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Das strahlende Geheimnis des Curiosity

Seine Räder hat der Mars-Roboter bereits einmal gedreht, heute folgt die erste Ausfahrt. Angetrieben wird Curiosity durch eine Batterie, welche mit Plutonium 238 betrieben wird. Dieses stammt aus zweifelhafter Herkunft.

Der Mars-Rover soll zu einer ersten Fahrt aufbrechen: Test der Curiosity-Räder.

Der Mars-Roboter Curiosity soll heute zu einer ersten Probefahrt starten. Das Gefährt werde etwa drei Meter rollen, nach rechts abbiegen und schliesslich in einer neuen Parkposition verharren, teilte der Nasa-Projektleiter Mike Watkins mit. Vier der sechs Räder des Curiosity seien bereits gedreht worden, um die Steuerung zu testen. Das geplante Manöver ist nach Angaben der US-Raumfahrtbehörde Teil einer allgemeinen Überprüfung der Funktionen des Rovers.

Anschliessend soll sich Curiosity Dutzende Meter pro Tag auf der Mars-Oberfläche fortbewegen. Die Energie für die Ausfahrten wie auch für die Verrichtung seiner Aufgaben erhält der Nasa-Roboter dabei von einer Radionuklidbatterie, welche mit Plutonium 238 betrieben wird. Dieses wiederum stammt laut dem Online-Magazin «Slate» aus einer russischen Atomwaffenfabrik aus der Sowjetzeit.

Energie für Jahrzehnte

Seit den 1960ern schickt die Nasa Raumsonden ins All, welche ihre Energie von Radionuklidbatterien beziehen. Diese Form der Versorgung bietet sich laut dem Raumfahrtmagazin «Space» besonders bei Geräten an, welche zu weit von der Sonne entfernt eingesetzt werden, als dass Solarpanels genug Energie liefern könnten. So schickten etwa die Voyager-Sonden und Galileo dank Plutonium 238 zuverlässig Daten von Saturn und Jupiter.

Besonders geeignet ist Plutonium 238 für den Einsatz in der Raumfahrt, weil es durch den eigenen Zerfall bereits grosse Mengen von Energie abgibt. Gleichzeitig gibt es nur sehr geringe Mengen der gefährlichen Gammastrahlung ab, sodass es sich leicht abschirmen lässt. Die Halbwertszeit von 87,7 Jahren garantiert den Raumsonden und Robotern zudem eine Energieversorgung von einem Jahrzehnt und mehr.

Nebenprodukt aus der Waffenproduktion

Das Problem von Plutonium 238 ist jedoch die Herkunft. Das Isotop ist ein Nebenprodukt aus der Herstellung von waffenfähigem Plutonium 239. Nur gerade zwei Fabriken stellten den Stoff in signifikanten Mengen her: Die Atomwaffen- und Wiederaufbereitungsfabrik Savannah River im US-Bundesstaat South Carolina und eine russische Waffenfabrik im Ural. Es ist ein dreckiges Geschäft: Beide Produktionsstätten sind berüchtigt für die negativen Auswirkungen, welche sie auf die umliegende Region haben.

In Savannah River etwa deponierte man Millionen Tonnen von radioaktiven Abfallprodukten aus der Plutonium-Produktion in offenen Deponien und unterirdischen Lagern. Seit einigen Jahren investiert die US-Regierung Milliarden von Dollar, um das dadurch verseuchte Areal zu reinigen. Noch schlimmer scheint die Situation in Russland zu sein. Experten vermuten laut «Slate», dass im Ural während Jahren in unbekannter Grössenordnung radioaktive Abfälle in Gruben um die Fabrik gekippt wurden. Die Explosion eines Tanks voll strahlenden Mülls 1957 soll in der Region eine Katastrophe von den Ausmassen Tschernobyls ausgelöst haben.

Das Isotop geht aus

Seit die USA die eigene Anreicherung in den 1980ern einstellten, bezog die Nasa das Plutonium 238 ausschliesslich aus russischer Produktion, insgesamt gegen 40 Kilogramm. Mittlerweile ist der Vorrat des Isotops weltweit fast ausgegangen. Seit einigen Jahren laufen die Bemühungen, eine neue Produktion des Stoffs in den USA hochzufahren. Diese soll kleiner und sauberer sein. Eine grosse Hürde sind jedoch die Kosten: Laut «Space» schätzten die National Academies of Science, dass eine Wiederaufnahme der Plutonium-238-Fertigung Milliarden kosten dürfte.

Arm ausgestreckt

Am Montag hat Curiosity derweil erstmals seinen mehr als zwei Meter langen Roboterarm ausgestreckt. «Alles lief wie geplant», sagte Louise Jandura, Wissenschaftlerin der US-Raumfahrtbehörde Nasa. Der Roboterarm sei nun einsatzbereit.

Mit dem Instrument kann Curiosity bohren und loses Gestein aufsammeln. Auch eine Kamera ist an dem Arm installiert. Der erste Einsatz sei aber nur ein Test gewesen.

mit Material von dapd/kpn

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