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Ein Tüftler zwischen zwei Welten

Als 21-jähriger Mechaniker suchte der Scharnachtaler Bruno Wittwer das Abenteuer und reiste nach Australien. Das Land hat ihn nie mehr losgelassen – seit 40 Jahren pendelt der Kandertaler Tüftler zwischen den beiden Welten.

Der 61-jährige Bruno Wittwer lebt ein bewegtes Leben. Und er weiss, dass ihn die Leute als «Grünen und Spinner» bezeichnen, wie er sagt. Der Scharnachtaler ist Erfinder, pendelt zwischen der Schweiz und Australien – und er geniesst das Leben. Gratis nach Australien 1969 suchte die australische Botschaft per Inserat Berufsleute. Bruno Wittwer, ein junger Mechaniker, meldete sich für einen zweijährigen Aufenthalt. «Der Charterflug von London über Beirut, Neu-Delhi, Singapur und Sydney nach Melbourne war lang und anstrengend, aber von Australien finanziert», erinnert er sich. Schon in der ersten Tagen lernte er einen Schweizer kennen, der ihm einen Job als Werkzeugmacher in einer deutschen Firma vermittelte. Dort lernte er jedoch nicht Englisch. Deshalb zog er bald weiter nach Perth, besuchte kostenlos angebotene Sprachkurse, reparierte Wasserpumpen und war als Servicemonteur unterwegs. Nach zwei Jahren trampte er zurück in seine Heimat. Wittwer arbeitete bei der Firma Schindler, erwarb elektrische und elektronische Kenntnisse und montierte Lifte – auch im Ausland, in Südafrika. Ende der Siebzigerjahre kehrte er zurück in die Schweiz, um für zwei Jahre mit seiner Freundin Käthi Schmid aus Frutigen nach Australien zu gehen. Rund um den Kontinent reisten sie, arbeiteten und genossen das Leben. Retour in der Schweiz, heirateten sie 1982, lebten in Frutigen und in Scharnachtal und freuten sich an ihren Kindern Karin und Denis. «Uf u dervo» statt Hausbau «Eigentlich wollte ich in Scharnachtal ein Haus bauen, aber die engen Schranken, die Formalitäten und strengen Regeln in der Schweiz, auch am Arbeitsplatz, bereiteten mir Mühe», sagt Bruno Wittwer rückblickend. So wanderte seine Familie 1987 nach Australien aus. In Perth sollte er mehr unternehmerische Freiheit geniessen. 1990 gründete Wittwer seine Firma B/W Solar für erneuerbare Energien, entwickelte einen Tracker (eine technische Anlage, die eine Fotovoltaikanlage nach der Sonne ausrichtet) und verkaufte diesen zusammen mit einer selber entwickelten Wasserpumpe. Die Firma wuchs (zu) schnell. Er hatte Angestellte, einen neuen Markt entdeckt und suchte Investoren. Nachdem diese gefunden worden waren, hätten sie ihn nach eineinhalb Jahren aus der Firma geworfen und die Verträge gebrochen, erzählt der Scharnachtaler. Unterkriegen liess er sich nicht. Er gründete eine neue Firma, wurde Generalimporteur einer Solarpumpe aus Deutschland. Da seine Kinder kaum Interesse an der Weiterführung der Firma zeigten, verkaufte er den Betrieb vor zwei Jahren, «diesmal aber zu guten Bedingungen», wie er sagt. Seither lebt Bruno Wittwer abwechslungsweise in Australien und in seinem «Chäli» in Scharnachtal. Das einfache Weidhüttli mit Solarstrom schmücken Blumen sowie verschiedene Tierskulpturen des Hondricher Motorsägeschnitzers Hansueli Knöri. An der Schweiz schätzt Weltenbummler Wittwer die Jahreszeiten, die Berge, die guten Kollegen sowie die Zuverlässigkeit und Ehrlichkeit. Hingegen nerven ihn «pingelig genaue Menschen». Den Australiern traue er weniger, er bekomme zu spüren, dass er Ausländer sei. Auch missfällt ihm die Oberflächlichkeit. Dafür geniesst er das warme Wetter und die Freiheit. Ob hier oder dort, Wittwer führt seine Geschäfte weiter, knüpft Kontakte und verwirklicht Ideen. «Das geht ja leicht via Internet», sagt er. Projekt für die Dritte Welt Eines seiner Projekte: Er entwickelte eine kleine, einfache Wasserpumpe für Dorfbrunnen und die Bewässerung von Feldern in Drittweltländern. Betrieben wird die Pumpe mit nur einem Solarpaneel und im Handbetrieb. Die Erfindung stellte er Hilfswerken und der UNO vor, die wollten indes Testergebnisse und Studien sehen. Darum wird seine Pumpe jetzt an der Hochschule für Technik in Rapperswil getestet. Wittwer beabsichtigt, einen Hersteller zu suchen. Er will seine Idee verwirklichen – und vertreiben. Im Oberland hat der Herbst Einzug gehalten, in Australien wird es Sommer. «Am 12.Oktober gani umi düri», sagt der Weltenbummler. Rösi Reichen >

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