mehr oder weniger gleich: Chemotherapie und Operation.

Der Durchbruch gelang dem Forscher dann während eines Studienaufenthalts in Vancouver (Kanada). Dort konnte er sich in die Genetik und Biologie des Blasenkrebses vertiefen. Zudem bildete er sich in Bioinformatik weiter – eine wichtige Voraussetzung für die Auswertung der umfangreichen Forschungsdaten. «Dort habe ich mich richtig in die Materie reingekniet», sagt er heute.

Das hat sich gelohnt: Seiler konnte zeigen, dass es nicht den einen Blasenkrebs gibt, sondern verschiedene Untergruppen. Und diese Subtypen reagieren nicht alle gleich empfindlich auf eine Chemotherapie. Für diese Unterteilung hat der Berner besagten Test entwickelt – ein wichtiger Schritt Richtung personalisierter Medizin. Je nach Ergebnis des Tests (erfolgt mittels Gewebeprobe des Tumors) kann danach die Behandlung bestimmt werden: Chemotherapie vor der Operation oder direkt Operation ohne Chemotherapie.

Dank dieser massgeschneiderten Behandlung könnte sich die 5-Jahres-Über­lebensrate eines bestimmten Subtypen des invasiven und deshalb besonders aggressiven Blasenkrebses von 45 auf fast 80 Prozent verbessern.

Für diese herausragende Leistung hat Seiler jetzt in Dresden den mit 10'000 Euro dotierten Maximilian-Nitze-Preis erhalten. Dieser geht auf den Erfinder des Zystoskops (Blasenspiegelungsinstrument) zurück und ist die höchste Auszeichnung der Deutschen Gesellschaft für Urologie.

In der Schweiz erkranken jedes Jahr rund 1150 meist ältere Menschen an Blasenkrebs. Mehrheitlich ist dieser Krebs nicht invasiv und gut behandelbar. In rund 20 Prozent der Fälle ist er aber invasiv und muss mit Chemotherapie und einer Operation (Blasenentfernung) angegangen werden. Diese Patienten dürften vom neuen Test profitieren. Sein Erfinder warnt aber derzeit noch vor zu hohen Erwartungen. «Bis wir den Test routinemässig anwenden können, brauchen wir mehr Erfahrung.»

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