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«Das werde ich nur einmal im Leben machen»

Erstmals startet in Europa ein kommerzieller Flug, währenddessen die Passagiere Schwerelosigkeit erleben. Wer sich wie ein Astronaut fühlen möchte, zahlt knapp 6000 Euro.

Fliegt in einem Winkel von 47 Grad in die Höhe: Der Airbus A300 Zéro-G auf dem Flughafen von Bordeaux.
Fliegt in einem Winkel von 47 Grad in die Höhe: Der Airbus A300 Zéro-G auf dem Flughafen von Bordeaux.
AFP

An Bord eines speziell umgerüsteten Airbus haben sich am Freitag 40 Weltraumfans und Abenteuerlustige den Traum der Schwerelosigkeit erfüllt – und sich wie echte Astronauten fühlen können.

Denn beim ersten kommerziellen sogenannten Parabelflug in Europa lassen die Passagiere die Erdanziehungskraft hinter sich und schweben schwerelos durch die Flugzeugkabine. Billig ist das Vergnügen nicht: Knapp 6000 Euro müssen die Passagiere der am südfranzösischen Flughafen Bordeaux-Mérignac startenden Maschine hinlegen.

Hoher Preis

Von dem hohen Preis hat sich Marie-Claude Lamy nicht abschrecken lassen: «Die Gelegenheit wollte ich mir nicht entgehen lassen, das ist doch klar!», sagt die 55-jährige zweifache Mutter.

Sie ist ein Luftfahrt-Fan, sass schon mal am Steuer eines kleineren Flugzeugs und lässt sich auch keine Chance entgehen, einen Helikopterflug mitzumachen. Der Parabelflug ist aber nochmal eine andere Nummer: «Das werde ich nur einmal im Leben machen», sagt Lamy.

Auch der französische Ex-Astronaut Jean-François Clervoy fiebert dem Freitag entgegen, an dem der Airbus A300 Zéro-G (für Zéro Gravité: Null Schwerkraft) starten wird. «Ich kann es kaum erwarten, sie über beide Ohren strahlen zu sehen», sagt der Mitorganisator der Flüge.

Sie, das sind die Passagiere, die einen Zustand geniessen werden, den er schon oft erlebt hat. Er beschreibt die Schwerelosigkeit als Gefühl, «dass der Körper sich seines Gewichts entledigt».

15 Mal 22 Sekunden schwerelos

Damit dies gelingt, donnert der Airbus A300 Zéro-G mit 810 Kilometern pro Stunde in einem Steigungswinkel von 47 Grad in die Höhe. Dann drosselt der Pilot die Schubkraft der Turbinen, die Maschine folgt einer parabelförmigen Bahn und stürzt in die Tiefe – das Resultat sind 22 Sekunden Schwerelosigkeit. Und weil der Airbus das Manöver während des zweieinhalbstündigen Flugs 15 Mal wiederholt, fühlt sich jeder Passagier in der gepolsterten Flugzeugkabine insgesamt rund fünf Minuten schwerelos.

Zur Eingewöhnung wird in einem ersten Parabelflug zunächst die Anziehungskraft simuliert, die auf dem Mars herrscht – ein Drittel des Körpergewichts auf der Erde –, dann zweimal die auf dem Mond – ein Sechstel des Körpergewichts. Dann folgen zwölf Parabelflüge mit völliger Schwerelosigkeit.

Tag der offenen Tür

Während es in den USA und in Russland solche kommerziellen Flüge bereits gibt, ist das neue Angebot in Europa einzigartig. Normalsterbliche, die sich vorher einem Gesundheitscheck unterziehen müssen, bekommen so Zugang zu einem bislang ausschliesslich für wissenschaftliche Zwecke genutzten A300 Zéro-G.

An Bord der Maschine lassen sich die Effekte der Schwerelosigkeit untersuchen, der die Astronauten im Weltraum ausgesetzt sind. In 15 Jahren absolvierte die Maschine von Novespace, einer Tochter des französischen Zentrums für Weltraumforschung CNES, rund hundert Flüge. Insgesamt kamen so mehr als 70 Stunden Schwerelosigkeit zustande.

Der kommerzielle Flug sei wie «ein Tag der offenen Tür in einem Forschungslabor», sagt Ex-Astronaut und Novespace-Chef Clervoy – und nicht wie «ein Freizeitpark für Touristen». Zudem bleibt auch künftig die Forschung Priorität: Neben den drei für dieses Jahr geplanten kommerziellen Einsätzen gibt es pro Jahr sechs Forschungsflüge. Der nächste Flug für zahlende Gäste startet Ende Juni in Paris – und ist bereits ausgebucht.

SDA/mw

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