Asteroid rast an Erde vorbei – ESA probt Ernstfall

Ein Asteroid hat heute Morgen die Erde passiert. Er kam ihr fast so nahe wie manche Satelliten. ESA und Nasa wollten den Ernstfall trainieren.

Kam der Erde viel näher als der Mond: Der Brocken 2012 TC4. (Video: Tamedia/AFP)

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Der Asteroid 2012 TC4 hat die Erde am Donnerstagmorgen in relativ geringem Abstand passiert. Der Vorbeiflug sei wie berechnet pünktlich erfolgt, sagte Detlef Koschny von der Europäischen Raumfahrtagentur ESA am Donnerstag im niederländischen Noordwijk.

Dabei erreichte der Himmelskörper seinen erdnächsten Punkt um 7.41 Uhr mit rund 44'000 Kilometern Abstand. Zum Vergleich: Der Mond ist etwa 400'000 Kilometer entfernt, geostationäre Satelliten fliegen in einer Höhe von knapp 36'000 Kilometern.

Weitere Informationen lagen Koschny zunächst nicht vor. «Ich bin mir aber sicher, das sie kommen», sagte er. So werde etwa untersucht, aus welchem Material der Asteroid besteht. «Wir haben Daten, mit denen wir das herausfinden», erklärte er.

ESA und Nasa trainieren

Gefährlich war 2012 TC4 zwar nicht, doch Experten der europäischen Raumfahrtbehörde ESA und ihre Nasa-Kollegen wollten die Gelegenheit nutzen, um für den Fall einer ernsten Bedrohung unseres Planeten zu üben. «Dieses Mal ist es kein Besorgnis erregender Fall, aber wir werden ihn nutzen, um zu trainieren», sagte der deutsche ESA-Wissenschaftler Detlef Koschny am Dienstag der Nachrichtenagentur AFP.

Das Kontrollzentrum der Europäischen Raumfahrtagentur in Darmstadt (D). Bild: Keystone/Uwe Anspach

Bis wirklich einmal ein gefährlicher Asteroid auf die Erde zufliege, wollten die Raumfahrt-Experten dafür schon mehrfach geübt haben, fügte Koschny hinzu, der bei der ESA Ko-Direktor der Abteilung Erdnahe Objekte ist.

Zusammenarbeit mit Katastrophenschutz

Die Institute sollen ihre Informationen über den Asteroiden an die beteiligten Katastrophenschutzzentren melden, erläuterte Koschny. Danach werde überprüft, ob die Angaben verständlich sind und ob der Informationsaustausch verbessert werden muss.

Ein Wiedersehen mit 2012 TC4 wird es erst im Jahr 2079 geben. Dann existiert laut ESA eine minimale Wahrscheinlichkeit, dass er die Erde trifft. Die Chance betrage nach aktuellsten Berechnungen 1:15'000. Doch da der Asteroid auf seinem jetzigen Vorbeiflug von der Erde abgelenkt werde, könne sich die Wahrscheinlichkeit geändert haben. (oli/sda)

Erstellt: 12.10.2017, 10:06 Uhr

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Asteroiden gelten als Überbleibsel der Entstehung des Sonnensystems vor rund 4,6 Milliarden Jahren. Die meisten von ihnen ziehen fernab der Erde zwischen den Planeten Mars und Jupiter um die Sonne, manche können jedoch auch der Erde gefährlich nahe kommen.

2012 TC4 war am Himmel im besten Fall als kleiner Leuchtpunkt zu sehen – allerdings nicht mit blossem Auge. Amateur-Astronomen konnten ihn mit einem guten Teleskop zu sehen bekommen. In Europa ging während seiner Passage allerdings bereits die Sonne langsam auf.

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