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Ab nach Sibirien

Trainer John Fust machte aus dem EHC Visp ein B-Spitzenteam. Der Kanadaschweizer blieb auch nach seinem Aufstieg zu den SCL Tigers in der Erfolgsspur. Dass auf seinen Nachfolger im Wallis keine einfache Aufgabe wartete, war klar. Nach der Entlassung von Real Paiment und dem Abbruch des Experiments mit einem Spielertrainer Michel Zeiter ist mit Bob Mongrain in Visp schon der dritte Trainer am Werk. Die Mannschaft hat sich in den letzten Wochen gesteigert, die Stimmung ist in die Litternahalle zurückgekehrt. Visp ist mit einem Sieg im ersten B-Final gleich weit wie vor einem Jahr unter Fust. Der Franco-Kanadier Mongrain ist aber ein ganz anderer Typ als der immer ein wenig unterkühlt wirkende Fust. Bei Sierre wurde er vergangenen Herbst nach wenigen Spielen entlassen, nachdem Klagen über seine Umgangsformen mit den Spielern laut geworden waren. Auch im Oberwallis lebt er seiner Reputation als Hitzkopf nach. So soll nach einer bitteren Niederlage in La Chaux-de-Fonds auch schon die mitgeführte Kaffeemaschine durch die Garderobe geflogen sein. Man spürt in jeder Szene eines Matchs, wie es im zuweilen grimmig wirkenden Mongrain brodelt. Der Erfolg gibt ihm bisher recht, auch wenn der Stil nicht jedem gestandenen Visper Spieler zusagt. Man ist deshalb versucht zu sagen, dass Mongrain optimal in das hitzige Klima des Wallis passt. Noch heute erzählt man sich im Tal von den Eskapaden, als in den 90er-Jahren das Duell zwischen Sierre und Martigny mehr als einmal auf dem Siedepunkt war und den wilden Westen des Schweizer Eishockeys prägte. Der kanadische Center, der zuvor mit seinem bedingungslosen, rauhen Offensivgeist auf dem Eis auch den EHC Kloten angetrieben hatte, wechselte wie Landsmann Kelly Glowa bisweilen die Seiten zwischen der Sonnenstadt und dem Unterwallis. In Martigny regierten damals die beiden Feuerköpfe Normand Dubé mit Präsident René Grand. Der eine oder andere Sportchef in der Schweiz mag heute noch von einem sogenannt «harten Hund» an der Bande träumen, von einem autoritären Zuchtmeister, einem kanadischen «Rauchfresser», der die Mannschaft mit seinem Temperament mitreisst. Allerdings braucht heute ein Trainer vor allem auf der höchsten Stufe im Umgang mit den gut gehaltenen Spielern des Profibetriebs ein anderes, differenziertes Profil. Ab nach Sibirien Mongrain gehört zu einer immer kleiner werdenden Gruppe von Trainern. Doug Shedden verkörpert beim EV Zug diesen Typus, der sich in seinen Emotionen manchmal vergisst. Und auch bei den Lakers war mit Raimo Summanen vor einem Jahr ein ähnlich gestrickter Coach engagiert. Die Kompetenz des Finnen war über alle Zweifel erhaben. Die Lakers spielten damals letztmals wie eine gute A-Mannschaft. Die verbalen Aussetzer, die auch in seiner Heimat berüchtigt waren, kosteten Summanen schliesslich den Job – ab nach Sibirien. Als Trainer von Omsk gewann er in dieser Saison die Qualifikation in der KHL. Möglicherweise federt sein Assistent Wassili Tichonow, der selber einst in Langnau scheiterte, Dispute ab. Vielleicht verstehen aber die Spieler Summanen einfach nicht.

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