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Restaurants warnen vor zu viel Salz – Kunden ist's egal

Seit Jahren versuchen New Yorks Behörden, Verbraucher vor Gesundheitsgefahren in Nahrungsmitteln zu warnen. Doch die Kunden wollen ihre Essgewohnheiten nicht ändern.

Warnhinweise: Eine Speisekarte in einem New Yorker Restaurant. (30. November 2015)
Warnhinweise: Eine Speisekarte in einem New Yorker Restaurant. (30. November 2015)

Das Emblem mit dem kleinen Salzstreuer, das seit geraumer Zeit in einigen Restaurants auf den Speisekarten auftaucht, ist eher unaufdringlich. Doch es soll eine nachdrückliche Botschaft transportieren: Wenn das schwarz-weisse Logo neben einem Gericht auftaucht, signalisiert es, dass dieses mehr Salz enthält, als die von Ärzten empfohlene Höchstmenge für einen ganzen Tag. Ob das die Gäste kümmert, ist jedoch eine andere Sache.

«Ich hatte bislang keine Gesundheitsprobleme, ausser dass ich ein bisschen Übergewicht habe», sagt Madi Boggs, die gerade eine Portion knusprige Hähnchen-Sticks in einem Lokal der Kette TGI Fridays's in Manhattan verspeist. «Deswegen denke ich, ich sollte essen, was ich will, bis ich Probleme bekomme.»

Im Dezember forderte die Stadt Restaurants auf, entsprechende Warnhinweise auf den Speisekarten abzudrucken. Hunderte sind dem Aufruf bereits freiwillig gefolgt. Der Gaststättenverband sperrt sich jedoch dagegen, hat sogar einen Rechtsstreit angestrengt. Doch die meisten Kunden, die von der Nachrichtenagentur AP befragt wurden, signalisierten, dass sie ohnehin nicht vor hätten, ihre Essgewohnheiten zu ändern.

«Ich werde alles essen, was ich will»

«Für jemanden, der jung ist, macht das wirklich nichts aus, weil der noch gesund ist», sagt Maite Acosta, eine 20-jährige Krankenschwester, die gerade in einem Applebee-Restaurant am Times Square isst. Und die Bedienung Ashley Hurtado erklärt, das Logo sei zwar «eine gute Idee», aber es habe keinen Einfluss auf ihre Essgewohnheiten. «Ich werde alles essen, was ich will. So bin ich eben», sagt sie.

Die Vorschrift der Stadt New York gilt zu Restaurants und Fast-Food-Lokalen mit mehr als 15 Niederlassungen landesweit. Sie besagt, dass das Salzstreuer-Emblem neben jeder Mahlzeit stehen muss, die mehr als 2300 Milligramm Salz enthält. Das entspricht in etwa der Menge eines Teelöffels. Gesundheitsexperten sagen, die Einnahme von zu viel Salz führe zu Bluthochdruck und anderen Problemen.

Transfette sind verboten

Der Nationale Gaststättenverband (NRA) zog vor Gericht, um gegen die angedrohten Strafen von bis zu 600 Dollar vorzugehen, die bei Verstössen gegen die Vorschrift fällig würden. Diese sollte eigentlich am Dienstag verbindlich in Kraft treten. Doch ein Richter ordnete am Montag eine vorübergehende Aussetzung der Strafverfolgung an, bis die Angelegenheit rechtlich geklärt ist.

Seit Jahren versucht die Stadt New York mit Warnungen vor den versteckten Gefahren im Essen gegen chronische Gesundheitsprobleme wie Übergewicht, Diabetes oder Bluthochdruck vorzugehen. So verbot man sogenannte Transfette in Restaurants, weil diese Fette die Arterien schädigen. Vergeblich versuchte man, die Grösse der Becher zu begrenzen, in denen in Lokalen zuckerhaltige Getränke serviert werden.

Kaloriengehalt muss angegeben werden

Seit acht Jahren sind Restaurant-Ketten zudem angehalten, Informationen über den Kaloriengehalt der angebotenen Waren abzudrucken – in der Hoffnung, dass das Wissen darüber die Gäste vom Konsum bestimmter Speisen und Getränke abhält. Diese Initiative wurde bald auch von anderen Grossstädten übernommen. Aber ob damit tatsächlich eine Veränderung der Essgewohnheiten erreicht wurde, ist fraglich.

Wissenschaftler der School of Medicine der Universität New York überprüften im Jahr 2014 mehr als30verschiedene Studien über die Ausweisung von Kalorienmengen und ihre Wirkung auf Restaurantgäste. Fazit: Die Wirkung ist marginal.

«Auch wenn es ein paar positive Ergebnisse gab, zeigen diese Studien, dass die Kennzeichnung von Kalorienmengen nicht den gewünschten Effekt hatte, dass die Gesamtmenge der bestellten oder konsumierten Speisen reduziert wurde», hiess es in der Zusammenfassung der Ergebnisse.

Kalorien-Labels zeigen Wirkung

Vertreter der städtischen Gesundheitsbehörden erklären, sie hätten mehr als 8000 Restaurant-Besucher befragt und dabei bessere Ergebnisse erhalten. Im Schnitt hätten Gäste, die die Kalorien-Labels gesehen hätten, Lebensmittel mit 100 Kalorien weniger bestellt.

Jetzt sind die Behörden optimistisch, dass das neue Salz-Label – wenn es denn den Rechtsstreit übersteht – zu einer Veränderung führt.«Wir sind sicher, dass es einen Effekt haben wird», sagt Christopher Miller, Sprecher des Amts für Gesundheit und Psychohygiene.«Es ist nur zu früh, um zu sagen, wie dieser genau sein wird.»

Kleine Erfolge gibt es bereits. Die KettePanera Bread hat bei drei Speisen die Zutaten geändert, um den Salzgehalt zu senken, darunter auch bei seinem berühmten Brotkorb. Bis zu einer möglichen tiefgreifenden Bewusstseinsveränderung bei den Verbrauchern ist es jedoch noch ein langer Weg, wie eine Befragung bei den Angestellten eines Subway's-Restaurants inManhattan ergab:Lediglich zwei oder drei Kunden haben bislang wegen des Salzstreuer-Logos nachgefragt, das dort bereits seit September auf der Speisekarte steht.

SDA/pat

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