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«In einem normalen Jahr würde es erst in einem Monat blühen»

Erste Bäume stehen in der Bluescht. Ein Besuch auf dem landwirtschaftlichen Versuchsbetrieb Strickhof in Lindau zeigt: Der warme Winter hat seine Spuren hinterlassen.

Was hat der warme Winter für Folgen? Andreas Klöppel erklärt die Auswirkungen an der Aprikose. (Video: Anja Stadelmann)

Mit zwei Beinchen hält sie sich an der Aprikosenblüte fest, mit den anderen vier biegt sie die Blütenteile, um sogleich mit dem winzigen Rüssel den Nektar auszusaugen. Die Fühler bewegen sich blitzschnell in verschiedene Richtungen. Ein weiteres Mal saugt sie Nektar, bevor sie zum Weiterflug ansetzt. Für die Honigbiene ist es ein ergiebiger Tag.

«In einem durchschnittlichen Jahr würden wir eine solche Blüte erst Ende Monat sehen. Und Apfelbäume beispielsweise blühen gegen Ende April», sagt Andreas Klöppel, Betriebsleiter der Abteilung Obstbau am Strickhof, dem landwirtschaftlichen Kompetenzzentrum des Kantons Zürich. 2020 ist jedoch kein durchschnittliches Jahr. Laut Meteo Schweiz erlebten wir hierzulande den wärmsten Winter seit Messbeginn 1864.

Verantwortlich ist der Klimawandel

Das Problem für die Obstbäume: Bis Mitte Mai kommt oft nochmals Spätfrost. Und weil die Pflanzen sich so früh entwickelt haben, ist das Risiko gross, dass die Blüten und die jungen Früchte ihn nicht überleben. «Die Blätter, die Äste, das Holz: Das ist alles voller Saft. Und wenn es richtig kalt wird, dehnt sich das Wasser aus. Das kann sogar die Rinde zum Aufplatzen bringen.»

Spätfrostschäden nehmen seit Jahren zu, weil die Pflanzen aufgrund der Erwärmung immer früher blühen. Wenn es in der Blüte oder kurz danach für mehrere Tage drei bis fünf Grad unter Null werde, könne es sein, dass die ganze Ernte hinüber sein werde, so Klöppel. Lösungen zur Bekämpfung des Spätfrostes gewinnen deshalb weltweit an Wichtigkeit.

Eine Heizung für Aprikosenbäume

In der Schweiz setzen die Landwirte verschiedene Mittel ein, so etwa Paraffinkerzen, Heizungen oder die Frostschutzberegnung. Keines ist optimal, am wenigsten letzteres. Dabei werden die Bäume mit Wasser besprüht, welches an den Ästen gefriert und Wärme freisetzt. Technisch gesehen, ist dies die erfolgversprechendste Methode, aber die Beregnung braucht viel Wasser, welches sich danach oft im Boden staut. Viele Böden der Schweiz sind zu schwer. Es könnte zu Staunässe kommen, was andere Probleme nach sich zieht. Schlussendlich ist es eine Frage des Standorts: Ist er frostsicher und frostfrei? «Das ist bei der Aprikose nördlich der Alpen kaum der Fall, ausser dem Wallis eignet sich kaum ein Standort optimal», meint Klöppel.

Was braucht es denn nun für einen Frühling, damit die Ernten 2020 optimal ausfallen? Klöppel: «Idealerweise wird es kühl, tagsüber nicht über 10 Grad und nachts um die 5 Grad damit sich die Vegetation nicht so schnell entwickelt. Wenn es ein einigermassen trockenes Frühjahr ohne Minusgrade gibt, werden wir eine ergiebige Ernte haben.»

Im Video zeigt Andreas Klöppel anschaulich die Auswirkungen des warmen Winters an den Aprikosenbäumen.

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