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Schweizer Eiswürfel mit Fäkalbakterien verseucht

Kantonschemiker fanden in jedem vierten Würfel erhöhte Mengen von Krankheitserregern. Diese seien aber nicht gesundheitsgefährdend.

Vier von zehn Eiswürfeln sind kontaminiert.
Vier von zehn Eiswürfeln sind kontaminiert.
Reto Oeschger

Im Ausland sind die Schweizer dem Eiswürfel gegenüber eher skeptisch eingestellt und bestellen die Drinks lieber sicherheitshalber mal ohne. Nicht jedoch in der Schweiz. Doch das könnte sich nun ändern. Eine neue Studie zeigt, dass hierzulande 26 Prozent der Eiswürfel nicht den gesetzlichen Vorgaben entsprechen. Die Ergebnisse der Kantonschemiker enthüllt der «SonntagsBlick», dem erste Ergebnisse des Berichts vorliegen, obwohl dieser erst im nächsten Quartal veröffentlicht wird.

Ein Viertel der schweizweiten Proben aus Bars und Restaurants zeigen erhöhte Werte von Pseudomonasbakterien oder Fäkalkeimen wie E. coli-Bakterien oder Enterokokken. Diese Bakterien können Krankheiten auslösen.

Noch keine Strafanzeigen

Werden erhöhte Mengen der Bakterien entdeckt, ist der Betrieb verantwortlich dafür, der Ursache für die Kontamination auf den Grund zu gehen und diese zu beseitigen. Auch trägt er die Kosten für weitere Analysen. «In gravierenden Fällen erstatten wir Strafanzeige», so Otmar Deflorin, Präsident des Verbands der Kantonschemiker und Vorsteher des Kantonalen Laboratoriums Bern.

Dies sei bis jetzt allerdings noch nie vorgekommen, denn «die gefundenen Werte gefährden die Gesundheit nicht», relativiert Deflorin. Dort lagen sogar 29 Prozent der getesteten Würfel über dem Grenzwert.

Automatisch Eiswürfel im Getränk

Für Sarah Stalder, Geschäftsleiterin der Stiftung für Konsumentenschutz, ist das Resultat jedoch Grund zur Sorge: «Gerade bei Menschen mit geschwächtem Immunsystem können diese Bakterien beispielsweise zu schweren Magen-Darm-Erkrankungen führen.» Mit dieser Kontamination würde hierzulande niemand rechnen: «Im Ausland ist man immer vorsichtig mit Eis. Aber in der Schweiz würde man nie erwarten, dass jeder vierte Eiswürfel über dem Grenzwert liegt», so Stalder zum «SonntagsBlick».

Sie kritisiert, dass den Gästen die Getränke ungefragt mit Eiswürfeln serviert werden: «Der Normalfall muss sein, dass man explizit Eiswürfel für sein Getränk verlangt. Und nicht, dass diese automatisch im Glas landen.»

Ungenügende Reinigung der Eismaschinen

Was ist der Grund für das erhöhte Vorkommen von Krankheitserregern im Eis? Obwohl er das Resultat noch nicht kommentieren könne, sieht Otmar Deflorin «ein deutliches Zeichen für eine unhygienische Herstellung der Eiswürfel». Die Verunreinigung geschehe in der Maschine, so der Kantonschemiker weiter: «die Eismaschine an sich wird nicht richtig gereinigt und gewartet.»

Der Präsident des Branchenverbands GastroSuisse Casimir Platzer ist sich mit Deflorin einig, dass selbst grenzwertüberschreitende Resultate noch nicht gefährlich für die Gesundheit seien. «Mir jedenfalls sind keine Erkrankungen bekannt, die auf den Genuss von einem Getränk mit Eiswürfeln zurückzuführen sind.»

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