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LeserantwortDer Torf – ein Multitalent

Auf die Frage von Leser Klaus Maurer aus Aeschau hat das «Forum» zahlreiche Antworten erhalten.

Diese Aufnahme aus den 1930er-Jahren warf Fragen auf. 
zvg

Eine alte, schwarzweisse Fotoaufnahme brachte Klaus Maurer aus Aeschau ins Grübeln. Sie zeigt einen Pferdekarren mitsamt einer Ladung Torf­ballen. Er weiss, dass diese in den frühen 1930er-Jahren von Niederscherli nach Oberbalm transportiert wurden. Doch welchen Zweck der Torf er­füllte, kann er sich nicht er­klären. Er wandte sich an die Leserinnen und Leser des «Forums». Deren Antworten liessen nicht lange auf sich warten: «Soviel ich weiss, brauchte man die Torfballen zum Heizen, da man zu dieser Zeit zu wenig Holz hatte», schreibt zum Beispiel Albert Broder aus Geroldswil. Bertha Stalder-Oesch aus Signau ergänzt jedoch, dass sich hierzu nicht alle Torfarten gleich gut eigneten: «Eine brannte viel länger – fast wie ein Kohlebrikett.»
Von Verena Christen-Stämpfli aus Walkringen erfahren wir zudem, dass sich das Material vorzüglich zur Isolation eignet. Und Uwe Carstensen aus Hilden, Deutschland, schreibt, dass der Torf bei Pferden und Schweinen früher als Stall­einstreu verwendet wurde. Sobald der Torf keine Feuchtigkeit mehr aufnehmen konnte, wurde der Stallboden geräumt und eine neue Schicht verteilt. Der «Forum»-Leser, der lange im Bereich der Herstellung und der Beratung bei der Anwendung von Torfprodukten tätig war, fügt an, dass das Material früher auch bei Gärtnern beliebt war. Diese vermischten Komposte mit Torf und deckten so ihren Substratbedarf.
Doch damit der Torf überhaupt verwendet werden konnte, musste er erst einmal ge­wonnen werden. Werner ­Bühler aus Utzenstorf mag sich daran erinnern, dass in den 60er-Jahren Strafgefangene rund um die Strafanstalten Witzwil Torf stechen mussten. Und noch einmal Bertha ­Stalder-Oesch ergänzt: «Dann wurde die im Berndeutschen genannte Turbe geviertelt, zu Türmen aufgeschichtet und auf eine sogenannte Turbenstange – einer Bohnenstange ähnlich – zum Trocknen gelegt.»