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Kehrt die Rinderwahnsinn-Seuche zurück?

In der Schweiz ist der erste Fall der BSE-Seuche seit 2012 aufgetreten. Wichtige Fragen und Antworten.

Felix Straumann
Müssen sich diese Kühe vor einer BSE-Ansteckung fürchten? Nein, sagt das Bundesamt für Landwirtschaft. (Keystone/Gian Ehrenzeller)
Müssen sich diese Kühe vor einer BSE-Ansteckung fürchten? Nein, sagt das Bundesamt für Landwirtschaft. (Keystone/Gian Ehrenzeller)

Auf einem Bauernhof in Einsiedeln im Kanton Schwyz wurde bei einer Kuh Rinderwahnsinn festgestellt. Es ist der erste bestätigte Fall der sogenannten bovinen spongiformen Enzephalopathie (BSE) seit 2012 in der Schweiz. Das 13-jährige Tier litt an einer atypischen BSE-Form und musste notgeschlachtet werden (siehe Artikel).

Wie gefährlich ist der aktuelle BSE-Fall?

Für den betroffenen Landwirtschaftsbetrieb habe der aktuelle BSE-Fall keine Auswirkungen, teilt das Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen (BLV) auf Anfrage mit. Auch für die menschliche Gesundheit bestehe keine Gefahr. Deshalb ändert sich auch am internationalen Seuchenstatus der Schweiz nichts. Demnach ist das BSE-Risiko in der Schweiz vernachlässigbar.

Was genau ist Rinderwahnsinn?

Die bovine spongiforme Enzephalopathie (BSE) ist eine chronisch-degenerative Krankheit des Zentralnervensystems von Rindern, die immer tödlich endet. Sie wurde 1986 in Grossbritannien erstmals beschrieben. Anschliessend trat die Krankheit in vielen europäischen Ländern sowie Japan, Kanada und den USA auf. In der Schweiz kam es 1990 zum ersten Fall. Die Normalform von BSE ist übertragbar, auch auf den Menschen. In der Regel liegen viele Jahre zwischen der Ansteckung und dem Ausbruch der Krankheit. Die Tiere werden meist ängstlich, zittern und bekommen zunehmend einen steifen Gang und Bewegungsstörungen. Erreger sind sogenannte Prionen. Das sind abnormal verdrehte Eiweisse, die in normaler Form natürlicherweise in jedem Gehirn vorkommen. Sie sind resistent gegen Hitze und Desinfektionsmittel.

Warum tritt die Krankheit jetzt erneut auf?

Bei der aktuellen Erkrankung handelt sich um eine sogenannt atypische BSE. Diese ist nicht auf eine Ansteckung durch Futter, sondern auf eine Genmutation zurückzuführen. Die atypische Form kann spontan immer wieder auftreten. In der Schweiz war dies das letzte Mal 2012 der Fall.

Wie können sich Menschen anstecken?

Menschen wurden vereinzelt mit BSE angesteckt. In der Schweiz ist allerdings kein solcher Fall bekannt. Es wird angenommen, dass dies durch das Verspeisen von hochinfektiösem Teilen eines erkrankten Rinds, also Hirn und Rückenmark, geschieht. Beim Menschen äussert sich die Krankheit als Variante der Creutzfeldt-Jakob-Krankheit (vCJK). Die Zeit von der Ansteckung bis zum Ausbruch kann von wenigen Monaten bis zu 30 Jahre dauern. Symptome sind unter anderem Depressionen, Angstzustände und eine fortschreitende Demenz. Inwieweit die atypische BSE für Menschen ansteckend ist, ist gemäss BLV unklar.

Warum ist BSE heute nur noch selten?

Aufgrund der BSE-Krise in den 1990er-Jahren führte die Schweiz ein Verfütterungsverbot für Tiermehl ein. Nach dem ersten Schweizer BSE-Fall im Jahr 1990 zuerst nur für Rinder, ab 2001 für sämtliche Nutztiere. Dadurch wurde verhindert, dass die Rinder infizierte Teile von Artgenossen und anderen Tieren verzehrten. Seither ist in der Schweiz bei Rindern, die nach 2001 geboren wurden, keine klassische BSE mehr aufgetreten. Zusätzlich werden heute nach der Schlachtung riskante Rinderteile wie Gehirn und Rückenmark aus der Lebensmittelkette ausgeschlossen und verbrannt. Und schliesslich werden bei notgeschlachteten Tieren, die älter als vier Jahre sind, standardmässig Proben auf BSE untersucht. So wurde auch der aktuelle Fall von atypischer BSE entdeckt.

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