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Wie ein Floh auf einer Zitronenscheibe

Der Venustransit ist ein Spektakel, das sich erst wieder im Jahr 2117 ereignen soll. Umso ärgerlicher, dass in weiten Teilen der Schweiz Wolken die Sicht auf den Himmel versperrten. Das war nicht überall so.

Seltenes Naturspektakel: Die Sonne als oranger Feuerball und die Venus als schwarzer Punkt am Himmel. (6. Juni 2012)
Seltenes Naturspektakel: Die Sonne als oranger Feuerball und die Venus als schwarzer Punkt am Himmel. (6. Juni 2012)
AFP
Grössenunterschied: Aus der Nähe betrachtet, zeigt sich die Relation zwischen den zwei Himmelskörpern noch deutlicher. (6. Juni 2012)
Grössenunterschied: Aus der Nähe betrachtet, zeigt sich die Relation zwischen den zwei Himmelskörpern noch deutlicher. (6. Juni 2012)
AFP
Der Verlauf des Naturspektakels: Die NASA-Karte zeigt, wo der Venustransit sichtbar ist. (5. Juni 2012)
Der Verlauf des Naturspektakels: Die NASA-Karte zeigt, wo der Venustransit sichtbar ist. (5. Juni 2012)
Keystone
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Die Schweiz hat das Himmelsspektakel Venustransit verpasst: Fast überall verdeckten am frühen Morgen Wolken die Sonne, vor der die Venus als schwarzes Pünktchen vorbeizog. Für Daten zur Venuspassage müssen sich Schweizer Sonnen- und Planetenforscher auf Daten von ausserhalb stützen.

Schweizer Astrofans wurden enttäuscht: Die Passage der Venus vor der Sonne, die in der Schweiz für kurze Zeit von Sonnenaufgang bis knapp sieben Uhr morgens zu bestaunen gewesen wäre, war fast überall im Land hinter Wolken versteckt. Besonders bitter ist, dass die nächste Chance, eine Venuspassage zu sehen, sich erst wieder im Jahr 2117 – also in 105 Jahren – ergibt.

Einzelne Lücken in Wolkendecke

Nur in Nord- und Mittelbünden sowie im Mittel- und Südtessin hätten geringe Chancen zur Beobachtung bestanden, sagte Marco Stoll von Meteo Schweiz. Dort hätten sich in der Wolkendecke einzelne Lücken aufgetan.

Die Sonnenforscher vom Physikalisch-Meteorologischen Observatorium in Davos verliessen sich nicht auf das Wetter: Sie warteten am Mittwochmorgen auf Daten zum Venustransit vom französischen Sonnenforschungssatelliten Picard. Die Schweizer betreiben auf dem Satelliten ein Experiment, wie Direktor Werner Schmutz sagte.

Die Sonnenforscher erhoffen sich vom Venustransit Informationen über die Oberflächenstruktur der Sonne. Diese ist nicht einförmig, sondern gleicht einem Mosaik von heisseren und weniger heissen Stellen. Durch die Abdeckung kleiner Teile der Sonnenoberfläche könnten Berechnungen mit höherer Auflösung als bei der direkten Beobachtung gemacht werden, erklärte Schmutz.

Spass für Planetenjäger

Für jene Astronomen, die sich der Suche nach Planeten ausserhalb unseres Sonnensystems verschrieben haben, ist die Venuspassage ein Testfall. Mit immer grösseren Teleskopen beobachten sie hunderte ähnlicher Transits von Planeten vor anderen Sternen. Sie hoffen, dereinst, aus der leichten Abdunkelung des Sternenlichts schliessen zu können, ob es allenfalls eine Atmosphäre auf dem vorbeiziehenden Planeten gibt.

Der Venustransit vor unserer nahen Sonne helfe ihnen, die Beobachtung dieser fernen Transite vorzubereiten, sagte Didier Queloz, Astrophysikprofessor an der Universität Genf. Dazu seien riesige Teleskope nötig, wie das geplante European Extremely Large Telescope in Chile, an dem sich auch die Schweiz beteiligen wird.

Ansonsten seien Venustransite eher historisch bedeutsam, da damit erstmals die Distanz von der Erde zur Sonne gemessen werden konnte. Das faszinierende Spektakel könne jedoch helfen, den Menschen die Planetenforschung näher zu bringen, sagte Queloz.

dapd

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