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Abbau beendet die Zweigleisigkeit

Gestern wurden die

Die rund 1900 Meter lange alte Linie Lauterbrunnen–Wengen der Wengernalpbahn (WAB) ist Geschichte. Bis auf rund 45 Meter Stumpengleise, die vorübergehend noch für den Abtransport von Schotter und Material gebraucht werden, sind beinahe sämtliche Schienen Zahnstangen und Schwellen abgebaut. Die Abbau-Equipe hat ihre Arbeiten in Wengen im Juli begonnen und hat gestern die Witimatte in Lauterbrunnen erreicht. Dort, wo sich bei Kilometer 0,75 bisher das alte und das neue Gleis nach Wengen trennten, soll in der ersten Septemberwoche noch die Weiche Nr. 2 ausgebaut werden. Jochweise abgebaut«Ich bin schon ein wenig stolz, dass ich sozusagen als letzter Lokführer das alte Gleis befahren konnte», sagte gestern Karl Feuz. Seit Mitte Juli fuhr der WAB-Transportführer auf einem Lokzug ausgebaute Gleisteile talwärts. Seine Strecke wurde mit jedem Mal um 35 Meter kürzer. Ein Raupenbagger der Firma Niklaus Zenger in Waldegg hob fünf Gleisjoche von je sieben Metern Länge auf einen Tiefgänger. Die Schrottverwertung Reinhard Recycling aus Bigenthal holte mit Lastwagen die rund 250 Tonnen Alteisen im Bahnhof Lauterbrunnen ab.Mitte Oktober fertigDer Abbau des Fahrdrahtes und der Ausleger ist bereits im Gang – auch von oben nach unten. Laut Simon Bickel, Informations- und Medienverantwortlicher der Jungfraubahnen, werden alsbald die Fahrleitungsmasten demontiert und die Mastenfundamente zurückgebaut. Der Grossteil des 1,9 Kilometer langen Trassees wird der Natur überlassen. Nur die untersten 100 Meter werden rekultiviert. «Das Terrain wird ausgeglichen und die Entwässerung sichergestellt», erklärte gestern Jürg Lauper, Leiter Technik der Jungfraubahnen. Die Graf AG Wengen hält für die Wiederherstellung des Wiesenlands 80 Kubikmeter bahneigenen Humus bereit. Bis Mitte Oktober sollen alle Rückbauarbeiten abgeschlossen sein, so Bickel.117 Jahre alt geworden«Die erste Probefahrt von Lauterbrunnen nach Wengen am 18. April 1892 gelang zur besten Zufriedenheit sämtlicher Teilnehmer», schrieb Hans Michel im Jubiläumsbuch «50 Jahre WAB». 117 Jahre später sind auf dieser Strecke keine Fahrten mehr möglich. Das gleiche Schicksal widerfuhr vor drei Jahren der benachbarten Standseilbahn Lauterbrunnen–Mürren. Sie «verlor» ihr Gleis mit 115 Jahren. «Das Problem Stein- und Eisschlag hätte man so oder so, was gegen eine alternative Weiterverwendung spricht», sagte Jürg Lauper zur kompletten Stilllegung des Trassees. Eher ältere Lauterbrunner und Wengener wissen von diversen Bubenstücken auf dem ehemaligen Gleis. Für rasante Talfahrten auf der Zahnstange waren gar vielerlei «Untersätze» gut genug. Nur 17 Jahre alleinRund 800 Mann, meistens Italiener, hatten in weniger als zwei Jahren die 18,5 Kilometer lange Zahnradbahnlinie gebaut. Am 20.Juni 1893 konnte die WAB von Lauterbrunnen und Grindelwald auf die Kleine Scheidegg eröffnet werden. Bereits im blühenden Alter von 17 Jahren wurde die 1900 Meter lange Strecke von Lauterbrunnen-Witimatte nach Wengen zum «alten Gleis». Weil 1910 die neue Linie in den damals aufstrebenden Wintersportplatz Wengen gebaut war – eine zwar 1,2 Kilometer längere, aber wintersichere Bahnstrecke mit fünf Tunnel. Für den Rückbau der alten Linie wird mit Kosten von rund 600000 Franken gerechnet. Bei einer Länge von 1900 Metern sind das rund 316000 Franken pro Bahnkilometer.Ferdinand Waespe>

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