Zum Hauptinhalt springen

«Mann, du musst mausen!»

Unsere Gartenbloggerin hatte sich auf ihre wohlverdiente Winterruhe gefreut. Daraus wurde erst mal nichts.

Marina Bolzli
Das ganze Feld war zerwühlt und zerfressen – von einer Maus.
Das ganze Feld war zerwühlt und zerfressen – von einer Maus.
iStock

Eigentlich wollte ich mich jetzt endlich auf die faule Haut legen. Winterruhe. Ab und zu einen Lauch rausziehen gehen, ein paar Federkohlblätter abzupfen, etwas Nüsslersalat schneiden. Und wenn ich dann den Drang hätte, doch etwas zu machen, die Gartenwerkzeuge putzen und ölen. So, wie ich es mir schon seit Jahren vorgenommen habe.

Aber jemand hat ebenfalls Pläne gemacht. Also nicht Putzpläne, sondern Winter- und Fresspläne. Und das kommt mir jetzt in die Quere. Als ich am Wochenende meinen noch nie so schön gewachsenen Cicorino rosso bestaunen gehen wollte, staunte ich tatsächlich: Die Blätter lagen seltsam sonnenähnlich am Boden. In der Mitte ein Loch, es hatte den Durchmesser einer Mandarine.

Ich zuckte zusammen, meine Augen wanderten zum nächsten Bittersalat: ein Loch. Panisch zog ich an den Blättern, hielt sie plötzlich in der Hand, sie waren nicht mehr angewachsen. Das ganze Feld zerwühlt und malträtiert und zerfressen. Die Maus hatte einen Festschmaus gehabt.

Die Wurzeln des Cicorino rosso, die immerhin so dick und lang sind wie Rüebli, ratzeputz gefressen. Die Salate hätte ich im Februar ernten können, dann, wenn sie schöne rote Rosetten gebildet hätten. Hätte ich, wenn nicht… «Mann», schrie ich, «du musst mausen!»

Hier nun ein kleiner Einschub: Auch wenn ich mich gerne als emanzipiert verstehe, kann mir manchmal nur noch der Mann helfen. Zumal ich eine grosse Schwäche habe: Ich reagiere äusserst stark auf Mäuse.

Sehe ich nur eine aus den Augenwinkeln, kreische ich, bin ausser mir. Meine Kinder sind schon so abgebrüht, dass sie in solchen Fällen nur meinen: Okay, Mutter hat eine Maus gesehen. Wo ist sie, wie können wir ihr (der Maus) helfen?

Mäuse gibt es auf dem Land viele. Gott sei Dank nicht in unserem Haus – ich würde sonst kein Auge mehr zutun – aber beim Hühnerfutter, im Heizungsraum, im Garten. Beim Heizungsraum habe ich mir angewöhnt, immer anzuklopfen, so kann die Maus verschwinden und wir erschrecken einander nicht gegenseitig. Im Garten aber triffts mich meist unerwartet.

«Mann», schrie ich also, «du musst mausen!» Der Mann hörte den schrillen Unterton in meiner Stimme und eilte herbei. Ich entfernte mich sicherheitshalber ein paar Meter. «Ja», sagte er, «da kann man nicht viel machen.» Er finde keine Gänge, sagte er noch, es sei alles viel zu zerwühlt, und wenn er keine Gänge finde, könne er keine Fallen richten.

Mein Blick fiel auf die Katze. Sie sass unbeteiligt ein paar Meter entfernt, sie war gerade sehr mit Nichtstun beschäftigt. Ich versuchte sie anzulocken, sie schaute mich mitleidig an, streckte den Schwanz in die Höhe und verschwand Richtung Heustock. Der Sohn, 4, eilte mit dem Gartenschlauch herbei. «Wir ertränken die Maus, Mama.» Ich nickte und verzog mich ins Haus.

Vorher schmiss ich die Blätter den Hühnern zu. Sie stürzten sich auf sie. Als ob sie nur darauf gewartet hätten. Ich legte mich aufs Sofa, Winterruhe.

Dieser Artikel wurde automatisch auf unsere Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch