Zürcher Polizei ärgert sich – und zeigt Video

Sie wollten zu einem Schwerverletzten im Schöneichtunnel, die Rettungsgasse war aber versperrt. Nun greift die Polizei zu einem ungewöhnlichen Mittel.

«So funktioniert das nicht»: Ein Lieferwagen steht im Weg der Rettungskräfte. Video: Stadtpolizei Zürich

Immer wieder blockieren Autofahrer die Rettungsgasse für Ambulanz, Feuerwehr und Polizei. Das jüngste Beispiel hat sich am Montag vor dem Schöneichtunnel ereignet. Auf der A1L bei Zürich prallte ein Töfffahrer ins Heck eines Autos. Der 35-Jährige wurde dabei schwer verletzt, wie die Kantonspolizei Zürich am Dienstag mitteilte. Der Tunnel musste aufgrund des Unfalls stadtauswärts über zwei Stunden gesperrt werden, was zu Stau führte.

Töfffahrer verunfallt und schwer verletzt: Unfallort im Schöneichtunnel. Bild: Kapo ZH

Ein Video, das die Stadtpolizei Zürich am Dienstag auf Twitter veröffentlichte, zeigt den Versuch der Einsatzkräfte, zum Unfallort zu gelangen. Doch ein weisser Lieferwagen versperrt die Rettungsgasse und hält die Einsatzkräfte auf. Dazu der Kommentar der Polizei: «Es zeigt sich wieder einmal, wie wichtig eine Rettungsgasse wäre. So funktioniert das nicht.»

Dass dieser Vorfall keine Ausnahme ist, bestätigt Christian Spaltenstein, Sprecher der Stadtpolizei, gegenüber «20 Minuten»: «Leider kommt es immer wieder zu solchen Situationen.» Der Grund: Die Leute wissen oft nicht, wie eine korrekte Rettungsgasse aussieht. «Wir versuchen, die Leute darauf hinzuweisen. Dafür wurde vor einigen Monaten eine schweizweite Kampagne lanciert.»

Rettungsgasse ist nicht freiwillig

Im Schweizer Strassenverkehrsrecht sei die Bildung einer korrekten Rettungsgasse sogar gesetzlich verankert. Wer sich nicht daran hält, muss damit rechnen, von der Polizei verzeigt zu werden: «Über die Höhe der Strafe entscheidet der zuständige Richter.»

So sieht eine vorbildliche Rettungsgasse aus. Video: Kapo BL

Wichtig ist es laut Spaltenstein, dass die Verkehrsteilnehmer bei Anzeichen von Stau rechtzeitig reagieren. «Das heisst, Ruhe bewahren und sich möglichst links oder rechts einordnen, um so eine etwa drei Meter breite Rettungsgasse zu bilden.»

Was beim Fahrer des weissen Lieferwagens genau falsch gelaufen ist, kann Spaltenstein nicht beurteilen: «Ob eine polizeiliche Anzeige erfolgte, kann ich zur Zeit nicht sagen.» Notwendig dafür sei, dass die Polizisten die Nummer des Autokontrollschilds aufgeschrieben haben.

«So etwas macht mich so wütend»

Auf Twitter sind die User empört über das Video der Polizei. So schreibt eine Nutzerin: «So etwas macht mich so wütend. Wie kann man nicht über den eigenen Tellerrand hinaussehen?» Und eine andere Frau meint: «Egoistenpack. Jeder hat das Gefühl, zu kurz zu kommen.» Noch deutlichere Worte findet ein anderer Nutzer: «Nur Dubble uf de Strass. Billett abnehmen.»

So funktioniert die Rettungsgasse: Erklärvideo der Kapo BE.

(Übernommen von 20min.ch, bearbeitet von berneroberlaender.ch/Newsnetz)

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