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«HIV-Positiven traut man keine Leistung zu»

Weil in den Köpfen ihrer Chefs und Arbeitskollegen veraltete Bilder herumspuken, müssen Betroffene ihre Infektion totschweigen. Heute startet die neue Kampagne der Aids-Hilfe.

Lustige Piktogramme propagierten im Jahr 2004 Safer Sex.
Lustige Piktogramme propagierten im Jahr 2004 Safer Sex.
Keystone
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Eine Aufhebung der Diskriminierung HIV-positiver Menschen in der Arbeitswelt ist das Hauptanliegen der neuesten Kampagne der Aids-Hilfe Schweiz. Sie startet heute, wie die Organisation mitteilte.

Im Gegensatz zu den allgemein gehaltenen Solidaritätskampagnen der letzten Jahre fokussiert die aktuelle Kampagne ein konkretes Anliegen: Die Diskriminierung HIV-Positiver am Arbeitsplatz. Plakate und TV-Spots sollen die Bevölkerung nun während drei Wochen für dieses Problem sensibilisieren.

In der Schweiz leben heute laut Aids-Hilfe rund 25'000 HIV- positive Menschen. Jährlich stecken sich 600 bis 700 Menschen neu an, wie Aids-Hilfe-Sprecherin Bettina Maeschli auf Anfrage der Nachrichtenagentur sda sage. Deutliche medizinische Fortschritte erlauben rund 70% von ihnen berufstätig zu sein. Zwei Drittel von ihnen arbeiten Vollzeit.

Mobbing und unzulässige Fragen

Sie hätten aber häufig unter diskriminierenden Umständen zu leiden: Unrechtmässige Kündigungen, mangelnde Versicherungsleistungen, Mobbing und Verletzungen der Datenschutzbestimmungen seien in vielen Firmen alltäglich, heisst es in der Mitteilung.

Dies gehe quer durch alle Branchen, sagte Maeschli. Grund seien veraltete Bilder, die noch in vielen Köpfen herumspukten: HIV-Positiven traue man keine Leistung zu. Zudem wüssten manche Personalverantwortlichen nicht, dass Gesundheitsfragen nicht zulässig seien.

Auf diese Situation will die Kampagne aufmerksam machen. Die Aids- Hilfe schlägt eine Workplace Policy zu HIV vor - eine Anpassung des jeweils geltenden Arbeitsplatzregelements. Damit verpflichtet sich eine Firma beispielsweise, einschlägige Fragen im Bewerbungsverfahren zu unterlassen.

Im Alltag kein Thema

Im Gegensatz zur Arbeitswelt sei HIV im Alltagleben kein Thema mehr, sagte Maeschli. Allerdings nicht, weil die Menschen toleranter oder abgeklärter seien als früher, sondern, weil heute kaum jemand davon wisse, wenn jemand im Bekanntenkreis betroffen sei.

Gerade weil HIV-Positive dank wirksamer Medikamente unauffällig leben können, müssen sie sich nicht mehr «outen», so Maeschli: «Man sieht es ihnen nicht an.» Gleichzeitig habe diese Entwicklung aber auch eine negative Seite: Viele Betroffene getrauten sich aus Angst vor der Reaktion nicht, irgendjemanden ins Vertrauen zu ziehen. So gerieten sie in eine Isolation und nicht selten in eine Depression.

SDA/kle

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