Ausgeklügeltes System soll Piloten vor Ohnmacht bewahren

Der Ruf des prestigeträchtigen F-35-Jets leidet unter einer Pannenserie. Für das Sauerstoffmangel-Problem arbeiten Experten zurzeit an einem ausgeklügeltes Beatmungssystem.

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Es ist das Horror-Szenario jedes Piloten: Mitten in einem Flug das Bewusstsein zu verlieren und nicht mehr imstande zu sein, richtig zu reagieren. Ausgelöst durch eine Unterversorgung des Körpers mit Sauerstoff, Hypoxie genannt. Genau dieses Problem hat der Jet F-35 – ausgerechnet das neue Standardflugzeug der US-Armee, das nach Meinung von Präsident Donald Trump zum Export-Hit werden soll. Es gilt als teuerstes Prestigeobjekt des amerikanischen Militärs. Nach fünf Zwischenfällen innerhalb eines Monats mit Sauerstoffmangel-Symptomen bei Piloten ist im Juni aber bei einem Teil der Kampfjets ein Flugverbot verhängt worden.

«Wenn man einer geringen Sauerstoffmenge ausgesetzt ist, nimmt die körperliche Koordination ab, die geistige Klarheit sinkt, und es kann rasch zu einem Blackout kommen», sagt John Lannutti, ein Materialwissenschaftler an der Ohio State University, der sich mit der Sensoren-Entwicklung für die Erkennung von Hypoxie bei Piloten befasst, laut «Wired». Das enge Cockpit und der unförmige Druckanzug der Piloten fördert das Problem noch. Gemäss Stern.de konnten Piloten des F-35-Jets zeitweise nicht einmal den Kopf wenden.

Neues Beatmungssystem soll helfen

Sauerstoffmangel bei Piloten ist indes kein neues Problem. Schon beim Stealthjet F-22 kam es zwischen 2008 und 2012 zu einer Reihe von Zwischenfällen. Die Piloten schilderten damals Symptome wie Benommenheit und Blackouts. In der Folge mussten die Maschinen vier Monate lang am Boden bleiben. Auch beim Kampfjet F/A-18 der Schweizer Luftwaffe sind Sauerstoffprobleme bekannt.

Mit Extratraining und viel Technik geht die Air Force nun gegen die Mängel vor. «Das ist ein vielschichtiges Problem, und ich fürchte, dass das Zusammenwirken einer Unzahl von kleinen Faktoren diese Ereignisse verursacht», sagte der Befehlshaber der Luke-Airbase, Brook Leonard, an einer Pressekonferenz.

Ein intelligentes Beatmungssystem soll die Piloten künftig immer mit der richtigen Sauerstoffmenge versorgen. Zudem soll ein Sensor, der genau analysiert, was die Piloten ein- und ausatmen, eingesetzt werden. Bis das komplexe System funktioniert, dürfte es laut «Wire» aber noch dauern.

In der Zwischenzeit setzt die Air Force auf extremes Training, bei dem die Piloten in Druckkammern direkt mit einer Sauerstoff-Unterversorgung konfrontiert werden. Sie sollen ihre Atemmasken abnehmen und dann in benommenem Zustand Aufgaben lösen. Ziel ist, dass die Piloten lernen, in einer solchen Situation angemessen zu reagieren.

«Skandal und Tragödie»

Hypoxie ist nicht das erste Problem, mit dem der F-35-Jet zu kämpfen hat. Das Prestigeprojekt der US-Rüstungsindustrie wird begleitet von Verzögerungen, technischen Problemen und Kostenüberschreitungen. Der Vorsitzende des Streitkräfte-Ausschusses des US-Senats, John McCain, hat die F-35 schon mehrfach als «Skandal und Tragödie» betitelt. Erst im Mai wurde laut Welt.de eine Mindestgewichtsregelung wieder aufgehoben. Der Schleudersitz hatte bei Piloten unter 62 Kilogramm Körpergewicht erst nicht einwandfrei funktioniert.

kf

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