Zum Hauptinhalt springen

Spaghettiwestern aus dem «Dritten Reich»

Glorreiche Mistkerle im Kampf gegen Hitler & Co: US-Regisseur Quentin Tarantino läuft mit «Inglourious Basterds» zu Hochform auf. Christoph Waltz als Nazi-Offizier spielt durch seine brillante Interpretation selbst US-Army-Leutnant Brad Pitt an die Wand.

Tarantinos neuestes Opus ist da – in voller Länge (152 Minuten). Und mit zunehmender Dauer wird es immer besser. Wie gewohnt lässt es sich der Autor und Regisseur nicht nehmen, Genres, Bildsprache und Musik wild durcheinanderzuwürfeln: «Inglourious Basterds» ist ein Spaghettiwestern, der im Zweiten Weltkrieg spielt – mitunter musikalisch untermalt von David Bowie. «Man könnte auch sagen: ein Makkaroni-Schlachtfilm, wie das Subgenre von Kriegs-Spaghettiwestern in Japan genannt wird», korrigiert sich der Regisseur, der als wandelndes Filmlexikon bekannt ist. «Typen wie die Dirty Dozen auf Rachefeldzug – in einer Zeit, wo das Leben rau und billig ist – das passte für mich gut zu Europa im Zweiten Weltkrieg. Übrigens: Bevor er starb, plante selbst der legendäre Spaghettiwestern-Regisseur Sergio Leone einen Film über Stalingrad», sagt Tarantino vor den Medien.Showdown im KinoDer Film beginnt mit einer lang gezogenen, spannungsaufbauenden Szene in Anspielung auf Leones «Once Upon a Time in the West»: Nazi-Colonel Hans Landa (Christoph Waltz) spürt im besetzten Frankreich ein Judenversteck auf, der Exekution kann nur die junge Shosanna Dreyfus (Mélanie Laurent) entfliehen. Sie taucht unter und führt später in Paris ein Kino, wo Hitler und die Nazi-Elite einer Filmpremiere beiwohnen sollen. Shosanna wittert die Chance zur Vergeltung, ebenso wie eine Gruppe von glorreichen jüdischen Rächern unter der Führung von US-Army-Leutnant Aldo Raine (Brad Pitt), der mit Filmstar und Widerstandskämpferin Bridget Von Hammersmark (Diane Kruger) für den grossen Showdown gegen Landa und Hitler & Co. im Kinosaal zusammenspannt.Brillant: Waltz als NaziEine mehrminütige Standing Ovation und der Darstellerpreis für den Österreicher Christoph Waltz am Filmfestival in Cannes hat «Inglourious Basterds» zu einem frühen Kandidaten für die Oscar-Saison gemacht. Der 52-jährige Waltz versucht den Rummel etwas zu verdrängen. «Als statt zehn plötzlich 500 Kameras blitzten, hatte ich die Füsse schon nicht mehr ganz auf dem roten Teppich», schmunzelt der in London wohnende Schauspieler, der in den frühen Achtzigerjahren unter anderem als Mozart in «Amadeus» (1984) und als Hamlet («Meine wichtigste Theatererfahrung überhaupt») im Zürcher Schauspielhaus auftrat. «Aber auch wenn sich jetzt die Türen weiter für mich öffnen sollten und die Rollenauswahl grösser und somit schwieriger wird: Ich bin lange genug dabei, um zu wissen, dass man nicht über Nacht zum Superstar wird.» Anders als die deutsche Schauspielerin Diane Kruger («National Treasure»), im Film die Widerstandskämpferin, macht er sich also keine Illusionen auf eine Hollywoodkarriere. Die zwischen Los Angeles und Vancouver pendelnde Hildesheimerin Diane Kruger hat für »Inglourious Basterds» erstmals in Berlin gedreht – und nach «Troy» schon zum zweiten Mal mit Brad Pitt: «Damals war ich noch so grün hinter den Ohren. Jetzt war ich froh, ihm mit mehr Erfahrung und weniger Nervosität gegenüber zu treten.» Da Krüger mit ihrem ersten Mann in Paris lebte, war sie die designierte Dolmetscherin zwischen Amerikanern, Franzosen und Deutschen auf dem Set. «Ich finde es toll, dass Quentin die Schauspieler in ihrer Muttersprache sprechen liess. Obwohl er weder Deutsch noch Französisch spricht, wusste er immer, wenn wir etwas ausliessen.»Mut zur AuthentiziätIn der Tat gibt es kaum einen Hollywood-Film, der es mit der Sprache und den Akzenten so genau nimmt wie «Inglourious Basterds»: An den französischen Dialogen hat der Übersetzer der in Frankreich sehr beliebten Woody-Allen-Filme gefeilt, die deutschen Dialoge hat Regisseur Tom Tykwer («Lola rennt») Tarantino-gerecht geschrieben. «Auch beim Casting achtete Quentin auf Authentizität», so die Französin Mélanie Laurent. «Für meine Rolle hätte er jedenfalls keine Belgierin genommen.» Als Shosanna musste die Newcomerin lernen, Filmrollen zu wechseln und den Tarantino-Klassiker »Reservoir Dogs» für ein Publikum zu projizieren – inklusive Vorfilme und Werbung. «Quentin nimmt seine Arbeit sehr ernst», findet auch Brad Pitt. «Wenn man auf dem Set ist, ist man in seiner Kirche. Aber es ist eine Freude, mit ihm zu arbeiten. Er hat ein unglaubliches Wissen, das er sich durch Filme angeeignet hat. Und er hat ein beneidenswertes Gedächtnis.» Tarantino hat Freude an seinem Superstar, der sich in «Inglourious Basterds» wie schon in «Babel» (2006) mit einer Ensemble-Rolle begnügt: »Brad ist jetzt auf dem Zenit seiner Karriere. Er hat eine Persona entwickelt und kann eine ganze Bande anführen. Und wie toll er aussieht! Als ich einmal durch die Kamera schaute, um den genauen Ausschnitt zu bestimmen, dachte ich mir: Ich wette, Sydney Pollack fühlte sich gleich, als er durch die Linse Robert Redford in ‹Jeremiah Johnson› sah!»Marlène von ArxDer Film läuft ab 20.August im Kino.>

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch