Wo in der Schweiz die Erde am häufigsten bebt

Das Wallis wird derzeit von aussergewöhnlich vielen Erdbeben erschüttert. Auch andere Regionen sind besonders gefährdet.

Hier werden alle Ereignisse aufgezeichnet: Die Zentrale des Schweizerischen Erdbebendienstes an der ETH Zürich. Foto: Keystone

Hier werden alle Ereignisse aufgezeichnet: Die Zentrale des Schweizerischen Erdbebendienstes an der ETH Zürich. Foto: Keystone

Yannick Wiget@yannickw3
Dino Caracciolo@dino_caracciolo ‏

Seit der Nacht auf Dienstag sind im Wallis über hundert Beben registriert worden. Die stärksten erreichten Magnituden zwischen 3,0 und 3,3 und wurden bis ins Berner Oberland wahrgenommen. Laut dem Schweizerischen Erdbebendienst (SED) handelt es sich um einen «aussergewöhnlichen Erdbebenschwarm», wie es ihn hierzulande nur selten gibt.

Im Vergleich mit anderen europäischen Ländern besteht in der Schweiz eine mittlere Erdbebengefährdung, wobei es grosse regionale Unterschiede gibt: Das Wallis ist die Region mit dem höchsten Risiko, gefolgt vom Raum rund um die Stadt Basel. Auch Graubünden, das St. Galler Rheintal und die Zentralschweiz sind stärker betroffen. Regionen ganz ohne Gefährdung gibt es in der Schweiz nicht.

Wenn es bei uns bebt, ist das in den meisten Fällen eine Folge des Aufeinanderprallens der Europäischen und der Afrikanischen Kontinentalplatten. Pro Jahr ereignen sich so in der Schweiz zwischen 1000 und 1500 Erdbeben. Von der Bevölkerung tatsächlich verspürt werden aber nur solche, die Magnituden von mindestens 2,5 aufweisen. Im langjährigen Durchschnitt ereignen sich jährlich 23 Beben mit dieser oder einer grösseren Stärke.

Etwa alle 8 bis 15 Jahre ist mit einem Beben der Stärke 5 zu rechnen, bei dem Möbel verschoben werden und Gegenstände aus Regalen fallen. Auch Schäden an solid gebauten Häusern (Mauerrisse, herabfallende Ziegel) können auftreten. Das letzte Erdbeben, das in der Schweiz grössere Schäden verursacht hatte, ereignete sich 1991 bei Vaz im Kanton Graubünden mit einer Stärke von 5.

Im aktuellen Jahr lag die Wahrscheinlichkeit für ein Magnitude-5-Beben bei 10 Prozent. Bis jetzt war dasjenige beim Walliser Sanetschpass am Dienstag mit 3,3 aber das stärkste.

Die Wahrscheinlichkeit für ein katastrophales Beben mit einer Magnitude von über 6 ist klein, sie liegt bei einem Prozent im aktuellen Jahr. Im Schnitt ist alle 50 bis 150 Jahre mit einem solchen Ereignis zu rechnen, bei dem sogar gut gebaute Häuser schwer beschädigt werden oder einstürzen.

Zum vorerst letzten Mal bebte die Erde im Jahr 1946 bei Sierre im Wallis so stark. «Ein solches Beben kann aber überall und jederzeit in der Schweiz auftreten», warnt der SED. Zwar betreibt er ein Messnetz mit über 200 seismischen Stationen über die ganze Schweiz verteilt. Doch Erdbeben, die Naturgefahr mit dem grössten Schadenspotenzial, lassen sich bisher weder verlässlich vorhersagen noch verhindern.

Legte die Stadt in Trümmer: Das grosse Erbeben in Basel 1356 auf einer Darstellung des Historienmalers Karl Jauslin. Foto: Getty Images

Das stärkste historisch dokumentierte Erdbeben in der Schweiz ereignete sich übrigens weit vor Einführung moderner Messmethoden: Im Jahr 1356 bebte die Erde bei Basel mit einer Magnitude von ungefähr 6,6 und richtete grosse Schäden an.

Gemäss Überlieferungen handelte es sich um eine Serie von gewaltigen Erdstössen, die dafür sorgten, dass unter anderem das Dach des Münsters einstürzte und die Altäre, die Orgel und die Bilder zerstörte. Die Stadt geriet auch in Brand, das Feuer konnte acht Tage nicht gelöscht werden. Je nach historischer Quelle kamen dabei bis zu 2000 Menschen ums Leben.

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