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US-Forscher entwickeln den Röntgenblick

Eine neue Technologie ermöglicht es, Bewegungen durch Wände wahrzunehmen. Entsprechende Geräte sollen schon 2017 auf den Markt kommen.

Lange war der Röntgenblick eine Fantasie in Comic-Heften. Doch jetzt könnte daraus Realität werden. Ein Forscherteam vom Massachusetts Institute of Technology (MIT) hat eine Software entwickelt, die Variationen in Radiosignalen verwendet, um menschliche Silhouetten durch Wände zu erkennen und ihre Bewegungen zu verfolgen.

«Denken Sie einfach an eine Kamera. Nur dass es keine Kamera gibt», sagt Fadel Adib, einer der beteiligten MIT-Forscher. «Es ist ein Sensor, der Menschen beobachten kann und der es einem erlaubt, Geräte zu kontrollieren, nur indem man auf sie zeigt», sagt er.

Viele Anwendungsbereiche

Die Forscher halten eine Reihe von Anwendungen für möglich: Eltern könnten ihre kleinen Kinder damit besser im Blick haben, in Altersheimen könnte man Demenzkranke und Orientierungslose besser beobachten, aber auch für die Polizei und das Militär ist die Anwendung natürlich hoch interessant.

Die Forschungen begannen im Jahr 2012. «Zunächst waren wir nur daran interessiert, ob man überhaupt drahtlose Signale verwenden kann, um herauszufinden, was in verborgenen Räumen passiert, also hinter einer Mauer, einer Couch oder ähnlichem», sagt Studienleiterin Dina Katabi. «Es hat sich gezeigt, dass wir das feststellen konnten. Dann haben wir weiterführende Fragen gestellt: Können wir das verwenden, um genau zu bestimmen, wie Menschen sich in einem Raum bewegen, wenn sie sich hinter einer Wand befinden?»

Das Gerät stellt das Signal auf einem Bildschirm dar, wo die Bewegungen der Person in Echtzeit verfolgt werden können. Es zeichnet das Ziel als einen roten Punkt, der sich im Raum bewegt, langsamer oder schneller wird.

Erkennen von Atmung und Herzschlag

Die drahtlosen Signale, mit denen die Bewegungen verfolgt werden, können auch die Atmung und den Herzschlag der Person messen – und sie möglicherweise auch an der Form ihres Skeletts bestimmen, wie MIT-Wissenschaftler Zach Kabelac sagt. «Der Person macht das nichts aus, sie muss nicht einmal wissen, dass das Gerät da ist», sagt Kabelac. Wenn etwas Unglückliches passiere, ein Sturz zum Beispiel, benachrichtige das Gerät eine vorher bestimmte Bezugsperson per Textnachricht oder Mail.

Das macht die Entwicklung besonders für Anwendungen im Gesundheitswesen interessant, wie Katabi sagt. Aber sie sieht auch Anwendungen beim Militär und der Polizei – besonders bei Geiselnahmen. «Man will keine Polizisten in Räume schicken, ohne zu wissen, wo die Personen stehen und wo die Geiseln sind», sagt sie.

Fragen zur Privatsphäre

Ein Unternehmen, das die Technologie mit dem Namen Emerald auf den Markt bringen soll, wird kommendes Jahr vom MIT aus gegründet. Ziel ist es, Anfang 2017 mit der Vermarktung beginnen zu können. Der Preis soll zwischen 250 und 300 Dollar (230 und 275 Euro) liegen, wie Adib sagt. Derzeit arbeite man daran, das Gerät kleiner zu machen und ein Interface zu entwickeln, so dass man es über eine Smartphone-App steuern kann, ergänzt Katabi.

Dass die Technologie Fragen zu Privatsphäre und unerlaubtem Eindringen aufwirft, ist den Forschern klar. Adib betont, man habe das ernsthaft berücksichtigt.«Das Nutzer-Interface wird dafür geeignet sein, es zu Hause zu verwenden. Aber es wird kaum zu verwenden sein, um jemanden zu verfolgen, nur wenn man es auf eine Wand richtet», sagt er.

SDA/chi

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