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Dieser Riesenstöpsel hätte New York eine Menge Ärger erspart

Sturm Sandy liess die U-Bahn-Schächte New Yorks mit Wasser überfluten. Es entstand ein Verkehrschaos, das bis heute anhält. Eine Neuentwicklung im Auftrag der Regierung könnte ein solches Szenario künftig verhindern.

Fasst 130'000 Liter: Der Riesenstöpsel vom Pacific Northwest National Laboratory.
Fasst 130'000 Liter: Der Riesenstöpsel vom Pacific Northwest National Laboratory.

Eines der grössten Probleme, mit denen New York nach dem zerstörerischen Sturm Sandy zu kämpfen hat, sind die gefluteten U-Bahn-Schächte. Weil die überschwemmten Schienen und Perrons einen Betrieb verunmöglichten, mussten Tausende New Yorker auf Busse und Autos ausweichen. Das stellt die Stadt – auch knapp eine Woche nach dem Sturm – vor logistische Probleme, zumal die Ersatzbusse den Ansturm der Passagiere nicht bewältigen konnten. Für Autofahrer stellt sich das Problem der Benzinknappheit: Tankstellen haben entweder keinen Strom, um ihre Pumpen laufen zu lassen, oder ihre Benzin-Vorräte sind ausverkauft.

Die U-Bahn rollte zwar ab Donnerstag wieder an, allerdings nicht in den Süden Manhattans und nach Brooklyn, wo die Tunnels nach wie vor überflutet sind. Vor einer Arena in Brooklyn standen bis zu 1000 Menschen und warteten auf einen Bus, an einer Tankstelle in Coney Island warteten mehr als 100 Wagen auf eine Tankfüllung. Immer wieder kam es zu Streit und Handgreiflichkeiten.

Auffüllbar innert drei Minuten

Wie sich die Stadt zumindest einen Teil dieses Ärgers hätte ersparen können, zeigt eine Entwicklung vom Pacific Northwest National Laboratory: Die U-Bahn-Schächte könnten künftig mit riesigen aufblasbaren Stöpseln vor Hochwasser geschützt werden. Die Ballons werden innert drei Minuten mit Luft gefüllt und können so die Tunnels luft- und vor allem wasserdicht machen (siehe Video links). «Hätten wir die Dinger an den richtigen Stellen in New York platziert, hätten sie einen enormen Unterschied machen können», sagte Greg Holter vom Pacific Northwest National Laboratory dem Fernsehsender CNN.

Zurzeit existiert erst ein Prototyp dieser Entwicklung, die von der Regierung in Auftrag gegeben wurde. Dieser wurde jedoch gemäss CNN schon erfolgreich in einem Tunnel in West Virginia getestet. Dennoch rechnen die Hersteller mit einer weiteren Entwicklungszeit von bis zu zwei Jahren, ehe der Ballon grossflächig eingesetzt werden kann. Das Problem liegt in der mangelnden Dehnbarkeit des dicken Aussengewebes, das aus Vectran – einem hitze- und wasserfesten Kunststoff – besteht. Die Grösse kann bis jetzt nur um maximal ein Prozent seines Gesamtvolumens verändert werden, was den Ballon nur bei einer bestimmten Tunnelgrösse einsetzbar macht.

Günstiger als Flutschutztore

Nebst der schnellen Einsetzbarkeit besitzt der Riesenstöpsel noch einen weiteren Vorteil: Mit Entwicklungskosten von rund 480'000 Franken wäre bereits der Prototyp günstiger als teilweise vorhandene Flutschutztore, schreibt CNN.

New York tut sich derweil schwer, sich von den Folgen des Sturms zu erholen. Der Stadt steht nun zusätzlich ein Kälteeinbruch bevor. Das Rote Kreuz erklärte gestern, vor dem für Mittwoch angekündigten Herbststurm bemühe es sich verstärkt um die Einrichtung warmer Unterkünfte für die Hurrikanopfer ohne Heizung.

2,5 Millionen Menschen weiter ohne Strom

An der US-Ostküste sorgte vielerorts Benzinknappheit für chaotische Zustände, rund 2,5 Millionen Menschen waren weiter ohne Strom. Die Temperaturen in New York fielen am Wochenende, der Herbststurm am Mittwoch sollte mit Regenfällen einhergehen. Der Rot-Kreuz-Beauftragte Charley Shimanski sagte, seine Organisation arbeite eng mit den Behörden zusammen, um Aufwärmmöglichkeiten und warme Unterkünfte einzurichten und Decken und Kissen zu verteilen.

In New York litten am Wochenende mehr als 871'000 Menschen in Folge von Sandy weiter unter Stromausfall, wie der Gouverneur des Bundesstaates New York, Andrew Cuomo, sagte. Weil viele Heizungen elektrisch betrieben werden, sassen daher zahlreiche Einwohner in kalten Wohnungen. Allerdings konnte in Manhattan die Stromversorgung fast vollständig wiederhergestellt werden. Einsatzkräfte arbeiteten das Wochenende über daran, die Versorgung in den Schulen sowie in den Wahllokalen für die Präsidentschaftswahl am Dienstag wiederherzustellen.

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