Zum Hauptinhalt springen

Herzoperation zum Schnäppchenpreis

Eine Herzoperation für 600 Euro – das ist das Ziel des indischen Kardiologen Devi Shetty. Während Herzchirurgen im Westen nur wenige Operationen pro Woche ausführen, operieren Shettys Kollegen bis zu vier Patienten am Tag.

«Uns ist klar geworden: je mehr wir operieren, desto besser sind die Ergebnisse und desto geringer die Kosten»: Kardiologen Devi Shetty.
«Uns ist klar geworden: je mehr wir operieren, desto besser sind die Ergebnisse und desto geringer die Kosten»: Kardiologen Devi Shetty.
AFP

Noch hat Devi Shetty sein Ziel nicht erreicht, doch schon jetzt können sich Patienten in seinen Krankenhäusern zu sensationell günstigen Preisen behandeln lassen. In der «Herzfabrik», Shettys 2001 eröffneter Klinik in Bangalore, finden täglich 30 Herzoperationen statt – so viele wie nirgendwo sonst auf der Welt. Der indische Kardiologe will bald Herzoperation für 600 Euro anbieten.

Mit seiner neuen Krankenhauskette Narayana Hrudayalaya (Tempel des Herzens) will der weltberühmte Herzchirurg nun noch mehr Menschen für noch weniger Geld operieren. «Die heutige Medizin kann fast alle Krankheiten heilen oder zumindest die Lebensqualität verbessern», sagt Shetty. «Aber wie viel Prozent der Menschen können sich das leisten?» Ein Jahrhundert nach der ersten Herzoperation könnten weniger als zehn Prozent der Bevölkerung einen solchen Eingriff im Ernstfall auch bezahlen. Das will Shetty ändern.

Fünf Operationssäle

Wie, das zeigt er in Mysore, zwei Autostunden von Bangalore entfernt. Innerhalb von zehn Monaten entstand dort für 400 Millionen Rupien (5,6 Millionen Euro) das erste Haus der neuen Klinikkette. Fünf Operationssäle stehen zur Verfügung, spezialisiert auf Herz-, Hirn- und Nierenoperationen. Wo nur irgend möglich wurde gespart. Die Gebäude sind aus Fertigteilen und einstöckig, um auf teure Fundamente, Aufzüge und Brandschutzanlagen verzichten zu können. Trotz der feuchten Hitze in Südindien gibt es nur in den Operationssälen und auf den Intensivstationen Klimaanlagen. In den Patientenzimmern sorgen grosse Fenster für Durchzug.

Um Pflegekosten zu sparen, müssen die Angehörigen den Krankenschwestern zur Hand gehen. In einem vierstündigen Kurs lernen sie zum Beispiel Verbände zu wechseln. Auch beim Einkauf spart Shetty. Teures Material wie zum Beispiel künstliche Herzklappen kauft er in grossen Mengen günstig ein. Die Operationssäle sind an sechs Tagen von früh morgens bis spät abends belegt. Während Herzchirurgen im Westen nur wenige Operationen pro Woche ausführen, operieren Shettys Kollegen bis zu vier Patienten am Tag. «Uns ist klar geworden: je mehr wir operieren, desto besser sind die Ergebnisse und desto geringer die Kosten», sagt Shetty.

Überfülltes Wartezimmer

In der Klinik in Bangalore kostet eine Herzoperation derzeit 1800 Dollar (1390 Euro), in den USA sind dafür zehntausende Dollar nötig. Die meisten Patienten zahlen etwas mehr, so dass die Ärmsten kostenlos behandelt werden können. Der Erfolg seines Krankenhausmodells hat den in Grossbritannien ausgebildeten Shetty reich und international bekannt gemacht. Der arabische Fernsehsender El Dschasira strahlte kürzlich eine sechsteilige Sendung über die «Herzfabrik» aus, in der die meisten Patienten Bauern und Arbeiter sind.

Im überfüllten Wartezimmer sitzen Menschen aus allen südasiatischen Ländern und warten auf einen Termin bei dem berühmten Arzt. «Wir haben im Fernsehen gesehen, wie er sich für die Armen engagiert», sagt Ranjan Bhattacharya, der 2000 Kilometer mit dem Zug fuhr, um seine kranke Frau in Bangalore untersuchen zu lassen. Die öffentliche Gesundheitsversorgung in Indien ist extrem schlecht. Etwa 70 Prozent der Ausgaben für ihre Gesundheit bezahlen die 1,2 Milliarden Inder aus eigener Tasche.

In Shettys 17 Kliniken gibt es derzeit 6000 Betten. In fünf Jahren sollen es noch mehr Krankenhäuser mit insgesamt 30'000 Betten werden. Auch in Afrika würde er gerne bezahlbare Operationen anbieten. «Die derzeitige Politik und die Geschäftsmodelle im Gesundheitswesen sind falsch», sagt Shetty. «Würde man's richtig machen, könnten wir 90 Prozent der Weltbevölkerung erreichen.»

AFP/bru

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch