Philae schläft nun

«Signalverlust, keine weitere Kommunikation mehr», twitterte die Weltraumagentur Esa. Nachdem die Batterien von Philae leer gewesen waren, brach der Kontakt zur Erde ab. Wird das Mini-Labor in zwei Monaten nochmals wach?

  • loading indicator

Nach der spektakulären Landung auf dem Kometen Tschuri hat das Mini-Labor Philae am frühen Samstagmorgen mit leeren Batterien seine Arbeit eingestellt. «Signalverlust, keine weitere Kommunikation mehr», teilte die Weltraumagentur Esa in einer Twitter-Botschaft mit.

Zwei Tage nach der Landung auf dem Kometen, der 67P/Tschurjumow-Gerassimenko heisst, habe der Lander seine Instrumente abgeschaltet. Alle bis dahin gesammelten wissenschaftlichen Daten seien erfolgreich heruntergeladen worden. «Wir haben alles empfangen. Alles lief wie geplant», sagte einer der wissenschaftlichen Leiter.

Die Batterie des Labors war auf zweieinhalb Tage ausgelegt. Da es auf dem Kometen Tschuri nach einer holprigen Landung an einer schattigen Seite aufgekommen war, war ein Nachladen vorerst nicht möglich. Experten hatten es schon am Mittwoch nach dem Aufsetzen von Philae als Erfolg bezeichnet, wenn das Gerät etwa 60 Stunden durchhalten könne.

Den Kontrolleuren beim Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) in Köln gelang es am späten Freitagabend noch einmal, mit dem Lander zu kommunizieren. «Das sind die letzten Zuckungen von Philae», prognostizierte Projektleiter Stephan Ulamec vom DLR zuvor in Darmstadt.

Laut DLR wird Philae, der mehr als eine halbe Milliarde Kilometer von der Erde entfernt ist, in den Schlaf versetzt. Möglicherweise könne das Labor wieder Energie tanken, wenn es auf Tschuri Richtung Sonne geht. «Das wird aber wahrscheinlich nicht in den nächsten zwei Monaten sein», meinte der technische Leiter des Landers, Koen Geurts vom DLR-Kontrollzentrum. Irgendwann droht allerdings der Hitzetod.

Dem Labor von der Grösse einer Waschmaschine war am Mittwoch nach zehn Jahren Reise eine Landung auf dem Kometen gelungen. Das Manöver auf dem kosmischen Brocken ist in der Geschichte der Raumfahrt der Menschheit einmalig.

Philae war von der Raumsonde Rosetta zum Kometen gebracht worden, um etwa die Zusammensetzung des Kometenkerns sowie dessen Bodenbeschaffenheit und Temperatur zu analysieren. Am Freitag wurde ein Thermometer des Instrumentes Mupus rund 35 Zentimeter in den Kometen gerammt, um die Festigkeit des Bodens zu testen und Informationen über seine Wärme zu bekommen.

Blick in die Vergangenheit

Wissenschaftler hoffen bei der Analyse der Daten auf Hinweise über die Entstehung des Sonnensystems vor 4,6 Milliarden Jahren – ein Blick in die tiefste Vergangenheit des Universums. Erwartet werden auch Indizien darauf, wie Leben möglich wurde, etwa durch den Nachweis von organischen Molekülen. Philae lieferte schon bald nach der Landung beeindruckende Fotos.

Längst nicht alles lief beim Aufsetzen auf dem Kometen mit der geringen Anziehungskraft glatt. Beim Landeversuch legte das Labor zwei Sprünge hin, von denen einer fast zwei Stunden dauerte. Danach kam Philae etwa einen Kilometer vom ursprünglichen Ziel entfernt zum Stehen. «Die Oberfläche kann also nicht besonders weich sein, sonst hätte der Lander keinen so grossen Hüpfer gemacht», erläuterte DLR-Kometenforscher Ekkehard Kührt.

Trotz der misslichen Position am Rand eines Kraters konnten laut DLR alle zehn Instrumente des Labors aktiviert werden.

chk/sda

Diese Inhalte sind für unsere Abonnenten. Sie haben noch keinen Zugang?

Erhalten Sie unlimitierten Zugriff auf alle Inhalte:

  • Exklusive Hintergrundreportagen
  • Regionale News und Berichte
  • Tolle Angebote für Kultur- und Freizeitangebote

Abonnieren Sie jetzt