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Nobelpreis, Waldbrände und Masern

Das sind die Erkenntnisse aus der Welt der Wissenschaft, die 2019 Geschichten schrieben.

Sie haben unter anderem im vergangenen Wissenschaftsjahr für Schlagzeilen gesorgt: Gefährliche Waldbrände im Amazonasgebiet. Foto: Reuters
Sie haben unter anderem im vergangenen Wissenschaftsjahr für Schlagzeilen gesorgt: Gefährliche Waldbrände im Amazonasgebiet. Foto: Reuters

Streikende Klimajugend, alarmierende Klimaforscher

2019 stand ganz im Zeichen des weltweiten Klimaschutzes. Erstmals gingen Hunderttausende junge Menschen weltweit auf die Strasse, veranstalteten freitägliche Schulstreiks, um gegen das Nichtstun der Erwachsenen im Klimaschutz zu protestieren. Ini­tiiert hatte die Bewegung die 15-jährige Greta Thunberg mit aufrüttelnden Reden und einem Auftritt vor der UNO; inzwischen ist sie Sache besorgter Menschen jeglichen Alters geworden.

Zum Sinnbild unverantwortlicher Klimapolitik wurden die Zehntausenden Waldbrände im brasilianischen Amazonasgebiet. Verantwortlich dafür wird der brasilianische Präsident Jair Bolsonaro gemacht, der die Agrarlobby unterstützt und mehr Rodungen zulässt. Der Schutz der Tropenwälder gilt als eine der wichtigsten Massnahmen, um die Erderwärmung zu bremsen.

Wie dringend ein weltweiter Klimaschutz ist, verdeutlichte der Weltklimarat IPCC in zwei umfassenden Berichten. Diese zeigen, dass der Meeresspiegel bis Ende des Jahrhunderts um fast einen Meter ansteigen wird, wenn die Treibhausgasemissionen nicht schnell reduziert werden. Und sie dokumentieren, wie der Klimawandel in Zukunft eine sichere globale Nahrungsversorgung bedroht. (lae)

Nobelpreis für Schweizer Astronomen

Zwei grossartige Astronomen aus der Romandie erhielten den diesjährigen Nobelpreis für Physik: Michel Mayor und Didier Queloz. Foto: Odile Meylan (24 Heures)
Zwei grossartige Astronomen aus der Romandie erhielten den diesjährigen Nobelpreis für Physik: Michel Mayor und Didier Queloz. Foto: Odile Meylan (24 Heures)

Sind wir allein im Universum? Seit Urzeiten stellt sich die Menschheit diese Frage. Die Grundlage für eine wissenschaftliche Antwort haben die Westschweizer Astronomen Michel Mayor (77) und Didier Queloz (53) gelegt. 1995 entdeckten sie den ersten Planeten, der um einen sonnenähnlichen Stern kreist. Mittlerweile sind mehr als 4000 Exoplaneten bekannt, und die Suche nach Leben im Weltall geht in die heisse Phase. Dieses Jahr erhielten Mayor und Queloz für ihre bahnbrechende Arbeit den Nobelpreis für Physik. Queloz war es auch, der auf einer Skitour die erste Idee für den Bau eines Schweizer Weltraumteleskops hatte. Gemeinsam mit Willy Benz von der Universität Bern entwarf er daraufhin den Charac­terizing Exoplanet Satellite (Cheops), der Mitte Dezember erfolgreich in den Erdorbit gestartet ist. Von dort aus soll er Exoplaneten charakterisieren. (jol)

Pestizide schaden der Vogelwelt

Singvögel sind wegen im Freiland verwendeter Pestiziden gefährdet. Foto: Frank Rumpenhorst (Keystone)
Singvögel sind wegen im Freiland verwendeter Pestiziden gefährdet. Foto: Frank Rumpenhorst (Keystone)

Seit Anfang 2019 ist in der Schweiz die Anwendung gewisser Neonikotinoide im Freiland verboten. So darf das hochwirksame Insektenvernichtungsmittel Imidacloprid nur noch im Gewächshaus verwendet werden, da es für Bienen ein Risiko darstellt. Kanadische Forscher wiesen nun erstmals nach, dass sich bereits niedrige Dosen davon negativ auf das Fress- und Zugverhalten von Dachsammern auswirken. Zudem stellte eine Studie der Universität Neuenburg fest, dass das weiterhin erlaubte Mittel Acetamiprid in ebenfalls gering verabreichten Mengen beim Haussperling die Spermiendichte stark reduziert. Das deutet darauf hin, dass Neo­nikotinoide die Fruchtbarkeit der Singvögel beeinflussen. (bry)

Schweizer Männer haben schlechte Spermien

Die Spermienqualität von Schweizer Männern ist ungenügend. Foto: iStock
Die Spermienqualität von Schweizer Männern ist ungenügend. Foto: iStock

Dreizehn Jahre dauerte es, bis die Spermienqualität von 2500 jungen Männern im Rahmen ihrer Militäraushebung ermittelt war. Das beunruhigende Resultat: Fast zwei Drittel genügten nicht den WHO-Normwerten für fruchtbare Männer. Die Schweiz gehört damit im europäischen Vergleich zu den Schlusslichtern. Ebenfalls schlecht steht es hierzulande beim Hodenkrebs, der im Europavergleich sehr häufig ist. Als mögliche Ursachen gelten hormonaktive Substanzen in Pflanzenschutzmitteln, Kosmetika und Kunststoffen. Auch ­Tabak- und Cannabiskonsum, Übergewicht und anderes dürften eine Rolle spielen. (fes)

Viel Aufregung um neues Alzheimer-Medikament

Das Jahr 2019 war für die Community der Alzheimerforschung so etwas wie eine Achterbahnfahrt. Im März gab das Pharmaunternehmen Biogen bekannt, dass zwei grosse Patientenstudien mit einem an der Universität Zürich entwickelten Wirkstoff gescheitert seien. Sieben Monate später dann die Wende. Biogen gab bekannt, dass der Wirkstoff Aducanumab bei einer Subgruppe von Patienten doch eine Wirkung zeige – er kann den geistigen Verfall bremsen, aber nicht stoppen –, und dass die Firma daher in den USA einen Zulassungsantrag stellen würde. Experten sind sich allerdings uneinig, ob die Daten von Biogen für eine Zulassung reichen. Dafür bestätigte sich 2019 eine andere Erkenntnis: Mit einem gesunden, aktiven Lebensstil kann man Alzheimer vorbeugen. (nw)

So viele Masernfällewie seit Jahren nicht mehr

2019 ist ein Masernjahr. Bis im Oktober vermeldete das Bundesamt für Gesundheit über 200 Fälle, das sind zum Teil deutlich mehr als in den letzten sieben Jahren. Zwei Menschen starben an der Infektion. Die Ausbrüche haben damit zu tun, dass in der Schweiz noch immer knapp zu wenig Menschen gegen Masern geimpft sind: effektiv sind es etwa 94 Prozent der Bevölkerung, nötig wären mindestens 95 Prozent. Weltweit sieht die ­Bilanz aber noch viel düsterer aus. Gemäss einer aktuellen Statistik der Weltgesundheitsorganisation WHO starben letztes Jahr rund 140 000 Menschen an einer Infektion mit dem Masernvirus – die meisten davon waren Kinder unter fünf Jahren. (nw)

Superteure Zelltherapien gegen Blutkrebs

Das Jahr 2019 setzte einen Meilenstein in der Krebstherapie: Erstmals wurden in hiesigen Spitälern Krebspatienten mit einer superteuren neuen Zelltherapie behandelt. Dabei werden bestimmte Immunzellen («T-Zellen») des Patienten ausserhalb des Körpers gentechnisch so aufgerüstet, dass sie, zurück im Körper des Patienten, den Tumor ­attackieren. Nachdem sich anfänglich einige Krankenkassen geweigert hatten, die Therapiekosten zu übernehmen, haben sich die grössten Kassen, der Spitalverband H+ sowie die Hersteller Novartis und Gilead mittlerweile auf eine Lösung geeinigt. Die sogenannte CAR-T-Therapie gibt es (vorerst) nur für zwei Formen von Blutkrebs. (nw)

Älteste Jagdszenen in Indonesien entdeckt

Bisher zählten die rund 37'000 Jahre alten Meisterwerke aus der französischen Chauvet-Höhle zu den ältesten bekannten menschlichen Darstellungen. Mitte Dezember berichteten australische und indonesische Anthropologen nun, sie hätten in einer Höhle auf der indonesischen Insel Sulawesi noch ältere Jagdszenen und die wohl früheste figurative Kunst entdeckt. Vor rund 44'000 Jahren haben die dortigen Bewohner unter anderem Pustelschweine und Zwergbüffel an die Höhlenwände gemalt. (nw)

Die Überlegenheit der Quantenrechner

Im Oktober berichteten 76 vornehmlich bei der Firma Google beschäftigte Experten, sie hätten die sogenannte Quantenüberlegenheit erreicht. Demnach habe ihr neu entwickelter Quantencomputer eine konkrete Rechenoperation erstmals schneller durchgeführt als ein klassisch gebauter Supercomputer – und zwar um Welten schneller. Experten vom IT-Konzern IBM kritisierten jedoch, das von Google durchgeführte Experiment könne die Überlegenheit der Quantenrechner nicht beweisen. (jol)

Ein Medikament für eine einzige Patientin

Die Medizin, so hört man immer wieder, werde künftig viel perso­nalisierter. Wie das ausschauen könnte, zeigten US-Ärzte dieses Jahr. Sie entwickelten ein Medikament nur für eine einzige Patientin. Die neunjährige Mila leidet an der «Batten-Krankheit», einer sehr seltenen Erbkrankheit, bei der die Nervenzellen im Gehirn absterben. Mila hat einen Gendefekt, der dazu führt, dass sie zu wenig von einem bestimmten Eiweiss produziert. Dieses ist normalerweise für die Abfallbeseitigung in der Zelle verantwortlich. Das für Mila entwickelte Medikament kompensiert zumindest teilweise den Gendefekt. Geheilt ist Mila aber nicht, die abgestorbenen Zellen kann das Medikament nicht ersetzen. (nw)

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