Klimakompensation ist nicht des Teufels

Milliarden Menschen fliegen rund um die Welt. Es wäre schon ein Erfolg, wenn deren Reisen durch Klimaprojekte kompensiert würden.

Menschen werden auch in Zukunft fliegen wollen: Passagiere im Flughafen Zürich. Foto: Patrick B. Krämer (Keystone)

Menschen werden auch in Zukunft fliegen wollen: Passagiere im Flughafen Zürich. Foto: Patrick B. Krämer (Keystone)

Martin Läubli@tagesanzeiger

Ach, wären wir doch schon im postfossilen Zeitalter! Es wäre um einiges einfacher, Ferienpläne zu schmieden. Es gäbe keinen Streit in der Familie, ob eine klimaschädliche Flugreise noch drinliegt. Ob es nicht öko­logischer wäre, mit der Bahn zu fahren als im Auto.

Wir haben diese Debatte jahrzehntelang hinausgeschoben – vielleicht verdrängt. Nun hat sie uns endgültig eingeholt. Junge Menschen pochen mit ihrem grossen Engagement gegen den Klimawandel darauf, zumindest darüber nachzudenken, wo wir hinreisen – und vor allem wie. Und wenn es dann nicht anders geht und es keine Alternative zum Flieger gibt, bleibt doch immerhin die Klimakompensation, um die persönliche CO2-Bilanz nicht zusätzlich zu belasten.

Mit ein paar Klicks auf dem Internet lässt sich der CO2 mit einer relativ kleinen Investition in ein Klimaprojekt kompensieren. Das geht so einfach und ist so schnell und billig, dass man nicht einmal einen Gedanken über sein eigenes Verhalten verlieren muss. So sehen das strenge Umweltbewusste. Für sie ist das keine Lösung, das ist Ablasshandel, ein Loskaufen von der Klimaschuld. Das kann man durchaus so sehen. Zumal die Kompensationsprojekte nicht immer halten, was sie versprechen.

Noch fliegen aber die Flugzeuge mit fossilem Treibstoff – und der Flugverkehr wächst. Sein Anteil an den globalen CO2-Emissionen beträgt heute zwar nur 2,5 Prozent. Der kann aber in den nächsten zehn Jahren deutlich ansteigen.

Dass in den nächsten Jahren Millionen Menschen weniger fliegen werden, bleibt wohl Wunschdenken. Also wäre schon ein Fortschritt, wenn jeder Passagier in gut umgesetzte Klimaprojekte investierte – solange die ­Kosten für Klimaschäden nicht in den Flugpreisen entsprechend abgebildet sind und die Bahn bei Kurzstrecken nicht eine valable Alternative ist.

Wer kompensiert, hat sich immerhin mit dem Problem des Klimawandels beschäftigt. Und das ist eine Grund­voraussetzung, um endlich das postfossile Zeitalter zu erreichen.

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