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Hirsche verdrängen die Gämsen

In der Schweiz sinkt der Gämsbestand. Schuld ist nicht nur die Jagd.

Wenig Nachwuchs und eine hohe Sterberate: Gämsbestände erholen sich nur langsam.
Wenig Nachwuchs und eine hohe Sterberate: Gämsbestände erholen sich nur langsam.
Keystone

«Den Gämsen geht es derzeit nicht gut», sagt Reinhard Schnidrig, Chef der Sektion Jagd beim Bundesamt für Umwelt. 97'000 Gämsen wurden im Jahr 2005 im Alpenbogen gezählt, 2012 waren es nur noch 92'000. Das Huftier lebt vor allem in den Kantonen Wallis, Graubünden, Bern und Tessin sowie im Jurabogen.

Die Gründe des sinkenden Gämsenbestands sind nicht klar. Krankheiten können eine Ursache sein, etwa die Gämsblindheit. Aber das allein erklärt das Phänomen nicht. Andere weniger ­offensichtliche Faktoren spielen ver­mutlich mit. «Wir müssen vielleicht das Wildtier-Management überdenken», sagte Schnidrig. Er meint damit die Jagdbanngebiete zum Schutz von Wildtieren. In einigen verdrängen die zu zahlreich gewordenen Hirsche die Gämsen in weniger optimale Lebensräume, wo sie besonders im Winter keine oder zu wenig Nahrung finden.

Im Unterschied zum Rotwild können sich Gämsbestände nur langsam erholen. Eine Gämse hat erst im Alter von drei oder vier Jahren erstmals Junge. Und bringt nur ein Junges pro Jahr zur Welt. Nachteilig auf die Population wirkt sich zudem die hohe Sterberate aus: In einem harten Winter stirbt bis die Hälfte der Jungtiere.

Erhöhter Jagddruck

Ein Grund für den Rückgang des Bestands liegt aber zumindest gebietsweise möglicherweise bei der Jagd. Jäger begründen ihre Abschüsse vielfach mit dem ­Argument des Naturschutzes. In den vergangenen Jahren wurden denn auch zum Schutz der Wälder mehr Gämsen zum Abschuss freigegeben. Der Jagddruck habe sich erhöht, sagt Schnidrig. Er nennt etwa seine Heimat, das Oberwallis: «Im Goms zahlt man heute wohl den Preis für eine zu intensive Jagd.»

Bei der Frage, wie weit der Rückgang mit vermehrt vorkommenden Wölfen und Luchsen in den Schweizer Alpen zusammenhängt, gehen die Meinungen auseinander. Während David Clava­detscher, Geschäftsführer von Jagd Schweiz, einen Zusammenhang sieht, sind für Schnidrig die beiden Tiere derzeit noch kein Thema in dieser Hinsicht. Vor allem Kantone wie der Jura und Freiburg würden sich über den Luchs beklagen. Doch der Gämsbestand sei dort zu unbedeutend, um den Rückgang in der schweizweiten Statistik zu erklären.

Der Wolf jagt ausserdem bevorzugt den Hirsch. Das zeigt sich im Bündner Calanda-Massiv, wo eine Meute von zehn Wölfen lebt. Dort ist der Hirschbestand zurückgegangen.

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