Zum Hauptinhalt springen

FC-St.-Gallen-Fan wird verurteilt

Nach dem Fussballspiel FC Thun gegen FC St. Gallen kam es letztes Jahr zu Tätlichkeiten. Ein Thun-Fan wurde verletzt. Die Polizei zeigte einen St.Galler an. Das Obergericht hat ihn

Am 25.April 2008 fand in Thun der Fussballmatch Thun gegen St.Gallen statt. Nach dem Spiel kehrten die St.Galler Fans zu Fuss zum Bahnhof zurück. Unterwegs ereignete sich eine Schlägerei, bei der ein Thuner Fan zu Boden ging. Der angeschuldigte St.Galler soll dem am Boden liegenden Thuner einen Fusstritt ins Gesicht gegeben haben. Drei Polizisten in Zivil, die den Rückmarsch der St.Galler beobachteten, sahen den St.Galler und versuchten ihn noch am Tatort festzuhalten. Dies gelang ihnen jedoch nicht, worauf sie an den Bahnhof eilten und in der Unterführung auf die Fangruppen warteten. Sie erkannten den Jüngling, merkten sich, wo er in den Sonderzug einstieg. Im Zug liessen sie sich die Ausweise des Fans zeigen. Der so identifizierte St.Galler wurde anschliessend von der Polizei angezeigt. «Ich war es nicht»Von allem Anfang an bestritt der St.Galler, etwas mit dem Vorfall zu tun zu haben. «Ich war es nicht», erklärte er gegenüber Gerichtspräsident Peter Moser in Thun. Er war mit drei Freunden am Match, zwei von seinen Kollegen wollen auf dem Weg zum Bahnhof nichts Auffälliges beobachtet haben, obwohl sie am Prozess in Thun eingehend befragt worden waren. Moser befragte auch die Polizisten und kam zum Schluss, dass die drei jungen Männer glaubwürdige Aussagen machten. So konnte Moser nicht alle Zweifel an der Täterschaft des Angeschuldigten ausräumen und sprach ihn deshalb nach dem Grundsatz «Im Zweifel für den Angeklagten» frei. Gegen dieses Urteil appellierte der Staatsanwalt. Seiner Meinung nach hätten die Polizisten den Angeschuldigten zweifelsfrei identifiziert, er müsse deshalb wegen Körperverletzung verurteilt werden. Auch der Antrag des Generalprokurators folgte dieser Logik, weshalb es gestern vor Obergericht zum zweiten Prozess kam. Dritter Zeuge befragtDie II.Strafkammer des Obergerichtes befragte gestern noch den dritten Kollegen als Zeugen. Dieser gab an, dass es auf dem Weg zum Bahnhof auf der andern Strassenseite Provokationen gegeben habe. Es sei geschrien worden. Ob Thuner oder St.Galler geschrien hätten, könne er nicht sagen. Von einer Prügelei will auch er nichts gemerkt haben. Die Anwältin des Angeschuldigten machte nochmals darauf aufmerksam, dass die St.Galler sehr glaubwürdig ausgesagt hätten und es nicht angehe, Aussagen der Polizisten einfach für glaubwürdiger zu halten, weil es eben Polizisten seien. Sie beantragte deshalb, der Freispruch sei zu bestätigen. Urteil gekipptDie II.Strafkammer unter der Leitung von Oberrichter Jean-Mario Gfeller verurteilte den St.Galler wegen qualifizierter einfacher Körperverletzung zu einer bedingten Geldstrafe von 72 Tagessätzen zu 40 Franken und einer Busse von 720 Franken. Der Verurteilte muss die Kosten des ersten Verfahrens und die Parteikosten des Opfers übernehmen. Die Kosten für das obergerichtliche Verfahren gehen zu Lasten des Staates. Begründet wurde das Urteil damit, dass die Zeugen den Angeschuldigten schützen wollten. Die Polizisten hingegen seien genau zu diesem Zweck, nämlich zum Beobachten und Erkennen von Randalierern, ausgebildet worden. Dies sei auch am Tag des Fussballspiels ihre Aufgabe gewesen: in Zivil die Fans zu beobachten und nötigenfalls auch einzugreifen. Diese Polizisten verfügten deshalb über eine hohe Fähigkeit, sich Gesichter und Kleider einzuprägen und wiederzuerkennen. Das Obergericht ging gestern deshalb davon aus, dass der Verurteilte den Fusstritt ausgeteilt hatte. Das Opfer erlitt einen Kieferbruch und ist auch heute noch von Angst geplagt. Ungläubige ElternDie Eltern des Verurteilten, die am Prozess vor Obergericht teilnahmen, konnten das Urteil nicht fassen. Sie haben ihren Sohn erlebt, wie er ihnen die Vorgänge schilderte, und sind von der Unschuld ihres Sohnes überzeugt. Sie überlegen sich deshalb gemeinsam mit ihrem Sohn und der Verteidigerin, ob sie das Urteil weiterziehen wollen. «Es kann nicht sein, dass unser Sohn unschuldig verurteilt wird», erklärte der Vater kurz nach dem Urteilsspruch. Margrit Kunz>

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch