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Mandela, der WM-Pokal und Stolz

Am ersten Tag im WM-Land Südafrika erfährt der Besucher viel Herzlichkeit und Hilfsbereitschaft.

WM-Tourist, kommst du nach Südafrika – siehst du: Nelson Mandela. Der frühere Präsident Südafrikas lächelt an beinahe jeder Plakatwand am O R Tambo Flughafen in Johannesburg, in der Hand hält Mandela liebevoll den WM-Pokal und damit das Ziel aller 32 WM-Teams. Auf Nelson Rolihlahla Mandela, den Friedensnobelpreisträger, sind sie in Südafrika verständlicherweise furchtbar stolz, aber noch mehr freut die Leute im Land, haben sie in den nächsten Wochen die Fussballwelt zu Gast. «Welcome to South Africa», hört der WM-Besucher alle zwei Minuten, es ist keine anbiedernde Begrüssung, Herzlichkeit und Freundlichkeit sind ansteckend. Und natürlich nerven die ohrenbetäubenden Vuvuzelas, die schon am Flughafen in aller Härte tönen und hallen, bereits nach wenigen Sekunden. Kaum vorzustellen, dass sich die Gehöre der WM-Gäste an diese Tröten gewöhnen werden.

Dennoch: Der erste Eindruck ist positiv, die hilfsbereiten und netten Südafrikaner (und, ja, Zebrastreifen gibts hier auch, darum: und Südafrikanerinnen) geben sich viel Mühe. Was spielt es da für eine Rolle, dass Organisationstalent und Schnelligkeit hier eher zu den sekundären Tugenden gehören? Chaos nämlich empfängt den Besucher ebenfalls, aber mit ein bisschen Lockerheit und noch mehr Geduld hat man irgendwann doch alles (Gepäck, Bargeld, südafrikanische Handynummer, Mietauto) und ist dabei erst noch geschätzte 234-mal herzhaft willkommen geheissen worden.

Und schon fährt man auf der Strasse, im Linksverkehr, links und rechts erblickt man winkende Leute (mit Vuvuzela, Strahlen im Gesicht und/oder eine der 32 WM-Fahnen schwingend) und ungefähr alle drei Meter ein riesengrosses Plakat (mit WM-Werbung, Willkommensgruss und/oder Mandela mit/ohne WM-Pokal). Bald ordert der erste Polizist einen Halt an (oh, no! Wie hoch ist die Geschwindigkeitsbegrenzung?), und nach wenigen Sekunden merkt man, dass der gute Mann bloss ein wenig plaudern will. «Ihr seid Schweizer? Welcome to South Africa! Ihr habt ein sehr gutes Team», flötet und charmiert der junge Mann. Bemerkenswert enttäuscht gibt der Hüter von Recht und Ordnung die Strasse erst wieder frei, nachdem ihm minutenlang versichert worden ist, man habe wirklich und bedauerlicherweise kein Nationaltrikot und nicht einmal Schweizer Schokolade dabei. Und bereits ist Soccer City erreicht, der imposante Bau, wo morgen das Eröffnungsspiel zwischen Gastgeber Südafrika und Geheimfavorit Mexiko ausgetragen wird.

Vor dem Medienzentrum dürfte sich Anti-Apartheid-Held Mandela, würde er dieses Bild sehen, wohl ziemlich ärgern. Aber alles ist halb so schlimm. Die dunkelhäutigen Einheimischen stehen fürs Akkreditieren rechts vor dem gigantischen Zelt an (in der Kolonne für «Volunteers»), die hellhäutigen Journalisten dagegen links (bei «Media»). So ist das, und drinnen vermischen sich die freiwilligen Helfer und die Medienvertreter sowieso wieder. Und erneut: «Welcome to South Africa» – einmal, zweimal, dreimal – und viel Hilfsbereitschaft, verbunden mit liebenswürdiger Desorganisation ohne Hektik.

Draussen scheint um 16 Uhr immer noch die Sonne, es ist kühler geworden, und auf geht die Reise zur letzten Tagesetappe nach Vanderbijlpark, rund 70 Kilometer unterhalb von Johannesburg. Dort logieren ab heute die Schweizer im gigantischen Emerald Safari Resort und Casino. Ab heute ist der Hotelbereich für die helvetische Delegation reserviert, doch am Mittwoch darf man noch einen Augenschein nehmen. Drinnen richten Helfer des Verbands unter Aufsicht von Teammanager Philipp Ebneter Aufenthaltsraum, Fitnesscenter und Massagebereich, Küche, Materiallager und Zimmer ein. Das Schweizer Fernsehen werden die Fussballer auf ihrem TV empfangen, ansonsten halten sich die Unterhaltungsmöglichkeiten in Grenzen. Das Casino dürfte Tabuzone sein. Aber immerhin scheint es hier keine Vuvuzelas zu haben.

Und Nelson Mandela? Den angeblich angeschlagenen 91-Jährigen dürften die Schweizer kaum treffen. Es sei denn, sie erreichen den WM-Final. Aber noch sind Träume ja erlaubt.

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