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Offener Brief an KantonYB und SCB greifen Regierung an

Die beiden grossen Sportclubs zeigen sich bestürzt über den Entscheid, Grossveranstaltungen mit über 1000 Zuschauern im Kanton Bern zu verbieten.

Bild aus glücklicheren Zeiten. Der SC Bern gastiert im Januar 2019 im Wankdorf.
Bild aus glücklicheren Zeiten. Der SC Bern gastiert im Januar 2019 im Wankdorf.
Foto: Raphael Moser

Überrascht und frustriert gaben sich die Verantwortlichen von YB und dem SC Bern am Sonntag, nach dem Entscheid des Kantons Bern, Grossveranstaltungen mit über 1000 Zuschauern zu verbieten. Nachdem sie eine Nacht über den Entscheid geschlafen haben, wenden sich die Clubs am Montagnachmittag an die Regierung. Nachfolgend der offene Brief im Wortlaut:

«Liebe Kantonsregierung. Die Entwicklung der Pandemie gibt tatsächlich zu denken und mahnt zur Vorsicht. Entsprechend hat der Bundesrat am Sonntag weitere Massnahmen verordnet. Massnahmen, die in Anbetracht der Situation verhältnismässig, sinnvoll und nachvollziehbar sind. Und der Bundesrat hat sich zum Thema Grossveranstaltungen im Sport explizit dahingehend geäussert, dass diese in Anbetracht der guten Schutzkonzepte zurzeit nicht infrage stünden. Die Bundespräsidentin hat ausserdem gesagt, sie hoffe, dass mit den Beschlüssen des Bundesrats nun das «Gstürm», wer was mache, aufhöre. So weit, so gut.


Und dann kommt Ihr, liebe Kantonsregierung, eine Stunde später mit dem Verbot von Grossveranstaltungen mit über 1000 Personen – notabene als einziger Kanton der Schweiz. Wir hätten uns ein bisschen Vorlaufzeit erhofft und uns gern Argumente angehört.

Wir sind nach wie vor bestürzt, wir sind verärgert und enttäuscht. Wir Sportclubs – dazu gehören nicht nur die beiden Stadtberner Clubs YB und SCB, sondern zahlreiche andere wie der FC Thun, EHC Biel, die SCL Tigers und der SC Langenthal – haben uns alle erdenkliche Mühe gegeben und keine Kosten gescheut, um wirkungsvolle Schutzkonzepte zu erarbeiten und diese umzusetzen. Es ist nach mehreren Wochen der neuen Saison im Eishockey und Fussball kein einziger Covid-Fall unter Zuschauern bekannt, der in Zusammenhang mit einem Eishockey- oder Fussball-Spiel auf Profiebene steht. Warum? Weil die Schutzkonzepte der Sportclubs gut sind, weil die Leute, die sich danach sehnen, an Spiele zu kommen, sich vorbildlich verhalten. Ihr Interesse am Sport ist so gross, dass sie bereit sind, alle Vorgaben einzuhalten.

Für den Sport ist Euer Entscheid ein Frontalangriff. Für die Menschen, die sich für Sport interessieren und in die Stadien kommen möchten, ist dies ein verordneter Entzug, den sie nicht verstehen und nachvollziehen können.

In der jetzigen Situation sind alle Vorsichtsmassnahmen, welche zur Eindämmung der Pandemie beitragen, zu unterstützen. Dabei gilt es, unbedingt Mass zu bewahren und das «normale» Leben mit gesundem Menschenverstand aufrechtzuerhalten. Dazu zählen wir die Maskenpflicht. Eine Massnahme, die hilft, aber keine Aktivitäten beeinträchtigt. Diese Maskenpflicht haben die Sportclubs bereits seit langem umgesetzt.

Das, was Ihr, liebe Kantonsregierung, jetzt entschieden habt, hilft nicht. Das Wohlbefinden, nicht zuletzt auch die Gesundheit der Bevölkerung, hängt auch vom gesellschaftlichen Leben ab. Wir wären Euch, liebe Kantonsregierung, sehr dankbar, wenn Ihr dies in Eure Überlegungen einfliessen lassen würdet.

Die Geschäftsleitungen des BSC Young Boys und des SC Bern»

42 Kommentare
    Andreas Martin

    Würde überall so stark auf Maskentragen + Distanz (zu unbekannten Dritten...) geachtet wie in den Eisstadien, hätte man kaum die explodierenden Fallzahlen. Die Ansteckungen passieren nicht dort, sondern beim Chorsingen, an Familienfeiern oder in Bars und Clubs - d.h. überall, wo Menschen in geschlossenen Räumen eng zusammen sind und bei der (wegen des Lärms) lautstarken Kommunikation oder beim Singen entsprechend "Ausstoss" produzieren. Selbst nach den Hockey- oder Fussballspielen ist sind - wegen der bereits reduzierten Anzahl Zuschauern - in Trams und Bussen weitaus weniger Menschen gemeinsam unterwegs, als wenn am Morgen die Schüler alle gleichzeitig auf dem Weg sind. Sämtliche "Grossveranstaltungen" über einen Leisten zu schlagen ist deshalb nicht sachgerecht und entspricht in keinster Weise einer realistischen Risikoabschätzung. Vermutlich wissen das die Politiker auch, aber sehen es als aussichtslos an, dem Durchschnittswähler zu erklären, warum bei einer Familienfeier mit 30 Personen im "kleinen Sääli" ein höheres Ansteckungsrisiko besteht als an einem Hockeymatch.