Zum Hauptinhalt springen

Steigt Deutschland aus der Kohle aus, wirds kritisch

In Sachen Stromabkommen mit der EU drängen Forscher auf eine «rasche» Klärung – sonst drohen Engpässe.

Dampf steigt vom Kohlekraftwerk Mehrum in Niedersachsen auf.
Dampf steigt vom Kohlekraftwerk Mehrum in Niedersachsen auf.

Der Ausstieg aus der Kern- und fossilen Energie sei mit den heute bekannten technischen Mitteln machbar, wenn wir wollen. Diese Botschaft war an der Medienkonferenz zum Nationalen Forschungsprogramm «Energie» mehrmals zu hören. Was allerdings kaum zur Sprache kam, war die Empfehlung der Wissenschaftler über das Verhältnis der Schweiz zur EU in Sachen Stromabkommen: «Rasch zu klären», heisst es in den hinteren Seiten des präsentierten Berichts.

Kritisch werde die Situation für die Schweiz, sobald beispielsweise Deutschland nicht nur aus der Kernenergie, sondern auch aus der Kohlestromproduktion aussteige. Das soll gemäss Plan der deutschen Regierung bis 2038 der Fall sein. Ob dann der Zugriff auf genügend Stromimport aus dem Nachbarland noch gewährleistet ist, ist fraglich. Die Forscher warnen davor, dass ohne ein Stromabkommen der Zugang zu den europäischen Strommärkten zusehends schlechter wird – und dadurch die Versorgungssicherheit abnimmt.

Umso mehr, wenn der Staat neue erneuerbare Energiequellen wie Sonne- und Windkraft sowie Biomasse nicht stärker fördert. Eine Analyse des Forschungsprogramms zeigt: Ohne Förderung wird der Ausstieg aus der Kernenergie, der in den Berechnungen bis im Jahr 2035 vollzogen sein soll, fast ganz durch Stromimporte kompensiert. Mit einer Steuer auf den Energieverbrauch, so die Annahme der Forscher, würde sich vor allem ein starker Anstieg der Sonnenenergie abzeichnen, was den Stromimport deutlich schmälern würde. Die wetterbedingten Schwankungen der Sonnenenergie könnten dabei durch die eigene Wasserkraft ausgeglichen werden.

Um die Versorgungssicherheit weiter zu sichern in einem Umfeld ohne Stromabkommen, müssen gemäss Empfehlungen des Forschungsprogramms allenfalls Speicherseen ausgebaut oder strategische Stromreserven vertraglich gesichert werden.

Verschiedene Szenarien, die ebenfalls im Rahmen des Nationalen Forschungsprogramms durchgeführt wurden, zeigen zudem: Ohne Einbindung in die europäischen Energiemärkte dürften die Strompreise in der Schweiz in Zukunft deutlich höher liegen.

Die Forscher sehen allerdings auch Vorteile, falls es schwieriger würde, Strom zu importieren. Es würden gezwungenermassen unter anderem Systeme verstärkt gefördert, die Solarstrom, der im Sommer im Überschuss anfällt, langfristig speichern – und im Winter als Stromlieferant wieder zur Verfügung stehen.

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch