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Ist der Wunsch wertvoller als die Erfüllung?

Es ist ein ganz profanes Übel: Der Mensch will, was er nicht hat. Was uns antreibt, macht uns zugleich unglücklich. Und das ist gut so.

Seit meiner Kindheit bewegt mich das Kinderlied vom «Hans im Schnäggeloch», der alles hat, was er will. Aber was er hat, das will er nicht, und was er will, das hat er nicht. Warum reagieren manche Kinder und Erwachsene so paradox? M. B.

Liebe Frau B.

Vielleicht, weil ihnen mehr am Wünschen liegt als an der Erfüllung ihrer Wünsche? Der Hans im Schnäggeloch wurde zur Allegorie ewiger Unzufriedenheit. Aber man tut ihm damit unrecht. Er ist auch ein anarchischer Freigeist, der nicht nur will, was er nicht hat, sondern – in den folgenden Strophen – auch nicht tut, was er soll, und stattdessen macht, was er nicht soll, und nicht bleibt, wo er ist, sondern geht, wohin er will, ohne dort zufrieden zu sein, wo er bleibt. Er verkörpert also weniger nörgelnde Unzufriedenheit als die Einsicht, dass Zufriedenheit und Glück nicht dasselbe sind. Es gibt übrigens eine erwachsene, melancholische Variante des Kinderlieds – ein Chanson von Friedrich Hollaender, gesungen von Marlene Dietrich:

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