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Zwei Ausstellungen in ThunWo sich Veränderung als Konstante erleben lässt

Mit Christine Streuli und Sarah Oppenheimer zeigen zwei Künstlerinnen internationalen Rangs ihre Werke im Kunstmuseum Thun.

Die US-Amerikanerin Sarah Oppenheimer stellt sich hinter eines der Stahlrohre, mit denen die unterschiedlichen Elemente ihrer Installation im Kunstmuseum Thun miteinander verbunden sind und sich deshalb verändern lassen.
Die US-Amerikanerin Sarah Oppenheimer stellt sich hinter eines der Stahlrohre, mit denen die unterschiedlichen Elemente ihrer Installation im Kunstmuseum Thun miteinander verbunden sind und sich deshalb verändern lassen.
Foto: Patric Spahni

Veränderung ist die einzige Konstante. Der gemeinsame Nenner von Tun und Nichtstun ist, dass sich beide Verhaltensweisen auswirken – auf sich selbst und das Umfeld, auf Gegenwart und Zukunft. Die Wechselwirkung zwischen Aussen- und Innenwelt beeinflusst sich gegenseitig.

Die aktuellen Ausstellungen im Kunstmuseum Thun machen nun solch universelle Gesetzmässigkeiten erfahrbar. Die Besuchenden erleben sich zudem als Teil der Veränderung. Veranschaulicht wird dies von zwei international renommierten Künstlerinnen: die US-Amerikanerin Sarah Oppenheimer mit ihrer Installation und die in Berlin lebende Schweizerin Christine Streuli mit ihrer Malerei.

Die beiden Frauen zeigen ihre Kunst zwar getrennt, als zwei Parallelausstellungen, aber: Trotzdem berühren sich ihre unterschiedlichen Arbeiten über die verwandten Themen hinweg.

Auf der einen Seite tauchen die Malereien von Christine Streuli die Betrachtenden in ein Meer aus Farben und Formen. Ihre Werke sprengen mit verspielter Leichtigkeit enge Räume und initiieren bunte Fantasiereisen. Auf der anderen Seite wird das Publikum in der ausgeklügelten Installation von Sarah Oppenheimer selbst Teil der Kunst.

Malerisch und installativ

«Ich verfolge die Arbeit der beiden Künstlerinnen seit langem und bin glücklich, dass es jetzt geklappt hat, sie nach Thun zu holen», sagt Museumsdirektorin Helen Hirsch, während sie durch die Ausstellungen führt. «Mich fasziniert, wie beide bei ihrer Kunst Raum und Architektur und genauso das Publikum miteinbeziehen.»

Christine Streulis Kunst sei präsent und monumental, Wände und Leinwand sprengend. An Sarah Oppenheimer wiederum fasziniere sie, wie sie aus bestehenden neue Räume kreiert und die Sinne miteinbezieht. «Beide Frauen verbinden unabhängig voneinander malerische und installative Elemente.»

Was ist Malerei heute?

Die Werke von Christine Streuli gehören zu ihrer Einzelausstellung «Lange Arme, kurze Beine». Aus den Farben sprüht pure Lust an der Freude und am Experimentieren. Den grossen Saal füllt ihre Installation weit mehr als lediglich den Raum: Weder Wandgrösse noch Deckenhöhe stecken der Künstlerin Grenzen.

Zwei Wände sind orange untermalt, bunte Leinwände erzählen wortlos Geschichten, und die für Streuli typischen überdimensionalen Pinselstriche schwingen über die Installation hinweg und darüber hinaus in die Welt. An einen stets wiederkehrenden Schwung erinnernd, der wie eine Welle im Meer an den Strand spült und ins tiefe Wasser zurückgleitet und sich wieder über den Sand ergiesst.

Farbenstark, schwungvoll und saalfüllend: Im Kunstmuseum Thun sind ab heute Werke von Christine Streuli zu sehen.
Farbenstark, schwungvoll und saalfüllend: Im Kunstmuseum Thun sind ab heute Werke von Christine Streuli zu sehen.
Foto: Patric Spahni

Christine Streuli spielt mit der Malerei, mischt Materialien. Sie benutzt Pinsel, Spraydose, Schablone und bringt Schichten und abstrakte und gegenständliche Formen in einen Dialog. Oft vereint sie diese digital auf einem Druck oder auf einer Folie, die zurück an der Wand wieder wie bemalte Leinwände wirken. «Christine Streuli fragt stets aufs Neue, was Malerei ist, darf und kann», sagt Helen Hirsch und betrachtet dazu deren Retrospektive im Raum nebenan.

Bei Streuli wirkt es zwar improvisiert spielend, doch ihr Wirken ist durchdacht: Die Langenthalerin, die 2007 an der Biennale in Venedig den Schweizer Pavillon bestückte, unterrichtet als Professorin an der Universität der Künste in Berlin.

Die stete Veränderung verfolgen

Der Präzision eines Uhrwerks ähnlich, bespielt Sarah Oppenheimer das Kunstmuseum. Holzbretter, Glaselemente und Stahlrohre sind über die Räume hinweg miteinander verbunden. Die einzelnen Komponente bewegen gleichzeitig andere. Das Publikum ist eingeladen, die Installation stetig zu verwandeln.

«Mit ihr spiele ich mit dem Raum und ermögliche Interessierten, Teil der Veränderung zu sein – und sich dabei zu erinnern, dass wir als Mensch mit allem um uns herum in Verbindung stehen», sagt die Künstlerin, welche beim Rundgang noch die letzten Handgriffe vollzieht. «Wir sind eins, alles ist Energie. Unsere Umwelt und unser Körper setzen unsichtbare Reaktionsketten in Gang.»

Zwei Jahre haben Sarah Oppenheimer und ihr Team an der Installation für Thun gearbeitet, sie dreidimensional an Computerprogrammen bis ins letzte Detail geplant und durch das Museums-Team die Einzelteile herstellen lassen. «Für mich ist dieses Projekt einmalig», sagt die US-Amerikanerin, die 2011 an der Art Basel erstmals in der Schweiz als Künstlerin präsent gewesen ist. «In Thun kann ich zum ersten Mal die Räume miteinander verbinden – so, als würden sie ihre ursprüngliche Räumlichkeit verlieren und wir uns in mehreren Räumen gleichzeitig aufhalten.»