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Vom Tierquäler zum Gewalttäter

Jugendliche, die schon einmal Tiere gequält haben, begehen drei Mal häufiger gewalttätige Delikte als tierliebende Knaben und Mädchen. Jedes achte Kind gibt zu, schon einmal ein Tier traktiert zu haben.

Forderte Gerechtigkeit für Tiere: Plakate einer Tierschutzkampagne im Jahr 2006.
Forderte Gerechtigkeit für Tiere: Plakate einer Tierschutzkampagne im Jahr 2006.
Keystone

Die Kriminologen Martin Killias von der Universität Zürich und Sonia Lucia von der Universität Genf werteten die Schweizer Daten einer internationalen Delinquenz-Studie aus. Im Jahr 2006 füllten dafür insgesamt 3648 Schüler der 7. bis 9. Klasse aus 70 Schweizer Schulen einen Online-Fragebogen aus.

12 Prozent der Befragten – 17% der Knaben und 8% der Mädchen – gaben an, schon einmal vorsätzlich ein Tier gequält zu haben. In 29 Prozent der Fälle waren die traktierten Tiere Katzen, Hunde oder andere Haustiere. 18 Prozent betrafen Fische, Frösche oder Eidechsen, 11 Prozent Vögel und der Rest Insekten und Wirbellose wie Ameisen, Fliegen oder Schnecken.

Stille Akzeptanz?

Nur 4 Prozent der Knaben und 1 Prozent der Mädchen gaben an, dass Tiere es «verdient» hätten, gequält zu werden, oder dass solche Aktionen «Spass» machten. Für 80 Prozent ist Tierquälerei abscheulich. Allerdings gaben 18 Prozent (24% der Knaben und 12% der Mädchen) kein Urteil ab, was laut den Autoren auf eine stille Akzeptanz hindeutet.

Wie die Forscher im Fachmagazin «Psychology of Violence» berichten, verglichen sie die Angaben zur Tierquälerei mit den Antworten der Jugendlichen zu begangenen Delikten. Die Resultate waren eindeutig: Tierquälerei ist verknüpft mit allen möglichen Straftaten, insbesondere mit Vandalismus und gravierenden Gewalttaten.

Jugendliche, die schon einmal ein Tier gequält haben, gaben auch drei Mal häufiger an, schon einmal ein solches Delikt verübt zu haben. Etwas weniger stark – 1,5- bis 2-fach erhöhtes Risiko – war die Korrelation für weniger schlimme Gewalttaten, Ladendiebstahl oder Vermögensdelikte wie Betrug oder Erpressung.

Hellhörig werden

Tierquälerei gehe einher mit Wut- und Gewaltdelikten, schreiben die Forscher. Vielleicht sei sie ein Indikator dafür, wer später auch gegen Menschen gewalttätig werde. Weil die Befragten nicht angeben mussten, wann sie ihre Taten begingen, kann die Studie aber nicht zweifelsfrei belegen, dass Tierquälerei ein Vorbote anderer Delikte war.

Generell ist Tierquälerei laut Killias und Lucia ein Anzeichen von auffälligem und asozialem Verhalten. Es müsse als «Schritt in Richtung Delinquenz» angesehen werden, schreiben die Forscher. «Wenn man bemerkt, dass ein Kind Grausamkeiten gegenüber Tieren verübt, sollte man achtsam werden», sagte Killias auf Anfrage.

Stadien der Gewalttätigkeit

Das gelte insbesondere, weil bekannt sei, dass Aggressivität eine dauerhafte Störung sei. Fachleute müssten sich darum bewusst sein, dass Tierquälereien ein Anzeichen auf eine bleibende Unangepasstheit sein könnten. Mehr Forschung sei nötig, um den Ursachen und Kausalitäten des Zusammenhangs auf den Grund zu kommen.

Unklar ist, ob Gewalt gegen Tiere und Menschen Erscheinungsformen derselben Charaktereigenschaft sind. Dagegen spricht, dass es auch Gewalttäter gibt, die Tiere sehr liebevoll behandeln. Andererseits könnte Tierquälerei auch eine Art Lehrstätte für spätere Gewalttätigkeit sein, die so in Stufen ausgebildet würde.

SDA/miw

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